Synchronsprecher schlagen Alarm – B.Z. – Die Stimme Berlins | ABC-Z

Charlottenburg – Ihre Stimmen sind uns vertraut, ihre Gesichter kaum. Sie geben Stars wie Angelina Jolie oder Ben Affleck eine deutsche Stimme. Doch nun schlagen Synchronsprecher Alarm! Denn ihre Stimmen könnten bald durch Künstliche Intelligenz (KI) ersetzt werden.
„Wir sollen abgeschafft werden. Sagen wir es einfach mal so“, erzürnt sich Susanna Bonasewicz (70, Stimme von Carrie Fisher). Wir treffen sie mit vier Kollegen stellvertretend für die Berliner Synchronbranche im Zoo Palast in Charlottenburg, um das Problem zu erörtern.
Noch herrscht Wild-West-Stimmung
Fakt ist, dass KI menschliche Stimmen längst imitieren kann. Noch klingt das zu synthetisch, aber die Technik schreitet voran. „Mit unseren Stimmen wird die KI trainiert“, erklärt Ranja Bonalana (53, Stimme von Renée Zellweger), „oder die Stimmen werden gemorphed, das heißt, aus vielen Stimmen wird eine neue kreiert, damit dann keiner mit Persönlichkeitsrecht kommt. Das nachzuweisen, ist dann fast unmöglich.“ Daher die Forderung der Sprecher, zuerst gefragt und anschließend vergütet zu werden.
Noch herrscht Wild-West-Stimmung, vieles passiert illegal, und die Politik schaut weg. Daher haben die Sprecher ein Protestvideo gedreht und eine Petition gestartet, die bereits mehr als 100.00 Unterschriften einbrachte. „Nur wenn die Fans Nein sagen, kann die Entwicklung noch aufgehalten werden“, glaubt Peter Flechtner (63, Stimme von Ben Affleck). „Man muss sich das wirklich überlegen und fragen, ob ich noch menschliche Stimmen in Filmen hören möchte oder ob nur noch Maschinen synchronisieren“, appelliert auch Bonasewicz.
Dabei geht es um Kostenoptimierung und nicht mehr um eine qualitativ gute Synchronisation. Matti Klemm (50, Stimme von Jason Momoa), meint dazu: „Es ist nur noch Reproduktion von Dingen, die es schon gibt. Das Zwischenmenschliche, das Charisma oder die nachfühlbare Energie eines Menschen, die berührt, entfällt, und damit die wirkliche Kunst der gelebten Seele.“
Brad Pitt soll mit seiner Stimme Deutsch sprechen
Noch ist es nicht so weit, aber die Zukunft sieht düster aus. So gibt es Pläne für nur noch eine Synchronstimme. „Da werden gleich für mehrere Personen in einem Film die Stimmen in Mann, Frau, Kind, alt oder jung verändert“, erläutert Claudia Urbschat-Mingues (55, Stimme von Angelina Jolie). „Auch hier sehe ich es aber so, dass wir nicht nur eine Stimme sind, sondern eine Seele tragen, wofür wir ja auch besetzt werden, um etwas Spezielles auszudrücken.“
Und es geht noch weiter: So soll etwa der englisch sprechende Brad Pitt durch die KI gejagt werden, damit er mit seiner eigenen Stimme auf Französisch oder Deutsch spricht. „Das nennt sich ‚Speech to Speech‘. Aber noch funktioniert das nicht“, meint Bonalana, „weil man die amerikanische Satzmelodie nicht ins Deutsche oder Französische übertragen kann“.
Knapp 70 Prozent aller Deutschen bevorzugen noch eine hochwertige Synchronisation in ihrer Sprache, die nur durch stimmentrainierte Schauspieler möglich ist. Wenn aber bald nur noch Roboterstimmen zu hören sind, wäre das ein Verlust – auch für Berlin, die Hochburg der Synchronbranche. Nichtsdestotrotz hat Matthew McConaughey (56) seine Stimme für solche Zwecke bereits an die KI-Firma ElevenLabs lizenziert.





















