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Schülerzeitungen: Neuer Förderpreis für journalistischen Nachwuchs – Bayern | ABC-Z

Immer wieder neigen Erwachsene dazu, die Arbeit von Kindern und Jugendlichen zu unterschätzen. Warum man das nicht machen sollte? Ganz einfach, sagt Simone Fleischmann, Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV): „Schüler haben eine ganz andere Perspektive.“ Statt sich von „Social Correctness“ leiten zu lassen, würden sie ihre ehrliche Sichtweise artikulieren und gerne mal den Finger in die Wunde legen. „Dieser unverstellte Blick ist einzigartig und sollte uns als Gesellschaft wirklich viel bedeuten“, betont die Präsidentin.

In Schülerzeitungen hätten junge Leute die Möglichkeit, ihre eigenen Themen auszuwählen und ihre unverfälschte Meinung in Geschichten oder Analysen abzubilden. Zudem verweist Fleischmann auf den dokumentarischen Wert der Publikationen. Als gedruckte Chronik blieben die Sichtweisen der Jugendlichen auch für spätere Generationen erhalten.

Um genau diese Arbeit der jungen Menschen zu würdigen, haben sich der BLLV und der Bayerische Journalisten-Verband (BJV) etwas Besonderes ausgedacht: Gemeinsam vergeben sie in diesem Jahr erstmals einen „Förderpreis Schülerzeitung“ im Rahmen des Rainer-Reichert-Preises zum Tag der Pressefreiheit. „Viele bekannte und erfolgreiche Journalisten haben in der Schülerzeitung angefangen“, erklärt Harald Stocker, Vorsitzender des BJV. Es sei daher essenziell, den Journalismus direkt in die Schulen zu tragen und Jugendliche frühzeitig mit qualitativen Standards vertraut zu machen.

Das Ziel ist es, Beiträge auszuzeichnen, die sich herausragend mit dem Wert der Pressefreiheit für die Demokratie auseinandersetzen. Dabei spielt das Medium keine Rolle: Ob klassische Print-Publikation, Podcast oder andere Formate – entscheidend für eine Prämierung sind die journalistische Qualität sowie eine fundierte Auseinandersetzung mit der Bedeutung der freien Presse. Hierfür begutachtet die Jury des Rainer-Reichert-Preises, verstärkt durch ein Mitglied des Lehrerverbands, die eingereichten Einzelbeiträge. Denn Schülerzeitungen mögen zwar klein wirken, weil sie sich auf ihre jeweilige Schule beschränken – ihr Wert aber ist weitaus größer als ihre Auflage.

Der Fokus auf den Einzelbeitrag unterscheidet die Ausschreibung von BLLV und BJV vom Blattmacher, dem großen Schülerzeitungs-Wettbewerbs Bayerns: Dieser wird seit mehr als 20 Jahren von Süddeutscher Zeitung und Kultusministerium ausgerichtet, viele davon zusammen mit der Nemetschek-Stiftung. Hier prämiert eine Jury ganze Ausgaben, unterschieden wird nach Schulformen. Die Blattmacher-Gewinner ziehen außerdem automatisch in den Bundeswettbewerb weiter, der die besten Schülerzeitungen Deutschlands kürt. Allein bei dessen letzter Runde gingen neun von 34 Preisen an Redaktionen aus Bayern.

Wir suchen wieder Bayerns Beste! Der Blattmacher, der große Schülerzeitungs-Wettbewerb von Süddeutscher Zeitung, dem bayerischen Kultusministerium sowie der Nemetschek-Stiftung, geht in die 21. Runde. Mitmachen können alle Schülerzeitungen von Grundschulen, Mittelschulen, Förderschulen, Realschulen, Gymnasien und beruflichen Schulen aus Bayern. Es werden auch Preise für die besten Online-Schülerzeitungen vergeben. Die drei besten Redaktionen jeder Kategorie erhalten ein Preisgeld. Auf die ersten Plätze wartet zudem ein besonderes Belohnungsprogramm: Als Mitglied im „Club der Besten“ bekommen sie spezielle Workshops, dafür müssen die Erstplatzierten aber ein Jahr im Blattmacher-Wettbewerb aussetzen. Einzureichen sind sieben gedruckte Exemplare einer Ausgabe, die zwischen 31. Mai 2025 und 9. Juni 2026 erschienen ist. Bei reinen Online-Schülerzeitungen genügt das Absenden des Anmeldeformulars. Einsendeschluss ist der 9. Juni 2026; es gilt der Poststempel. Die Preisverleihung findet am 13. Juli 2026 in München statt. Mehr Informationen gibt es unter www.sz.de/blattmacher.

Gemeinsam haben dagegen beide Preise, dass sie die Arbeit der Nachwuchsredaktionen als Instrument der Meinungs- und Demokratiebildung verstehen. Zum einen, weil Schülerzeitungen jungen Menschen eine Stimme gewähren: Hier können sie ihre Perspektiven und Gedanken schildern. Zum anderen, weil die Schülerinnen und Schüler dazu selbst recherchieren und Quellen wägen müssen. Auf diese Weise lernt man nicht nur, wie Journalismus funktioniert – sondern ist bestenfalls ein bisschen sensibilisierter gegenüber all den Fake News und Desinformationskampagnen, die insbesondere durch die sozialen Netzwerke rauschen.

Bei diesem Thema sieht auch Stocker große Gefahren. „Die Bedrohung der Pressefreiheit stellt man sich meist sehr klassisch vor“, erklärt er. Diktatoren, die freie Berichterstattung unterdrücken, oder Journalisten, die wegen ihrer Arbeit im Gefängnis sitzen – das sei eine Form der Repression, die auch in Deutschland ihre historischen Entsprechungen fand. Tatsächlich habe die Bedrohung heute aber mehr Gesichter, die oft subtiler, aber nicht weniger gefährlich seien.

„Die aktuellste Herausforderung ist meiner Meinung nach, dass die Menschen mit einer unvorstellbaren Menge an Desinformation konfrontiert werden, bis sie am Ende nicht mehr wissen, was wahr ist“, so Stocker. Trotz hoher qualitativer Standards könne der Journalismus diese Informationsflut teils kaum durchdringen.

Der „Förderpreis Schülerzeitung“ ist daher mehr als nur eine Auszeichnung für den journalistischen Nachwuchs. Er soll den Fokus von Schülerinnen und Schülern sowie Erwachsenen gleichermaßen schärfen: Die Bedeutung des Journalismus wächst – mit jeder Falschnachricht und jedem KI-generierten Inhalt ein Stück mehr. Damit die Demokratie weiterhin wehrhaft und stabil bleibt, ist qualitative Berichterstattung essenziell. Und diese Sensibilisierung beginnt bereits in der Schule.

Der Bayerische Journalisten-Verband und der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband vergeben den „Förderpreis Schülerzeitung“ im Rahmen des Rainer-Reichert-Preises zum Tag der Pressefreiheit. Die Beiträge können aus bayerischen Schülerzeitungen, Schülerwebsites, Schülerpodcasts und weiteren Formaten stammen. Einsendeschluss ist 7. April 2026.

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