Epstein, Weinstein, Pelicot – und jetzt Ulmen? | ABC-Z

Liebe Leserin, lieber Leser,
in diesen Tagen bin ich dankbar für den Frieden in unserem Land. Da mögen zwar die Benzinpreise oder auch streikende Nahverkehrsbetriebe unseren Alltag ein wenig durcheinanderrütteln. Doch die Innenpolitik verläuft ruhig plätschernd zwischen Haushaltschaos (das Sondervermögen, das eigentlich den Namen Sonder-Schuldenberg tragen sollte, wird offenbar zweckentfremdet), diversen Landtagswahlen und einem Regierenden Bürgermeister, der sich über die Anzahl seiner getätigten oder angeblich getätigten Telefonate am Tag eins des großen Berliner Stromausfalls verheddert.
Ganz schön teuer ist das Tanken in diesen Tagen geworden.
© Rene Traut | Rene Traut
An den Ukraine-Krieg haben wir uns gewöhnt. Und die neue, völlig unübersichtliche Lage da draußen im Nahen Osten, wo die USA und Israel versuchen, mit Bombardierungen die Mullahs der Islamischen Republik in Schach zu halten, die halten wir uns vom Leib. „Dieser Krieg ist nicht unser Krieg“, sagt unser Vizekanzler Lars Klingbeil. Und auch Friedrich Merz zeigt in diesen Tagen dem US-Präsidenten die kalte Schulter. Was da in der Straße von Hormus los ist, das habe sich Trump schließlich selbst eingebrockt. Zumindest verstehe ich so die Äußerung des Kanzlers bei seiner Regierungserklärung in dieser Woche: „Washington hat uns nicht zu Rate gezogen. Wir hätten abgeraten, diesen Weg zu gehen.“
Die Haltung von Merz ist ja auch verständlich. Denn was die Ziele dieses Kriegs sind, der die Weltwirtschaft bedroht, ist unklar. Geht es um den Schutz von Israel, dessen Existenzvernichtung Staatsziel der Islamischen Republik ist? Um die Zerstörung des Atomprogramms der Mullahs? Um das Mullah-System an sich?

Birgitta Stauber, Textchefin
© Montage | FMG/Reto Klar/FFS
Was Iraner wollen: Trump soll weiter Krieg führen, „bis die Mullahs weg sind“
Die Menschen im Iran hoffen auf Letzteres. Die Amerikaner und Israelis sollen so lange Bomben werfen auf militärische Ziele, auf öffentliche Einrichtungen, auf die Bunker und Paläste, „bis die Verbrecher alle tot sind“. So sagte es mir eine Exil-Iranerin, die als junge Frau schon vor den Schikanen der Mullahs floh. Jetzt ist sie 73, kämpft von Deutschland aus – und wenn es eben geht, reist sie zurück nach Teheran, um mit zu protestieren gegen den Terror, den das Regime gegenüber der eigenen Bevölkerung ausübt. Ihre Verwandten und Freunde harren derzeit still zu Hause aus, voller Angst vor dem Ende des Krieges, vor einem neuen Massaker der Milizen auf den Straßen.
Meine Kollegin Leonie Urbanczyk und ich haben mit vielen weiterer Iranerinnen und Iranern in Deutschland gesprochen, die direkten Kontakt in ihr Heimatland haben. Diese Angst vor den Revolutionsgarden, der Hass auf das Regime und die Hoffnung auf ein Ende der Mullahs scheinen die Menschen im Iran noch viel mehr zu verbinden, als wir uns das von Deutschland aus vorstellen können.

Rauchwolke über Teheran nach einem amerikanisch-israelischen Militärschlag.
© Vahid Salemi/AP/dpa | Vahid Salemi
Ich meine, wenn wir ein Ende des Kriegs fordern, haben wir leicht reden. Dann geht es um unsere Angst vor Energieengpässen. Noch höheren Benzinpreisen, teureren Flugtickets und – das will ich nicht kleinreden – auch um unsere Konjunktur und damit das allgemeine Wohlergehen.
Für die Menschen im Iran ist es der letzte Ausweg. „Sie sitzen alle in einem riesigen Foltergefängnis, nur ein Großbrand kann sie befreien“, so beschrieb mir ein Exil-Iraner ihre Gefühle.
Beinahe in die Fänge von Epstein geraten: Was ein junges Model erlebte
Schockiert hat mich diese Woche die Geschichte von Thysia Huisman. Die Niederländerin traf 1991 im Alter von 18 Jahren auf einen Pariser Model-Agenten, der dem Sexualstraftäter Jeffrey Epstein junge Frauen zuführte. Eine Woche war sie auf Partys in Luxusvillen schmückendes Beiwerk, auch für Epstein. Der Model-Agent betäubte und vergewaltigte sie. „Wie ein Lamm auf der Schlachtbank“, so beschreibt sie im Interview, das sie mit unserem Frankreich-Korrespondenten Stefan Brändle führte, ihren Albtraum, den sie in einem Buch verarbeitete. Es ist eine krasse Geschichte, die einen weiteren Einblick gibt in das System Epstein. Ein System, das auch durch die Pariser Modeszene ausgebaut wurde.

