News

Im Iran tötet Israel einen Regime-Vertreter nach dem anderen – aber mit welchem Ziel? | ABC-Z

“Chaos nicht nur im Iran”Israel tötet einen Regime-Vertreter nach dem anderen – aber mit welchem Ziel?

18.03.2026, 16:29 Uhr Von Hubertus Volmer

TEHRAN-IRAN-MARCH-18-Thousands-of-Iranians-attend-a-funeral-ceremony-held-for-IranAeos-Supreme-National-Security-Council-Secretary-Ali-Larijani-Basij-commander-Gholam-Reza-Soleimani-affiliated-with-the-Islamic-Revolutionary-Guard-Corps-and-84-Iranian-Navy-personnel-killed-in-Israeli-and-United-States-attacks-at-Enghelab-Square-in-Tehran-Iran-on-March-18-2026-Large-crowds-gather-at-Enghelab-Square-in-the-capital-Tehran-during-the-ceremony-The-funeral-honors-Larijani-Soleimani-and-the-84-Iranian-Navy-personnel-who-lost-their-lives-in-the-attacks
Das iranische Regime kann weiterhin Unterstützer mobilisieren: Am Mittwoch nahmen Tausende an der Beisetzung von Larischani, Soleimani und anderen teil. (Foto: picture alliance / Anadolu)

Die israelische Regierung setzt im Iran weiterhin darauf, das Regime zu stürzen. Wahrscheinlich ist das nicht, auch wenn die bisherige Führung stark dezimiert ist. Momentan gebe es kaum Hinweise, dass dieses Regime geschwächt ist, sagt ein Experte. “Allein das ist für das Regime ein großer Erfolg.”

Die Liste der getöteten Vertreter des iranischen Regimes wird immer länger. Ali Chamenei, der “Oberste Führer”, wurde gleich am ersten Tag des Kriegs bei einem israelischen Luftangriff getötet. Am selben Tag kamen Mohammad Pakpour, Asis Nassirsadeh und Abdolrahim Mousavi ums Leben – der Chef der mächtigen Revolutionsgarden, der Verteidigungsminister und der Generalstabschef der iranischen Armee.

Nassirsadehs Nachfolger Sayyed Majid Ebn al-Reza wurde drei Tage später getötet, ebenfalls bei einem israelischen Luftangriff. Erst am Vortag war er zum kommissarischen Verteidigungsminister ernannt worden. Am 17. März wurde der Chef der Basidsch-Miliz getötet, Gholamresa Soleimani. Noch mehr Aufsehen erregte der Tod des einflussreichen Chefs des Nationalen Sicherheitsrats, Ali Laridschani, am selben Tag. Am Mittwoch dann meldete Israel den Tod des iranischen Geheimdienstministers Ismail Chatib.

Die Liste ist nicht vollständig. Eine Zählung des US-Senders ABC kommt auf ein Dutzend hochrangiger Regimevertreter, die seit Kriegsbeginn bei Angriffen getötet wurden, mehr als zwanzig Namen hat die Nachrichtenseite Axios zusammengetragen.

Für Israel wäre das Beste ein anderes Regime

Israels Vorgehen wirft die Frage auf, es “so viele iranische Anführer tötet, weil dies der sicherste Weg zu sein scheint, die eigenen militärischen Ziele zu erreichen – oder einfach nur, weil es dazu in der Lage ist”, schreibt die “New York Times”. Wozu Israel in der Lage ist, demonstriert jeder Raketenangriff auf das Führungspersonal des Regimes. Soleimani konnte getötet werden, so beschreibt es das “Wall Street Journal”, weil Israel einen Hinweis von einfachen Iranern bekommen hatte – er und andere aus der Basidsch-Führung trafen sich in einem Zelt in einem Waldgebiet in Teheran. Genau darauf hatte Israel gesetzt: Die Versammlung in einem Zelt war nötig geworden, da die Hauptquartiere der Miliz über zwei Wochen bombardiert worden waren.

Secretary-of-Iran-s-Supreme-National-Security-Council-Ali-Larijani-C-participates-in-the-traditional-Quds-Day-rally-in-the-capital-Tehran-on-Friday-on-March-13-2026-Thousands-of-Iranians-took-to-the-streets-of-the-capital-on-Friday-to-mark-Quds-Day-an-annual-event-held-in-support-of-the-Palestinian-cause-Established-in-1979-Quds-Day-is-traditionally-observed-on-the-last-Friday-of-Ramadan-This-year-s-demonstration-unfolded-against-the-backdrop-of-the-continuing-war-between-Iran-the-United-States-and-Israel-adding-heightened-political-significance-to-the-occasion
Am Freitag trat Laridschani noch öffentlich bei einer staatlich organisierten Kundgebung auf. (Foto: picture alliance / newscom)

Oberstes Ziel der israelischen Regierung in diesem Krieg ist die möglichst nachhaltige Ausschaltung einer nuklearen Bedrohung durch den Iran. Dieses Ziel ist schwer zu erreichen, der Erfolg im Zweifel schwer nachzuweisen: “Im Iran scheinen noch um die 400 Kilogramm hochangereichertes Uran vorhanden zu sein”, sagt der Nahost-Experte Thomas Volk von der Konrad-Adenauer-Stiftung im Interview mit ntv.de. “Solange der Verbleib dieses Materials nicht geklärt ist, besteht die Gefahr, dass der Iran immer wieder in die Lage kommen könnte, das Uran weiter anzureichern.”

