Wirtschaft

Frankfurt ist die Kokain-Hauptstadt von Deutschland | ABC-Z

Das Abwasser verrät viel über die Lebensgewohnheiten von Menschen. Etwa ob Viren oder Bakterien in großer Menge in einer Stadt verbreitet sind. Oder wie hoch der Medikamentengebrauch seiner Bewohner ist. In diesen Tagen dient es der Information, wie hoch der Drogenkonsum in den unterschiedlichen deutschen Städten ist. Grundlage dafür ist die aktuelle Abwasseranalyse der Europäischen Drogenbehörde, der EUDA.

Dass Frankfurt beim Konsum von Kokain unter allen deutschen Städten an der Spitze liegt, überrascht dabei nicht. Seit 2017 ist die im Abwasser nachgewiesene Konzentration um 70 Prozent angestiegen. Die Stadt hat seit Jahrzehnten ein Rauschgiftproblem. Früher war es Heroin, inzwischen sind es vor allem Kokain und seine aufbereitete Form, das Crack. Im Bahnhofsviertel befindet sich noch immer eine der größten Crackszenen Europas. An Wochenenden ist es keine Seltenheit, dass Reste von Kokain in Pulverform in den Toiletten in Clubs zu finden sind. Und wenn es stimmt, was aus einigen leistungsfähigen Branchen zu hören ist, wird die Substanz auch dort längst im Alltag als „Aufputschdroge“ heimlich im Büro konsumiert.

Tonnenweise gelangt das Kokain nach Deutschland

Die Ergebnisse der Abwasseranalyse sind ernst zu nehmen. Denn sie offenbaren das Problem auf mehreren Ebenen. Der Staat braucht eine Antwort darauf, dass Kokain inzwischen tonnenweise an die europäischen Häfen gelangt und von dort weiter verteilt wird bis nach Deutschland. Das Rhein-Main-Gebiet ist dabei ein Hotspot, nicht nur was den Konsum anbelangt, sondern auch im Hinblick auf die Ansiedelung krimineller Strukturen. Warum lange Lieferwege in Kauf nehmen, wenn der Kunde vor der Haustür steht? Belege dafür sind die Strafverfahren gegen organisierte Rauschgiftgruppierungen, die vom Rhein-Main-Gebiet aus operieren.

Aber auch die städtische Drogenpolitik muss sich anpassen. Das große Rad zu drehen und die Dealer und ihre Hintermänner in Haft zu bringen, ist eine Sache. Eine andere, die Konsumenten, die sich etwa im Bahnhofsviertel aufhalten, so schnell wie möglich herauszuholen aus ihrer Sucht. Wer Menschen, die zur offenen Drogenszene gehören, in ihrer Cracksucht belässt, der fördert damit indirekt auch das kriminelle Geschäft, mit dem sich die Rauschgiftkartelle bereichern.

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