Bezirke

Meldestelle für rechtsextreme Straftaten in Dachau: – Dachau | ABC-Z

Manuel Liebig vom Kreisjugendring (KJR) leitet die Fachstelle der Partnerschaft für Demokratie im Landkreis Dachau. Im Rahmen des Bundesprojekts „Demokratie leben“ sei es ein Auftrag für seine Stelle, so Liebig, lokale Schutzkonzepte für Betroffene zu entwickeln. Den Anstoß dazu gab unter anderem eine BR-Umfrage, der zufolge es im Schuljahr 2024/25 an zwei von drei Schulen in Bayern zu demokratiefeindlichen Vorfällen gekommen war. Offizielle Zahlen gibt es nicht, da das bayerische Kultusministerium eine Meldepflicht für Schulen ablehnt.

An der BR-Umfrage, deren Ergebnisse im Dezember 2025 veröffentlicht worden sind, haben von etwa 1500 angeschriebenen weiterführenden Schulen in Bayern knapp 600 teilgenommen. Die Umfrageergebnisse überraschten die KJR-Mitarbeiter nicht. Vor zwei Wochen war das „Demokratiemobil“ des Kreisjugendrings wieder unterwegs, machte an acht Schulen im Landkreis Station. In den Gesprächen mit den Jugendlichen wurde einmal mehr klar, wie schlimm es schon ist. Viele, erzählt Liebig, lobten die in Teilen rechtsextreme AfD als Problemlöser. Schüler drückten eine „starke Politikverdrossenheit“ aus. Die „Altparteien“, hieß es mehrfach, würden doch nichts mehr zustande bringen. Geäußert wurden auch rassistische Vorurteile, antisemitische Stereotype und Verschwörungsfantasien.

Wie verbreitet ist das Problem? Liebig vermutet eine hohe Dunkelziffer. Solche Vorfälle kommen, wie er sagt, viel häufiger vor, als viele dächten. Viele blieben unsichtbar, weil Schülerinnen und Schüler nicht wissen, an wen sie sich wenden könnten. Deshalb eine Meldestelle. Es geht darum, Betroffene ernst zu nehmen und ihnen, wenn nötig, auch eine Beratung zu vermitteln, etwa durch „Before“ in München, die Beratungsstelle für Opfer rechter und gruppenbezogener menschenfeindlicher Gewalt und Diskriminierung.

Der KJR will die Vorfälle einordnen und dokumentieren, um rechtzeitig Entwicklungen zu rechtsextremen Gruppenbildungen zu erkennen und ein umfassendes Bild von der Lage an den Schulen im Landkreis zu gewinnen. Sie sollen auch unterstützt werden, um geeignete Maßnahmen – bis hin zur strafrechtlichen Verfolgung – ergreifen zu können. Die Schulleitungen im Landkreis sind laut Liebig informiert.

Landrat Stefan Löwl (CSU) ist, wie er sagt, gespannt, ob und wie das Angebot angenommen wird. „Es ist eine gute Sache, aber Meldestellen gibt es doch schon genug.“ Etwa das Themenportal „Bayern gegen Antisemitismus“, das bayerische Lehrkräfte unterstützt, allen Formen des Antisemitismus entgegenzutreten. Weiter nennt Löwl Rias Bayern, die Recherche- und Dokumentationsstelle Antisemitismus in München.

Dagegen sieht Liebig Schwachstellen im momentanen System. „Ich bezweifle, dass das Online-Angebot im Schulalltag ankommt“, sagt er. Für Schüler und ihre Probleme in einem konkreten Fall vor Ort sei das Internetportal zu abstrakt. Der Kreisjugendring mit seiner Jugendarbeit stünde ihnen näher.

Die Meldestelle ist online erreichbar unter: https://www.kjr-dachau.de/politik-beteiligung/meldestelle.

Back to top button