Die beste Lösung für Israel wäre daher, wenn der Iran eine Regierung hätte, “die kein Ansinnen hat, Israel zu zerstören und deshalb gar nicht erst in Versuchung kommt, die Urananreicherung voranzutreiben”, so Volk.

Trump klingt heute anders als zu Beginn des Kriegs

Anders als US-Präsident Donald Trump haben sich die Botschaften des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu seit Kriegsbeginn denn auch kaum verändert. “Wir schaffen die optimalen Bedingungen für den Sturz des Regimes”, sagte Netanjahu am vergangenen Freitag. Neu war das dann folgende Eingeständnis, dass dies so einfach nicht ist: “Ich leugne nicht, dass ich Ihnen nicht mit Sicherheit sagen kann, dass das iranische Volk das Regime stürzen wird. Ein Regime wird letztlich von innen gestürzt.”

Trump hat sich dagegen sehr widersprüchlich zu den Kriegszielen der USA geäußert. Im Januar sagte er in Richtung der Menschen, die damals im Iran gegen das Regime protestierten, Hilfe sei unterwegs. Am ersten Tag des Kriegs rief er die Iraner auf, die Chance zu ergreifen: “Kein Präsident war bereit, das zu tun, was ich heute Abend zu tun bereit bin”, sagte er in einem Video. “Mal sehen, wie ihr reagiert.”

Wenige Tage später verkündete sein Verteidigungsminister Pete Hegseth, dies sei “kein sogenannter Regime-Change-Krieg”. Am 13. März machte Trump in einem Radiointerview deutlich, dass er einen Sturz des Regimes für unwahrscheinlich halten würde. Da gebe es Leute mit Maschinengewehren, die schießen würden, wenn es Proteste gäbe, so Trump. “Deshalb glaube ich, das ist eine große Hürde für Menschen, die keine Waffen haben. Ich glaube, das ist eine sehr große Hürde. Es wird passieren, aber wahrscheinlich nicht sofort.”

“Trump ging von einer Kapitulation binnen weniger Tage aus”

Die ursprünglichen Hoffnungen auf einen Aufstand, der die Mullah-Diktatur beseitigt, haben sich nicht erfüllt. “Trump und seine Leute sind davon ausgegangen, dass durch harte Schläge der Iran innerhalb von drei oder vier Tagen kapitulieren würde”, sagt der Militärexperte Carlo Masala ntv. “Das ist nicht erfolgt, der Iran wehrt sich.” Momentan gebe es kaum Hinweise, dass dieses Regime in seinen Fundamenten geschwächt ist, so Masala. “Allein das ist aus Perspektive des Regimes im Iran ein großer Erfolg.”

Auch das Ausschalten so vieler Personen aus der iranischen Führung hat bislang keine breite Revolte auslösen können. Das liegt zum einen daran, dass das Regime schon vor dem Krieg “bis in die vierte Reihe” Nachfolgeregelungen getroffen hat, wie Thomas Volk sagt.

Zum anderen sind zwar Tausende Revolutionsgardisten und Basidsch-Milizionäre durch die Luftangriffe getötet worden – aber Hunderttausende dieser Kämpfer gibt es nach wie vor. Nach Informationen der “Washington Post” räumt intern auch die israelische Regierung ein, dass das Regime nicht zerbreche. Sollten zahlreiche Iraner wieder auf die Straße gehen, so würden “die Menschen abgeschlachtet”, heißt es in einer israelischen Einschätzung, die dem US-Außenministerium von der Botschaft in Jerusalem übermittelt wurde.

Das Ergebnis könnte “Chaos nicht nur im Iran” sein

Damit besteht die Gefahr, dass ein Sturz des iranischen Regimes vor allem Chaos anrichten würde. Schon die Tötung von Laridschani könnte sich als kontraproduktiv erweisen: Trump wolle einen Deal, sagt der Sicherheitsexperte Nico Lange, aber “diejenigen, die einen Deal machen könnten, sterben durch Luftschläge”.

Das Ergebnis des Kriegs könnte dann nicht die von Netanjahu versprochene Sicherheit sein, sondern das Gegenteil. “Wir sind sehr, sehr nah dran, Chaos nicht nur im Iran, sondern im gesamten Nahen Osten zu stiften”, zitiert die “New York Times” den ehemaligen Chef des israelischen Inlandsgeheimdienstes Schin Bet und heutigen Friedensaktivisten, Ami Ajalon. Potenzial für diese Art von Chaos ist auf jeden Fall da: “Diese Leute sind hochideologisiert, sie würden bis zur letzten Kugel kämpfen”, sagt Thomas Volk über die Revolutionsgardisten und Basidsch-Milizen. Dieser Krieg, so steht zu befürchten, wird kein gutes Ende nehmen.

Quelle: ntv.de

Back to top button