Gesundheit

Krebs: „Molekulare Optimierung“ – Neuer Wirkstoff 60-mal effektiver gegen Magenkrebs-Bakterium |ABC-Z

Viele Menschen tragen ein Bakterium in sich, das Magenkrebs auslösen kann. Forscher haben nun eine neue Behandlung entwickelt, die deutlich stärker wirkt als bisherige Mittel – und noch einen weiteren Vorteil bietet.

In Deutschland erkranken jährlich rund 16.000 Menschen an Magenkrebs. Eine häufige Ursache ist eine Infektion mit dem weit verbreiteten Bakterium Helicobacter pylori. Forscher haben jetzt einen Ansatz entwickelt, um den Erreger deutlich effektiver zu bekämpfen.

Rund 43 Prozent der Weltbevölkerung tragen das Bakterium Helicobacter pylori in sich. Es kann Entzündungen der Magenschleimhaut auslösen, Magengeschwüre verursachen und gilt als wichtiger Risikofaktor für Magenkrebs. Üblicherweise wird die Infektion mit einer Kombination mehrerer Medikamente behandelt, darunter das Antibiotikum Metronidazol. Doch durch zunehmende Resistenzen wird die Therapie schwieriger.

Forscher der Technischen Universität München konnten die Wirksamkeit dieses Antibiotikums jetzt deutlich steigern. „Auf Basis unserer neuen Grundlagenerkenntnisse entwickelten wir chemisch leicht veränderte Varianten von Metronidazol, sogenannte Ether-Derivate. Diese molekulare Optimierung führt dazu, dass der Wirkstoff sich besser und stabiler an die Zielproteine anheften kann“, werden Michaela Fiedler und Marianne Pandler, Erstautorinnen der Studie, in einer Mitteilung zitiert.

In Labor- und Tierversuchen wirkten die neuen Verbindungen bis zu 60-mal stärker gegen das krebsfördernde Bakterium. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal „Nature Microbiology“ veröffentlicht.

Antibiotika wie Metronidazol wirken unter anderem, indem sie sogenannten oxidativen Stress im Bakterium auslösen – also chemische Prozesse, die Zellbestandteile schädigen. Wie genau das Medikament dabei in der Zelle wirkt, war bislang jedoch nicht vollständig geklärt.

Die Forscher konnten zeigen, dass Metronidazol nicht nur Stress erzeugt, sondern auch zentrale Schutzmechanismen des Bakteriums angreift. Im Fokus stehen dabei zwei Proteine: eines, das beschädigte Eiweiße repariert und ein weiteres, das schädliche Sauerstoffverbindungen neutralisiert.

Die neuen Verbindungen zeigten in den Untersuchungen nicht nur eine deutlich höhere Wirksamkeit gegen das Bakterium, sondern auch Aktivität gegen resistente Bakterienstämme. Gleichzeitig fanden die Forscher keine Hinweise auf eine erhöhte Giftigkeit für menschliche Zellen. Auch im Mausmodell erwiesen sich die Substanzen als vielversprechend: Die Infektion ließ sich bereits mit deutlich geringerer Dosierung als bei der bisherigen Standardtherapie vollständig beseitigen.

Ein weiterer Vorteil: Das Darmmikrobiom der Tiere wurde durch die neuen Wirkstoffe weniger stark beeinträchtigt als durch herkömmliche Behandlungen. Das könnte langfristig relevant sein, da Antibiotika oft auch nützliche Bakterien schädigen.

Trotz der vielversprechenden Ergebnisse betonen die Forscher, dass es sich bislang um präklinische Daten handelt. Ob die neuen Wirkstoffe auch beim Menschen sicher und wirksam sind, müssen erst klinische Studien zeigen.

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