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Landratsstichwahl Freising: Susanne Hoyer und Helmut Petz im Vergleich – Freising | ABC-Z

In die Stichwahl um das höchste Amt im Landkreis sind die beiden Favoriten Susanne Hoyer (CSU) und Helmut Petz (FW) eingezogen. Beide lagen im ersten Wahlgang nicht weit auseinander, Hoyer erhielt 32,3 Prozent, Amtsinhaber Petz 27,8 Prozent. Über kommunalpolitische Erfahrung verfügen beide. Petz, 68, ist seit sechs Jahren Freisinger Landrat, Hoyer, 56, seit zwölf Jahren Bürgermeisterin in Langenbach. Sie kennen sich gut, Hoyer ist Kreisrätin und war bei den Freien Wählern, bevor sie im Mai 2025 ihre Kandidatur bekanntgab und zur CSU wechselte. Die SZ sprach mit ihnen über die Kreisfinanzen, den Wohnungsbau und die dritte Startbahn. Die Distanz, die zwischen den beiden mittlerweile herrscht, war im Gespräch deutlich zu spüren.

SZ: Es sind nur noch wenige Tage bis zur Stichwahl? Wie sehen Ihre Tage aus? Machen Sie noch viel Wahlkampf?

Susanne Hoyer: Viel Wahlkampf, nein. Ich denke, die wichtigsten Botschaften sind draußen. Man wird schon etwas gehetzt von Themen wie dritte Startbahn, wo versucht wird, Stimmung zu machen. Aber da hält man natürlich dagegen. Grundsätzlich bin ich sehr entspannt, aber der Tag ist voll wie immer. Das kenne ich nicht anders. Wir haben ja auch unsere Verpflichtungen als Landrat, als Bürgermeisterin zu erfüllen.

Helmut Petz: Meine Tage sind ohne Wahlkampf schon ziemlich voll, jetzt sind sie noch ein bisschen voller. Das geht tatsächlich an die Energiereserven und vor allem an die Zeit, die sonst für Schlafen bleibt. Was mich gerade am Rennen hält, sind die Interviewanfragen (lacht).

Wenn Sie gewählt werden, was hat für Sie in den nächsten Wochen und Monaten oberste Priorität?

Petz: Oberste Priorität hat die Vorbereitung der konstituierenden Sitzung des Kreistags, das waren letztes Mal sechs Wochen intensive Arbeit. Ansonsten: weitermachen wie bisher. Das sind die Projekte Berufsschule, Klinikum, Flexbus, ÖPNV. Übrigens: Wir haben 95 Prozent einstimmige Kreistagsbeschlüsse, es wird schwierig sein, bei uns in der Kreispolitik Unterschiede herauszuarbeiten.

Hoyer: Ich muss das Gleiche tun, die konstituierende Sitzung vorbereiten. Aber ich habe auch eine andere Aufgabe: Ich muss die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Stabsstellen kennenlernen und Vertrauen aufbauen, dass ich nicht alles verändern werde. Es ist ja vieles sehr gut auf den Weg gebracht worden. Ganz wichtig ist, dass ich mir näher anschaue, wo es hakt. Wo ich gleich Bescheid wissen muss, wo wir stehen, ist das Jugendamt. Zudem kommt es darauf an, wie gut mir das Amt übergeben werden würde. Ob ich selbst heraussuchen müsste, wo die Brennpunkte sind.

Petz: Es gibt keine Überraschungen, wie ich das vor sechs Jahren erlebt habe. Da war einiges in desolatem Zustand. Das Jugendamt zum Beispiel oder die Finanzen, damals war nur noch ein Teil der Mitarbeitenden da, weil sie sich aufgearbeitet hatten.

Wie steht es um die Finanzen des Landkreises? Es hieß mal, sie seien katastrophal, dann gab es Entwarnung. Gibt es Raum für Investitionen?

Petz: Wir haben schon eine Viertelmilliarde Investitionen für die nächsten Jahre bis Ende 2028 beschlossen, alles hinterlegt mit Finanzierungsplänen. Es gibt die Spielräume. Es wurde zwar behauptet, der Landrat habe die Finanzen nicht im Griff, aber unsere Finanzen sind hervorragend. Wir haben ein beträchtliches Eigenkapital, mindestens einen zweistelligen Millionenbetrag. Genau kann ich es Ihnen noch nicht sagen, weil die Vorgänger-Perioden keine Jahresabschlüsse erstellt haben. (Anm. d. Red.: Das wird gerade nachgeholt.) Wir haben eine sensationell niedrige Verschuldung, nämlich 47 Euro pro Kopf im Landkreis, im Durchschnitt der Landkreise sind es etwa 700 Euro.  Wir hatten lediglich ein Jahr Engpässe, weil in Hallbergmoos circa 30 Millionen Euro an Gewerbesteuer weggebrochen waren, die Hälfte davon fehlte uns im Landkreis.

