Politik

Drohungen gegen Orbán wegen Ukrainekredit sind verfehlt | ABC-Z

Auf Orbán sind jetzt alle sauer. Weil der ungarische Ministerpräsident den EU-Kredit für die Ukraine blockiert, obwohl er im Dezember prinzipiell eingewilligt hatte und sein eigenes Land dafür gar nicht geradestehen soll, zeiht man ihn der Illoyalität.

Kanzler Merz raunt gar, man werde sich das merken, wenn der nächste EU-Haushalt beschlossen wird. Da klingt er wie ein kleiner Trump ohne Großbuchstaben, zumal die angedeutete Sanktionsdrohung rechtlich kaum zu verwirklichen wäre.

Will man ihm im Wahlkampf noch eins mitgeben?

Aber es geht sowieso nicht darum. Sondern man glaubt in den europäischen Hauptstädten offenbar, man könne den erhofften Wahlsieg von Orbáns Herausforderer Péter Magyar im April noch etwas anschieben, indem man dem ungarischen Störenfried noch eins mitgibt.

Wenn man sich da mal nicht täuscht. Der turbulente Brüsseler Gipfel war eine Veranstaltung ganz nach Orbáns Geschmack. Dass man ihn dort schrecklich findet, interessiert ihn schon lange nicht mehr. Im Gegenteil, er hat schon mehrfach erfahren, dass sich daraus innenpolitisch Kapital schlagen lässt.

Die Pose des Burgkapitäns in der Schlacht

Auch jetzt wirft er sich in den von seinen Getreuen kontrollierten heimischen Medien als einer in Pose, der Ungarns vitalste Interessen in offener Feldschlacht gegen eine gewaltige Übermacht verteidigt habe. Es gehe um das russische Öl, das die Ukraine absichtlich blockiere. Die Entscheidungsschlacht finde am 12. April statt, dem Wahltag. Dann gelte es, Magyar als Lakaien Brüssels und Kiews zu verhindern.

So geht die Erzählung, mit der Orbán in seinem Wahlkampf das Ruder herumreißen will. Das wird diesmal schwieriger als früher. Magyars Bewegung ist etwas anderes als die bisherige kakophone Opposition. Und sehr viele Ungarn haben die Nase voll von Orbán und der endemischen Korruption.

Jedenfalls sind sie es, die ungarischen Wähler, die über die Macht in Budapest zu entscheiden haben. In Berlin, Brüssel und Kiew sollte man das abwarten, sonst könnte man noch zu Orbáns unfreiwilligen Wahlhelfern werden. Für Washington gilt das umgekehrt übrigens auch.

Back to top button