Berlin

Das gibt’s so schnell nicht wieder | ABC-Z

Berlin – Klare Nächte und wolkenfreier Himmel: beste Voraussetzungen für Hobby-Astronomen, um unsere Himmelskörper in Augenschein zu nehmen. Einen davon gibt es heute Abend zu bewundern. Dann legt sich eine ultradünne Mondsichel ins Himmelszelt. Und bis wir die wieder zu Gesicht bekommen, wird es mehr als 18 Jahre dauern.

Von Deutschland aus kann das Phänomen nur für wenige Minuten beobachtet werden. Im Laufe dieses kleinen Zeitfensters wird die sichtbare Sichel in ihre horizontale Position kippen. Das Besondere neben dieser Liegeposition: Nur winzige 0,7 Prozent der Mondoberfläche werden zu sehen sein.

Wie das Mond-Phänomen entsteht

Tim Florian Horn, Vorstand der Stiftung Planetarium Berlin, erklärt gegenüber B.Z.: „Die liegende Sichel kommt durch zwei Bedingungen zustande: Zum einen liegt die Mondbahn schräg geneigt zur (scheinbaren) Sonnenbahn. Der Mond durchläuft damit bei jeder Erdumkreisung einen unteren und einen oberen Umkehrpunkt auf seiner Bahn. Er läuft über einen ‚Hügel‘ oder durch ein ‚Tal‘. Derzeit steht er beim Durchlauf des oberen Umkehrpunkts auch gleichzeitig über der Sonne. Beim Untergang erscheint der Mond fast senkrecht über der Sonne und wird scheinbar ‚von unten‘ beleuchtet.“

Wann und wo Sie die Neumond-Sichel sehen können

Laut Horn bestehen in vielen Teilen Deutschlands theoretisch gute Chancen auf eine Sichtung. Nur Norddeutschland liegt unter einer Wolkendecke. In Berlin setzt die nautische Dämmerung (einsetzende Dunkelheit, aber Horizont noch sichtbar) um 18.51 Uhr ein. Monduntergang ist um 19.12 Uhr. Die Sichtbarkeit beträgt also nur 21 Minuten. In der Tabelle sehen Sie die Zeiten für Ihre Stadt:

OrtBeginn nautische DämmerungMonduntergangSichtbarkeit SichelBerlin18.51 Uhr19.12 Uhr21 MinutenMünchen18.55 Uhr19.15 Uhr20 MinutenHamburg19.06 Uhr19.27 Uhr21 MinutenFrankfurt am Main19.08 Uhr19.29 Uhr21 MinutenKöln19.16 Uhr19.37 Uhr21 Minuten

Für die Besichtigung des Spektakels benötigen Sie allerdings am besten Unterstützung: Mit dem bloßen Auge ist die Sichel kaum auszumachen. Ein Fernglas oder ein Teleskop helfen also. Außerdem kann das Suchfenster verkleinert werden, indem Sie nach Westen schauen.

Wie selten das Himmelsereignis ist

Ein vergleichbarer Mega-Mager-Mond wird erst in achtzehneinhalb Jahren wieder zu bestaunen sein. Zwar soll es in den kommenden Jahren immer wieder zu ähnlichen Phänomenen kommen. Die Sichel wird dann aber wieder breiter erscheinen und sich außerdem aufrichten.

Tim Florian Horn zur B.Z.: „Da die Mondbahn nicht fixiert im Raum steht, sondern mit einer Periode von 18,6 Jahren selbst rotiert, kommt eine solche Extremposition nur alle 18,6 Jahre vor. Damit ist gleichzeitig gesagt, dass die letzte extreme Neumond-Sichel vor 18,6 Jahren eintrat.“ Zuletzt kam es also im September 2007 zu der Konstellation.

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