Hoyer: Ich beurteile die Situation wesentlich zurückhaltender, weil wir nicht wissen, wie viel Vermögen wir tatsächlich haben. Das sind jetzt die ersten Abschlüsse. Wir haben in der Zwischenzeit sehr viel investiert, etwa Millionen in den Schulbau. Wir sind im Landkreis sehr gut aufgestellt, wir haben ein hohes Steuer- und Gewerbesteueraufkommen. Das ist unser Glück. Aber die bundespolitische und die weltpolitische Lage haben ganz andere Vorzeichen. Das macht mir ein bisschen Sorge. Deshalb traue ich mich jetzt nicht, in höchsten Tönen von einem reichen Landkreis zu sprechen. Natürlich, wir haben die Investitionen geplant und sie müssen priorisiert ausgeführt werden. Aber ich bin es gewohnt als Bürgermeisterin, dass man Dinge auf den Prüfstand stellt und dafür sorgt, dass die Einnahmenseite so bleibt.

Wenn genug Geld vorhanden ist: Können die Bürgerinnen und Bürger auf bessere Busverbindungen hoffen? Es hat ja Streichungen gegeben.

Hoyer: Der ÖPNV ist sehr teuer geworden. Wir haben einen Sparkurs gefahren, weil wir nicht wussten, wo wir stehen, was wir uns noch leisten können. Wir müssen in jedem Fall genau hinschauen, wo die Bedarfe sind – und man muss auch über andere Konzepte nachdenken, zum Beispiel über Rufbusse nicht nur in der Stadt. Das ist ein schönes Zukunftsthema. Da gibt es schon noch einige Stellen, wo man nachjustieren kann. In Langenbach waren wir ein richtig blinder Fleck, da gab es überhaupt keine Ringverbindungen.  Schön wäre es, wenn wir im Kreistag alle zusammen das Nahverkehrskonzept überarbeiten.

Petz: Wir hatten ein Gutes gewonnen aus dem Finanzierungsengpass. Wir haben uns im Bereich ÖPNV genau überlegt, wo wir sparen können. Es gibt Pflichtaufgaben wie die Schülerbeförderung. Ansonsten haben wir drei Kriterien zugrunde gelegt: Auslastung, Bedeutung einer Linie und ob es Beteiligungsmöglichkeiten gibt, etwa durch den Flughafen, die Gemeinden oder die TUM. Ein paar Dinge haben wir tatsächlich gestrichen, zum Beispiel einen Sonntagsbus, der ganze sieben Fahrgäste hatte. Andere Lösungen wie den Flex in Moosburg haben wir auf den Weg gebracht. Ich habe den MVV bereits beauftragt, ein Konzept zu erarbeiten, wie wir den Flexbus auf den ganzen Landkreis ausdehnen können, als Zubringer zu den großen Verbindungen. Das spart uns einen Haufen Geld und wir haben trotzdem eine bessere Versorgung.

In einer Fishbowl-Diskussionsrunde zur Landratswahlvon Kreisjugendring und SZ stellte sich Susanne Hoyer den Fragen der jungen Leute.
In einer Fishbowl-Diskussionsrunde zur Landratswahlvon Kreisjugendring und SZ stellte sich Susanne Hoyer den Fragen der jungen Leute. Marco Einfeldt
Auch Helmut Petz ging bei der Fishbowl-Diskussion auf Fragen ein, etwa zu einer besseren Taktung des Expressbusses von Weihenstephan nach Garching.
Auch Helmut Petz ging bei der Fishbowl-Diskussion auf Fragen ein, etwa zu einer besseren Taktung des Expressbusses von Weihenstephan nach Garching. Marco Einfeldt

Ein anderes großes Thema ist der Wohnungsbau. Wie viel Spielraum hat der Landkreis mit der eigenen GmbH?

Hoyer: Das wird sich jetzt zeigen, wie schlagkräftig die Wohnungsbaugesellschaft wirklich ist. Wir haben das große Glück, dass wir Grundstücke besitzen. Da muss man auch neu denken, etwa über flexible Modelle: Gebäude, die zum Wohnen, aber auch für den Bürobedarf des Landratsamts genutzt werden könnten. Die öffentliche Hand allein kann aber nicht ausreichend bezahlbaren Wohnraum schaffen. Wir brauchen die private Bauwirtschaft. Wir müssen miteinander ein Gesamtkonzept für den Landkreis erarbeiten. Der Flughafen etwa hat noch Flächen und Wohnungen und auch die Kirchen haben Flächen.

