Psychiatrische Kliniken in Wolfratshausen eröffnet – Bad Tölz-Wolfratshausen | ABC-Z

Es ist ein wichtiger Lückenschluss in der wohnortnahen Behandlung psychisch Erkrankter: Nach etwa zweijähriger Bauzeit sind die Kliniken des Bezirks Oberbayern (kbo) für Erwachsene, Kinder und Jugendliche samt Ambulanzen in Wolfratshausen eröffnet worden. Dass psychische Erkrankungen seit Jahren zunehmen, betonte Bezirkstagspräsident Thomas Schwarzenberger bei der Eröffnung. Insbesondere die Corona-Pandemie und ihre Folgen hätten bei jungen Menschen ihre Spuren hinterlassen. Wolfratshausen sei ein ganz besonderer Standort, erklärte Schwarzenberger bei der Eröffnung, ein „Haus voller Möglichkeiten“.
In dem dreigeschossigen Gebäudekomplex mit etwa 1950 Quadratmetern Nutzfläche befinden sich zwei psychiatrische Tageskliniken: eine für Erwachsene der Lech-Mangfall-Kliniken und eine für Kinder und Jugendliche, betrieben vom Heckscher-Klinikum, jeweils mit Ambulanzen. Für die jungen Patienten gibt es in den Räumen zudem eine Dependance der Carl-August-Heckscher-Schule mit eigenen Lehrkräften. Im Erdgeschoss gibt es 20 teilstationäre Behandlungsplätze für Erwachsene, die eine psychiatrisch-psychosomatische Versorgung gewährleisten, ohne dass ein vollstationärer Aufenthalt nötig ist. Das bedeutet: Die Patientinnen und Patienten erfahren im Haus an der Königsdorfer Straße einen strukturierten Tagesablauf, abends können sie zurück in ihr gewohntes Umfeld.
Zum Angebot gehören neben Gruppen- und Einzel- auch Paar- und Familientherapien. Ergänzt werden sie unter anderem durch Kunst-, Sport- oder Tanztherapien. Mit unterschiedlichen Entspannungstechniken sollen Stress reduziert und der Umgang mit Belastungen geübt werden.
Schwarzenberger wie auch Landrat Josef Niedermaier und Wolfratshausens Bürgermeister Klaus Heilinglechner erinnerten an die lange Standortsuche und die zähen Verhandlungen mit dem Freistaat Bayern, der das Grundstück des ehemaligen Forstamts zunächst verkaufen und dann doch nicht mehr hergeben wollte. Letztlich ging es um viel Geld. Dass der finanzielle Rahmen doch noch erträglich wurde, so Schwarzenberger, sei dem früheren Landtagsabgeordneten Martin Bachhuber zu verdanken. Dass nach 23 Monaten Bauzeit nun die kbo-Kliniken eröffnen, sei ein „Ergebnis von Beharrlichkeit“. Mit diesem „Leuchtturmprojekt“ schließe sich eine lange klaffende Lücke in der psychiatrischen Versorgung im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen.
Mit dem neuen Standort komme man dem Ziel einer psychiatrischen Versorgung der kurzen Wege näher, erklärte der Vorstandsvorsitzende der kbo, Franz Podechtl. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln etwa zur Behandlung nach Agatharied, Landkreis Miesbach, zu fahren, sei für die Betroffenen beschwerlich gewesen.


Im zweiten Stock werden in der Ambulanz Kinder vom Kindergartenalter an und Jugendliche bis 18 Jahre betreut. In der Tagesklinik im ersten Obergeschoss stehen 16 Plätze für ältere Kinder und Jugendliche zur Verfügung. Behandelt werden unter anderem Depressionen, ADHS sowie Angst- und Zwangsstörungen. Der Schwerpunkt liegt auf Ess-Störungen. Zum Team gehören Ärztinnen und Ärzte, Psychologinnen und Psychologen, Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten, eine Sozialpädagogin, eine Kunsttherapeutin und ein Arbeitstherapeut sowie Mitarbeitende des Pflege- und Erziehungsdienstes.
Der Tagesklinik ist die Carl-August-Heckscher-Schule angegliedert. Speziell ausgebildete Lehrkräfte unterrichten die jungen Patientinnen und Patienten von der fünften Klasse an. Die Klassen seien deutlich kleiner, als sonst an Schulen üblich, so Lena Heyelmann, Direktorin für Pflege und Erziehung. Je acht Patientinnen und Patienten bilden eine Gruppe. Die Carl-August-Heckscher-Schule stellt den Kontakt zur Heimatschule der Kinder und Jugendlichen her, um individuell auf die Bedürfnisse eingehen zu können. Unterricht sei ein strukturgebendes Element, betonte Heyelmann. Man wolle die Kinder auch nicht ohne „Leistungsanforderung“ in der Klinik betreuen. „Sonst wäre das wie in einer Blase.“ Wichtig sei es, den jungen Menschen in einem geschützten Raum Normalität und Alltag erlebbar zu machen.
Von Montag bis Freitag werden die Kinder und Jugendlichen von 8 bis 12 Uhr unterrichtet. Dann kommt man zu einem gemeinsamen Mittagessen zusammen. Nachmittags gibt es verschiedene Angebote, um 16.30 Uhr werden sie wieder abgeholt.
Bis zu 250 Erwachsene und ebenso viele Jugendliche sollen pro Jahr in den beiden Tageskliniken behandelt werden. Weitere etwa 5000 Patientinnen und Patienten werden jährlich von dem interdisziplinären Team in den beiden Ambulanzen betreut. Der Vorteil von zwei psychiatrischen Einrichtungen unter einem Dach sei, dass mit Erreichen der Volljährigkeit die Patientinnen und Patienten nahtlos in die Erwachsenenpsychiatrie übergeben werden könnten, sagte die Leitende Oberärztin Anke Tolksdorf.





















