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Würmtal: Politische Entwicklungen und Stichwahlen in Gauting, Krailling, Planegg, Neuried – Landkreis München | ABC-Z

Kommunalwahlen sind immer für eine Überraschung gut. Das zeigt sich im Würmtal. In vier der fünf Würmtalkommunen – in Gauting, Krailling, Planegg und Neuried – stehen am kommenden Sonntag Stichwahlen an. Das hätten wohl die wenigsten so vorhergesagt. In Neuried und Planegg müssen die amtierenden Bürgermeister um ihr Amt bangen, in Krailling räumt der Rathauschef sein Büro, die Stichwahl fechten andere Kandidaten aus. Damit ist in der Kommune wie auch in Gauting jetzt schon gewiss, dass eine neue Person ins Rathaus einzieht, was in Gauting freilich daran liegt, dass Bürgermeisterin Brigitte Kössinger (CSU) nach zwölf Jahren nicht mehr zur Wahl antrat. Bahnt sich im Würmtal ein Politikwechsel an?

Eigentlich soll bei Kommunalwahlen ein Amtsbonus einem amtierenden Bürgermeister Vorteile bringen, weil dieser mit Bekanntheit, Erfahrung und Kompetenz beim Wähler punkten kann. Davon könnte bei dieser Wahl allenfalls Peter Köstler profitiert haben. Der Gräfelfinger CSU-Bürgermeister ist der einzige, der im ersten Wahlgang mit einer souveränen Mehrheit seinen Posten im Rathaus verteidigen konnte. In anderen Gemeinden wünschen sich wohl viele frischen Wind.

Als am Wahlabend im Gräfelfinger Rathaus Gemeinderäte und Bürgermeisterkandidaten die Ergebnisse der Auszählung am großen Bildschirm verfolgten, stand stets die Frage im Raum: Wie sieht es in Krailling aus? Was sagen die Auszählungen in Planegg und Neuried? Die Kommunen würden sich „als Einheit“ verstehen, sagt Peter Köstler auf SZ-Anfrage. Man sei in vielen Themen ortsübergreifend verbunden, etwa in den Zweckverbänden für die Schulen und bei der Wasserversorgung. Man betreibe gemeinsam – bis auf Gauting –das Sozialnetz Würmtal-Inseln, und treffe sich zum Jour fixe. So schaue man natürlich bei einer Wahl als Gräfelfinger, was „würmaufwärts“ passiere, so Köstler.

Wer steht nun am nächsten Sonntag zur Wahl? In Neuried trennen Rathauschef Harald Zipfel (SPD), der eine dritte Amtszeit anstrebt, und seinen Herausforderer Robert Hrasky (Bündnis Zukunft Neuried/BZN), gerade mal 307 Stimmen. Das hatte sich Zipfel, 65 Jahre, anders erwartet. Er sah sich selbst im Vorfeld der Wahl am 8. März als klaren Favoriten, erhielt dann aber nur 41,4 Prozent der Stimmen. Die CSU, deren eigener Kandidat Ben Wegscheider die Stichwahl verfehlte, hat eine Wahlempfehlung für den 59 Jahre alten Gemeinderat und Unternehmer Hrasky ausgesprochen. Man sehe ein „hohes Maß an Gemeinsamkeit“, heißt es in einer Pressemitteilung. Die Grünen in Neuried unterstützen Harald Zipfel und hatten gar keinen eigenen Bürgermeisterkandidaten ins Rennen geschickt.

Ziemlich ins Schwitzen könnte Planeggs Bürgermeister Hermann Nafziger (CSU) geraten, der um eine zweite Amtszeit kämpft. Dass in Planegg eine Stichwahl wahrscheinlich sein würde, war bei sechs Kandidatinnen und Kandidaten um das Amt naheliegend. Dass der 37 Jahre alte Physiker, Versicherungsmathematiker und Gemeinderat Felix Kempf von der SPD dann 24,5 Prozent der Stimmen gewann, und damit nur 307 Stimmen hinter Nafziger (30,5 Prozent) zurücklag, überraschte doch viele. Die Gruppierung Pro Planegg & Martinsried (PPM) hat inzwischen eine Wahlempfehlung für Kempf gegeben. Bei einer Befragung hätten sich die PPM-Mitglieder eindeutig für Kempf ausgesprochen, teilten Philipp Pollems, der selbst als Bürgermeisterkandidat antrat, und Peter von Schall-Riaucour in einer Erklärung mit: „Die PPM ist für einen Wechsel mit Felix Kempf.“ Ebenso ruft die Gruppe 21/Volt zur Unterstützung für Kempf auf. Man sehe eine größere Schnittmenge mit dem SPD-Kandidaten, heißt es in einer Pressemitteilung.

Rudolph Haux nimmt sein Gemeinderatsmandat nicht an

Das schlechteste Ergebnis eines amtierenden Bürgermeisters im Würmtal muss Kraillings FDP-Rathauschef Rudolph Haux verkraften: Mit gerade mal 24,2 Prozent der Stimmen verfehlte der 68-Jährige nach nur einer Amtszeit die Stichwahl. Stattdessen kämpfen Unternehmensberater Stefan Göttlinger (CSU), 38 Jahre, bisher ohne kommunalpolitisches Amt, und Ricarda Weimar von den Grünen, 58 Jahre alte Juristin in der Finanzverwaltung, um den Posten. Göttlinger holte im ersten Wahlgang 45,5 Prozent, Weimar, die Zweite Bürgermeisterin ist, 30,3 Prozent. Es gibt keine offizielle Wahlempfehlung, aber die SPD hat Weimar schon im ersten Wahlgang unterstützt. Haux wird sein Gemeinderatsmandat nicht annehmen, teilte er der SZ mit. Er bleibe jedoch als Ortsvorsitzender der FDP kommunalpolitisch aktiv. Beruflich kehre er in seine frühere Tätigkeit in die Wasserwirtschaft zurück und arbeite dort als Berater.

Auch in Gauting gibt es ein schwarz-grünes Finale. Hier geht Unternehmensberater Maximilian Platzer (CSU) als einziger mit einem deutlichen Stimmenvorsprung ins Rennen: Der 38-Jährige gewann 47,7 Prozent der Stimmen, 28,1 Prozent stimmten für den Physiker und Manager Matthias Ilg, 60 Jahre, von den Grünen. Bürgermeisterkandidat Stefan Berchtold (Menschen für Gauting/Piraten), der es nicht in die Stichwahl schaffte, unterstützt Matthias Ilg persönlich, die SPD sich hat ebenso für den Grünen ausgesprochen.

Wie knapp die Stimmenverteilung im ersten Wahlgang war, muss nicht zwingend ein Hinweis dafür sein, wie die Stichwahl ausgeht. Denn es sei eine Herausforderung, die Wähler überhaupt zu motivieren, nochmal zur Wahl zu gehen, sagt Gräfelfings Bürgermeister Peter Köstler. Das sei kein Selbstläufer. Er hat schon zweimal eine Stichwahl erlebt – einmal unterlag er, 2020 gewann er. Am Sonntag wird es jedenfalls auf jede Stimme ankommen.

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