Petz: Die Wohnungsbau GmbH war eines meiner zentralen Wahlversprechen 2020. Ausgangspunkt war der Beschluss der Vorgänger-Periode, dass sie abgewickelt werden sollte. Wir haben das umgedreht.  Jetzt sind wir am Start. Wir haben ungefähr 250 Wohnungen in der Verwaltung der Wohnungsbau GmbH und wir wollen für unser Personal 200 bis 250 zusätzliche Wohnungen bauen, das ist eine Größenordnung von 60 bis 80 Millionen Euro. Die Förderung ist enorm, zudem kommen irgendwann Mieteinnahmen rein. Allgemeinen Wohnungsbau darf der Landkreis nicht betreiben. Unser Bauen entlastet aber auch den Wohnungsmarkt insgesamt, weil die Mitarbeiter andere Wohnungen frei machen.

Größtes Projekt der nächsten Jahre ist im Landkreis der Neubau des Berufsschulzentrums an der Wippenhauser Straße. Im Herbst begannen die Erdarbeiten.
Größtes Projekt der nächsten Jahre ist im Landkreis der Neubau des Berufsschulzentrums an der Wippenhauser Straße. Im Herbst begannen die Erdarbeiten. Landratsamt Freising

Dauerbrenner bleibt die dritte Startbahn. Wird das Projekt endlich abgeräumt?

Hoyer: Ich glaube, dass sie vom Tisch ist. Trotzdem muss der Widerstand ungebrochen sein. Die dritte Startbahn ist ein Relikt aus alten Zeiten. Corona und die Krisen der letzten Zeit haben den Bedarf massiv verändert. Die Bedarfsprognosen von 2011 aus dem Planfeststellungsverfahren haben wir längst nicht erreicht und das weiß auch die FMG. Die Flugzeuge werden größer und leiser, man kann die Bedarfsplanung überhaupt nicht mehr zugrunde legen. Wenn man in der Wirtschaftlichkeitsberechnung die Kosten gegenüberstellt, würde kein vernünftiger Unternehmer die dritte Bahn bauen. Sie steht aber aktuell in den Büchern und die politische Beerdigung steht noch aus.

Petz: Die Prognose, die die dritte Startbahn rechtfertigen sollte, ging für 2025 von 590 000 Flugbewegungen aus. Real sind 337 000, also gerade einmal ein bisschen mehr als die Hälfte. Warum soll man 870 Hektar in Anspruch nehmen, warum soll man Tausende Leute zusätzlich mit Fluglärm beschallen, wenn wir es schwarz auf weiß haben, dass wir die dritte Startbahn nicht brauchen? Die jüngste juristische Auseinandersetzung um die Geltungsdauer des Planfeststellungsbeschlusses ist noch nicht beendet. Am Bayerischen Verwaltungsgerichtshof haben wir verloren. Über die Nichtzulassungsbeschwerde beim Bundesverwaltungsgericht ist aber noch nicht entschieden. Ich bin gespannt, was dabei rauskommt. Es gibt andere juristische Instrumente, aber vor allem das politische Argument. Die dritte Bahn ist längst tot, sie muss nur mit Anstand beerdigt werden.

Was würden Sie als Landrätin anders machen, Frau Hoyer?

Hoyer: Das ist natürlich schwierig hier, face to face. Aber ich sage es jetzt einfach einmal. Die Mitarbeiterführung ist ein ganz großer Punkt. Ich glaube, dass ich aus der Erfahrung heraus ganz andere Führungsqualitäten mitbringe und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hinter mir vereinen könnte und mehr Zufriedenheit ins Amt bringe.

Petz: Der Spruch stammt von mir, dass die Mitarbeiterzufriedenheit unser höchstes Gut ist. Genau das habe ich im Klinikum mit einem beherzten Zugriff hinbekommen. Vorher war die Stimmung im Keller. Auch im Finanzsachgebiet haben wir jetzt eine hervorragende Zusammenarbeit. Aus der Mitarbeiterschaft sind Menschen zu mir gekommen und haben gesagt: „Was wird denn da auf Social Media mit Schmutz geworfen? Das sehen wir gar nicht so.“ Wir haben über 900 Mitarbeiter, da gibt es natürlich immer irgendwas. Aber ich würde sagen, das ist ein überschaubarer Prozentsatz, der nicht mit mir zufrieden ist.

Hoyer: Ich möchte mich dagegen wehren, ich habe nie mit Schmutz geworfen.

Das ist jetzt kein versöhnlicher Abschluss des Gesprächs. Wie haben Sie denn den Wahlkampf empfunden?

Hoyer: Als absolut fair. Ich bin wirklich froh, dass er zumindest bis jetzt inhaltlich sachlich verlaufen ist.

Petz: Den Wahlkampf habe ich erlitten, weil ich eigentlich gerne Sacharbeit leiste. Das kam als zusätzliche Arbeit dazu. Es hat über Fraktionen hinweg im Kreistag immer super funktioniert, bis dann eben der Wahlkampf begonnen hatte. Ich bin froh, wenn er vorbei ist, und ich würde mich freuen, wenn die Inhalte gesehen werden, die ich bedient habe.

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