Sie galten lange als perfektes Paar: Collien Fernandes und Christian Ulmen im Jahr 2012 bei der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises.
© babiradpicture – abp | babiradpicture/Chr.Stiefler
Diese Geschichte reiht sich ein in eine Serie von Abgründen, in die Frauen trotz rechtlicher Gleichstellung, trotz finanzieller Unabhängigkeit, trotz Aufklärung nach wie vor geraten. Die Täter heißen Jeffrey Epstein, Harvey Weinstein, Marius Borg Høiby, Dominique Pelicot. Und jetzt reiht sich mutmaßlich auch noch ein deutscher Schauspieler, Entertainer und Moderator ein: Christian Ulmen soll seine Ex-Frau Collien Fernandes über Jahre digital schwer missbraucht haben. Es geht um gefälschte Nacktfotos, mit denen Ulmen im Namen seiner Frau Männer kontaktiert haben soll – und auch um Gewalt. Lesen Sie hier, welche Vorwürfe Collien Fernandes erhebt und was hinter dem Internet-Phänomen Deepfake-Pornos steckt. So wie es aussieht, rüttelt Fernandes mit ihrer Anzeige auch ziemlich die Politik auf. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken hat bereits reagiert und Gesetzesänderungen angekündigt, damit Täter schneller gefasst werden können. Eine Demo ist außerdem bereits angemeldet. Das Motto: Täter in die Schranken weisen, Opfern Mut machen, sich zur Wehr zu setzen.
Annalena Baerbock im Interview: „Ich habe viel von Rita Süßmuth gelernt“
Wussten Sie, dass ausgerechnet in Ruanda die Gleichstellung von Frauen und Männern im gesellschaftlichen und auch politischen Betrieb der Grund dafür ist, dass die Volkswirtschaft in dem kleinen afrikanischen Land enorm wächst? Ein Land, das eine verheerende Geschichte hinter sich hat: Beim Völkermord von 1994 – begangen an der Minderheit der Tutsis – kamen je nach Schätzung 500.000 bis eine Million Menschen ums Leben. Heute hat das Land eine der höchsten Quoten an Frauen in Parlamenten. Darauf weist Annalena Baerbock im Interview hin, das die Diversitätsbeauftragte der FUNKE Mediengruppe, Yvonne Weiß, mit ihr in New York führte. Baerbocks großes Vorbild war die kürzlich verstorbene CDU-Politikerin Rita Süßmuth, von der sie viel gelernt habe.

Yvonne Weiß treibt die Diversität innerhalb der FUNKE Mediengruppe voran. In New York traf sie anlässlich der Sitzung der UN-Frauenrechtskommission Annalena Baerbock.
© FMG | Privat
Die ehemalige Bundestagspräsidentin hat mit der jungen Annalena Baerbock übrigens auch ein wenig über ihr Verhältnis zu Helmut Kohl geplaudert. Ich verrate es mal: Kohl habe sich über das Klack-Klack ihrer Absätze lustig gemacht. Ich sage mal so: Ich kann am Klang der Absätze heute nicht mehr erkennen, wer sich mir in der Redaktion nähert. Die geschlechtsneutralen Sneaker sind leise, und die Ledersohlen unter Männerschuhen klackern auch gut.
Hallo Eltern: So zerstört ihr das Selbstbild eurer Kinder
Und nun ein Familienthema. Wurde Ihnen schon mal Gaslighting vorgeworfen? Oder haben Sie überhaupt schon mal davon gehört? Der psychologische Fachbegriff gehört inzwischen zu den trendigen Schlagwörtern. Er beschreibt psychische Manipulation, deren Ziel es ist, das Opfer systematisch zu verunsichern, bis es an der eigenen Wahrnehmung zweifelt.
Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
Hinter den Kulissen der Politik – meinungsstark, exklusiv, relevant.
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Werbevereinbarung
zu.
Die Psychologin Christa Roth-Sackenheim spricht von einem „bewussten und geplanten Manipulationsprozess“, der darauf ziele, jemandem zum eigenen Vorteil zu manipulieren. Und genau das komme ziemlich oft in Familien vor. Täter sind die Eltern, Opfer die Kinder. Lesen Sie hier, welche Sprüche Mütter und Väter unbedingt vermeiden sollen und wie man sich gegen Gaslighting zur Wehr setzt.

In der Hochsaison meistens zu voll: Sirmione am Gardasee
© iStock | ewg3D
Sie wollen an den Gardasee? Hier mein Tipp
Einer unserer erfolgreichsten Texte in dieser Woche war ein kurzer Bericht über neue Regeln für Touristen am Gardasee, genauer: in Sirmione. Der Ort ist vollkommen überlaufen. Wer in der Saison hinwill, muss sein Auto weit vor den Toren stehenlassen und mit dem Shuttle über die Halbinsel bis zum Ortseingang fahren. Oder, wer fit genug ist, kann einfach zu Fuß gehen. Ich kenne Sirmione gut, habe dort wundervolle Badenachmittage erlebt und Antipasti beim Aperitivo in der Abendsonne genossen. Wer sich im Fluss der Massen durch den Ortseingang schiebt und sich bis hinten ans Ende der Landzunge im Gardasee durchkämpft, findet auch in der Hochsaison Ruhe: in der Ausgrabungsstätte die Grotten des Catull. Ich muss nur daran denken und bekomme Lust, sofort wieder loszureisen.
Lang dauert es nicht mehr, dann ist Ostern. Hoffentlich darf ich Sie dann von meinem Urlaubsort jenseits der Alpen grüßen.
Bleiben Sie zuversichtlich,
Ihre Birgitta Stauber





















