Afrika-Cup: Senegals Titel aberkannt, Marokko neuer Champion | ABC-Z

Das Finale des Afrika-Cups ging in die Geschichte des Profifußballs ein – und es hat ein Nachspiel. Weil der Senegal zwischenzeitlich die Fortsetzung boykottiert hatte, wurde Marokko am Dienstagabend nachträglich zum Sieger ernannt. Der Senegal will nun vor den CAS ziehen.
Der afrikanische Fußballverband hat das von Tumulten überschattete Skandal-Endspiel neu gewertet, das CAF-Berufungsgremium erklärte die Partie für den Senegal rund zwei Monate nach deren Austragung gemäß Artikel 84 des Regelwerks als verloren, das Ergebnis wurde mit 3:0 zugunsten von Gastgeber Marokko gewertet. Das teilte der Verband am Dienstag mit.
Der senegalesische Fußballverband kündigte in der Nacht zum Mittwoch an, vor den Internationalen Sportgerichtshof CAS ziehen. “Der senegalesische Fußballverband verurteilt diese ungerechte, beispiellose und inakzeptable Entscheidung, die den afrikanischen Fußball in Verruf bringt“, hieß es in einem Statement. Daher werde der Verband “so bald wie möglich Einspruch beim Internationalen Sportgerichtshof CAS in Lausanne einlegen“.
Senegal-Streik hat späte Konsequenzen
Das Berufungsgericht stellte sich mit dem Urteil gegen die Entscheidung des CAF, der zunächst zwar zahlreiche Geldstrafen ausgesprochen, das sportliche Ergebnis aber unangetastet gelassen hatte. Der Verband hatte in seiner Entscheidung noch geurteilt, dass das Team des Senegals nach seinem kurzzeitigen Boykott zurückgekommen sei und die Kriterien für eine Aufgabe deswegen nicht erfüllt wurden.
Hintergrund der Entscheidung ist das chaotische Endspiel am 18. Januar in Rabat, das kurz vor dem Abbruch gestanden hatte. Nach einem späten Elfmeterpfiff für Marokko hatten Senegals Spieler aus Protest den Platz zwischenzeitlich verlassen, erst nach längerer Unterbrechung wurde die Partie fortgesetzt. Brahim Diaz vergab den Strafstoß, in der Verlängerung traf Pape Gueye (94. Minute) zum 1:0-Endstand für Senegal.
Marokko reagiert zurückhaltend
Die CAF wertete das Verhalten der senegalesischen Spieler vor dem Diaz-Strafstoß nun als Verstoß gegen die Artikel 82 und 84 und gab dem Einspruch des marokkanischen Verbandes statt. “Die CAF-Berufungskommission hat entschieden, dass gemäß Artikel 84 des Reglements des CAF-Afrika-Cups (AFCON) das Finale des TotalEnergies CAF-Afrika-Cups (AFCON) Marokko 2025 (“das Spiel”) für die senegalesische Nationalmannschaft als verloren gilt und das Ergebnis des Spiels mit 3:0 zugunsten der Fédération Royale Marocaine de Football (FRMF) gewertet wird”, hieß es in der CAF-Mitteilung wörtlich.
Der marokkanische Verband teilte mit: “Mit dieser Maßnahme sollte keineswegs die sportliche Leistung der an diesem Wettbewerb teilnehmenden Mannschaften infrage gestellt werden, sondern lediglich die Anwendung der Wettbewerbsbestimmungen gefordert werden.”
FIFA-Präsident Infantino: Darf sich “niemals wiederholen”
Ein Abbruch hatte auch gedroht, weil auf den Tribünen in Rabat Chaos ausgebrochen war. Senegals Fans wollten auf den Platz stürmen, Sicherheitskräfte verhinderten dies. Der marokkanische Verband hatte unmittelbar nach dem Spiel rechtliche Schritte bei CAF und FIFA angekündigt. “Diese Situation hatte erhebliche Auswirkungen auf den normalen Spielverlauf und die Leistung der Spieler”, erklärte der Verband damals und zielte bereits auf das zwischenzeitliche Verlassen des Spielfelds ab.
Auch FIFA-Präsident Gianni Infantino hatte von “inakzeptablen” und “hässlichen” Szenen gesprochen, die “verurteilt” werden müssten und sich “niemals wiederholen” dürften. Der Senegal um Bayern-Profi Nicolas Jackson und Topstar Sadio Mané hatte seinen zweiten Titel nach 2022 gefeiert. Dieser Triumph verliert durch die nachträgliche Wertung seine Gültigkeit, Marokko wird stattdessen erstmals seit 1976 wieder als Afrikameister geführt.




















