Berlin

Wegner bleibt viele Antworten schuldig | ABC-Z

Berlin – Ein politisches Theaterstück über quälend lange 10 Minuten: Mit immer den gleichen Sätzen versuchte Kai Wegner (53, CDU) am Dienstag, die bohrenden Fragen der Journalisten abzuwehren: „Hierzu ist alles gesagt“, wiederholte er trotzig. „Dem ist nichts hinzuzufügen“ und „Erkenne keine Neuigkeit“.

Doch die Frage, die im Raum steht, ist brisant und könnte Wegners Wiederwahl im September gefährden: Hat der Regierende Bürgermeister nach dem linksextremistischen Anschlag auf das Berliner Stromnetz gleich zweimal die Unwahrheit über sein Krisenmanagement gesagt?

Damals behauptete Wegner zunächst, er habe sich an dem fraglichen Tag des Stromanschlags, dem 3. Januar, in seinem „Büro zu Hause“ eingeschlossen und „den ganzen Tag“ am Telefon verbracht. Erst auf Druck musste er später einräumen: Er war eine Stunde lang Tennis spielen mit seiner Lebensgefährtin, Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (42, CDU).

Seine zweite, strittige Behauptung damals: Er habe mit den Krisenstäben telefoniert, mit Kanzleramt, Innenministerium und Stromnetz Berlin. Doch jetzt berichtet der „Tagesspiegel“: Damit hatte er offenbar keine Eile.

Denn: Laut „Tagesspiegel“ soll Wegner nur wenige und kurze Telefonate am Vormittag geführt haben. Das wies Wegner jetzt auf einer Pressekonferenz im Roten Rathaus entschieden zurück. „Die Interpretation des Tagesspiegels entbehrt jeder Grundlage. Da lasse ich rechtliche Schritte prüfen.“

B.Z. dokumentiert Wegners damalige Aussagen zu seinem Krisenmanagement:

► Am 4. Januar, also am Tag nach dem Anschlag, antwortet Wegner auf die Frage, warum er nicht vor Ort bei den Betroffenen gewesen sei: Er habe aus seinem Arbeitszimmer zu Hause die Hilfe mittels vieler Telefonate auf Landes- und Bundesebene koordiniert,

► Am 7. Januar wiederholte er bei Welt TV, er habe mit Krisenstäben telefoniert, mit Stromnetz Berlin, „vor allem auch mit der Bundesregierung“, mit dem Bundeskanzleramt, mit dem Bundesinnenminister.

► Am 8. Januar nahm der Regierende gegenüber B.Z. zum Tennis-Gate Stellung: „Der eine geht joggen, der andere macht was anderes. Mir war an diesem Tag wichtig, dass ich eine Stunde Sport mache. Ich musste abschalten, ich musste runterkommen, ich musste meine Gedanken fassen, denn es war eine schwierige Situation.“

Zum zeitlichen Ablauf blieb Wegner allerdings vage: „Ich weiß nicht mehr, wann ich das erste Mal die Bundesebene kontaktiert habe. Das kann ich Ihnen wirklich nicht sagen“, so Wegner damals zu B.Z.

Zusammen mit Innensenatorin Iris Spranger besuchte Wegner Betroffene des Stroimausfalls in einer Notunterkunft
24 Stunden nach dem Anschlag auf Berlins Stromnetz besucht Kai Wegner mit Innensenatorin Iris Spranger Betroffene in einer Notunterkunft in Lichterfelde Foto: Sebastian Christoph Gollnow/dpa

Jetzt schreibt der „Tagesspiegel“: „Wegners Arbeitspensum am Vormittag dieses Tages war offenbar deutlich kleiner, als er es gegenüber der Öffentlichkeit dargestellt hat. Insbesondere gab es, entgegen Wegners eigenen Worten, vor dessen Tennismatch am Mittag wohl keine Kontakte zur Bundesregierung.“

Kritik an Wegner auch aus der eigenen Partei

Nun gibt es Kritik von SPD, AfD, Grüne und Linke an Wegner. Die FDP legt ihm einen Rücktritt nahe. Er habe offenbar die Öffentlichkeit getäuscht, heißt es unisono.

Auch in seiner eigenen Partei rumort es kräftig. „Wegners Auftritt bei der Pressekonferenz war zum Fremdschämen“, so ein CDU-Abgeordneter zu B.Z. „Bislang habe ich sein Verhalten nach dem Stromausfall immer verteidigt, damit ist jetzt Schluss.“

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