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Deutsche Basketballfrauen: Dieses Team will eine Medaille – was ist drin für den DBB? – Sport | ABC-Z

Die Tierwelt ist eine unterschätzte Schatzkammer für Metaphern im Sport, das belegen zahlreiche Leitwölfe, Kampfschweine oder auch Kobras aus der Athletenbranche. Und wenn ein Basketballspiel in der bei Reportern beliebten Rubrik „Hauen&Stechen“ einzusortieren ist, spricht man von einem „dogfight“. Kein schönes, aber ein umkämpftes, ja geradezu hundsgemeines Spiel war auch jene abschließende Partie der deutschen Basketballerinnen beim WM-Qualifikationsturnier gegen Nigeria. Das 81:73 (35:31) brachte den Frauen des Deutschen Basketballbundes (DBB) den vierten Sieg bei insgesamt fünf Auftritten.

Keine schlechte Bilanz also und wer weiß, was so ein gewonnener Straßenkampf noch wert sein kann für die Weiterentwicklung in einem entscheidenden Jahr des deutschen Frauenbasketballs. Vom 4. bis zum 13. September trifft sich die Elite des Sports bei der Weltmeisterschaft in Berlin, für das Heimturnier ist die DBB-Auswahl bereits gesetzt. Aber die Qualifikation in Lyon absolvierte das Team des neuen Bundestrainers Olaf Lange, 53, trotzdem gerne unter anspruchsvollen Wettkampfbedingungen: ein Mini-Turnier binnen einer Woche mit Platz zwei am Ende als Vorbereitung für eine WM, die den großen Aufbruch markieren soll. Was die deutschen Männer mit ihrer aktuellen Erfolgsgeneration geschafft haben, peilen auch die Frauen an – oder wie es DBB-Präsident Ingo Weiss schon 2023 formulierte, als sich der Verband die WM sicherte: „Jetzt sind mal die Damen dran!“

Es ist ein interessantes Spannungsfeld, in dem sich die DBB-Frauen seit einigen Jahren bewegen. Einerseits hat sich mit USA-Legionärinnen wie Leonie Fiebich, den Sabally-Schwestern Nyara und Satou sowie Luisa Geiselsöder eine Gruppe mit Wiedererkennungswert gefunden; eine Mannschaft mit Gesichtern und guten Geschichten (Fiebich und Nyara Sabally gewannen etwa die Meisterschaft in der US-Profiliga WNBA); ein Haufen Pionierinnen, die 2024 bei der ersten Olympia-Teilnahme eines DBB-Frauenteams ins Viertelfinale vorrückten – und die im vergangenen Jahr mit Platz fünf bei der EM ihr bestes Resultat seit 28 Jahren holten. Und gleichzeitig wissen sie: Da muss mehr drin sein bei all der Qualität und all dem Aufwand. Eine WM-Medaille soll her – ist das realistisch?

Welches Potenzial vorhanden ist, ließ sich auch in Lyon in weiteren Partien gegen Südkorea (76:49), die Philippinen (113:80) und Kolumbien (78:57) erkennen. Solche Nationen aus dem Mittelbau des Weltbasketballs sind kein Problem für Deutschland, auch gegen Nigerias Physis fanden die DBB-Frauen angeführt von Fiebich (15 Zähler, acht Assists) letztlich Lösungen: dank Leidenschaft und Wettkampfhärte. „Es ist emotional für unser Team ein sehr wichtiger Sieg, weil diese Gruppe sich selbst beweisen musste“, sagte Bundestrainer Lange bei MagentaSport. Die Betonung lag auf diese Gruppe, also jenen Spielerinnen, die er diesmal zur Verfügung hatte. Er hätte gerne noch andere auf dem Parkett gesehen, aber mit Satou Sabally, Marie Gülich und Geiselsöder fehlen derzeit in Folge von Verletzungen weite Teile der etatmäßigen Startformation. Kapitänin Gülich setzte immerhin ein Signal, indem sie trotz Ausfalls zum Team stieß.

Gegen die besten Teams des Frauenbasketballs reicht es für die DBB-Auswahl noch nicht

Vor allem das verlorene Duell gegen Frankreich (63:85) in Lyon untermauerte einen Eindruck, den nun auch der gebürtige Berliner Lange haben dürfte, nachdem er erst vor einigen Monaten das Amt von Lisa Thomaidis übernahm: Gegen die Besten des Frauenbasketballs reicht es noch lange nicht, dafür fehlen Routinen im neuen, auf Handlungsschnelligkeit basierenden System. Er „wollte sehen, wie wir uns schlagen gegen solche Teams, wo unsere Schwächen sind und wir besser werden müssen“, sagte Lange nach dem Frankreich-Spiel, „da kann ich eine Menge mitnehmen.“ Er räumte zwar ein, was alle sahen („wir hatten keine Chance“), verwies aber auf Fortschritte: „Früher gab es Momente, da haben wir aufgehört, zu spielen. Das war nun anders, wir sind mental besser geworden.“

Lange, der auf eine über 30-jährige Trainerkarriere zurückblickt und der die DBB-Frauen bereits zweimal betreute, hat ein paar radikale Kniffe mitgebracht. Er lässt nach US-Vorbild meist ohne feste Positionen spielen, wie Nationalspielerin Frieda Bühner im Gespräch mit der SZ verriet. Alles soll im Fluss sein, der Ball saust im Raketentempo durch die Hände, jeder Angriff beinhaltet eine Vielzahl von Optionen. Sieht schick aus, wenn es klappt. Wirkt mitunter chaotisch, wenn geschludert wird. Dass diese Beschleunigungstaktik zu den Vorlieben und Fähigkeiten der Spielerinnen passt, bestätigten zuletzt die Freundinnen Geiselsöder und Fiebich.

Letztere, mittlerweile heimliche Kapitänin, hat sich nach der überraschenden Trennung von Bundestrainerin Thomaidis (sie bevorzugt ihren Job am College) beim Verband für Lange als Coach eingesetzt und ihn sogar gebeten, zu übernehmen. Die Wege waren kurz, schließlich fungierte Lange zuletzt als Co-Trainer bei Fiebichs Klub New York Liberty. „Ich habe viel daran gedacht, als ich in New York gespielt habe. Es hat einfach gepasst“, erklärte Fiebich in der Sportschau. „Er holt die Mädels ab, fordert aber auch viel. Er weiß genau, was er will und macht klare Ansagen. Trotzdem kann man gut mit ihm reden, er ist nicht unnahbar.“

Zu hören ist aus dem Umfeld des DBB auch, dass die Arbeit mit Lange noch einmal professioneller geworden sei: mehr Vorbereitung, mehr Taktik, mehr Detailversessenheit. Der neue Bundestrainer ist insofern, um bei den Tiermetaphern zu bleiben, nicht nur Leitwolf, sondern auch Arbeitsbiene. Seine nächste Aufgabe: Die WM-Vorrundengegner sezieren, am 21. April wird gelost.

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