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Markus Krösche und Eintracht Frankfurt: Fragezeichen um Fußballmanager | ABC-Z

„Am Ende ist es immer so, dass sehr viel spekuliert wird. Ich halte mich an die Fakten. Ich habe einen Vertrag bis 2028. Wir waren sehr erfolgreich. Wir haben eine sehr spannende, sehr entwicklungsfähige Mannschaft. Es ist ein pulsierender Klub, bei dem ich mich wohlfühle, und mehr gibt es dazu auch nicht zu sagen.“ Mit diesen Sätzen kommentierte Sportvorstand Markus Krösche vor wenigen Tagen bei Bild-TV die Gerüchte, dass er demnächst die Frankfurter Eintracht verlassen und eventuell bei Borussia Dortmund anheuern werde. Womit er weitgehend recht hatte, bis auf die letzten Worte. Es gibt noch eine Menge mehr dazu zu sagen.

Zunächst bleibt wieder einmal festzuhalten, dass es im Profifußball keine Sicherheiten gibt. Noch am 22. November 2025, nach dem 4:3-Auswärtssieg über den 1. FC Köln am 14. Spieltag, schien es, als würde die Eintracht ihren kontinuierlichen Aufstieg in der Hierarchie der Fußball-Bundesliga ungebremst fortsetzen können: Pokalsieg, Europa-League-Triumph, Champions-League-Teilnahme, ein Rekord-Etat nach dem anderen. Die Mannschaft lag nach sieben Siegen, drei Unentschieden und vier Niederlagen nur zwei Punkte hinter den Champions-League-Plätzen.

Das Erfolgskonzept der Eintracht wirkt fragil

In der Königsklasse war nach einem Sieg, einem Unentschieden und zwei Niederlagen noch nichts verloren. Vier Monate später wirkt das als Erfolgsmodell geadelte Frankfurter Konzept ausgesprochen fragil. Die Teilnahme an einem europäischen Wettbewerb in der nächsten Saison ist ungewiss, wenn es gelingen sollte, dann allenfalls an der Conference League, eine Kampagne in der lukrativeren Europa League ist lediglich durch eine Verkettung glücklicher Umstände noch möglich.

Treten sie nicht ein, muss sich die Eintracht erst einmal mit weniger begnügen, und dann kommt die Frage ins Spiel, wie wohl sich Krösche dann noch in Frankfurt fühlen wird. In den vergangenen Jahren wurde in den Medien immer wieder einmal gemunkelt, der Eintracht-Sportvorstand sei wegen seiner überaus erfolgreichen Arbeit auf dem Transfermarkt in den Fokus der Konkurrenz geraten. Von Bayern München war die Rede, von Borussia Dortmund oder von dem ein oder anderen Klub auf den Britischen Inseln.

Drei Gründe, weshalb Krösche in Frankfurt bleibt

Nie wurde aus der losen Anfrage ein ernsthaftes Gespräch. Aus drei Gründen: Krösche sah die Eintracht weiter auf dem Höhenflug. „Die Geschichte ist nicht auserzählt.“ Krösche konnte und kann seine personellen und strukturellen Vorstellungen in Frankfurt umsetzen, ohne dass ihm hineingeredet wird. Und, nicht zu unterschätzen: Krösche verdient in Frankfurt sehr viel Geld. Er gilt derzeit als der bestbezahlte Manager im deutschen Profifußball.

Als eine seiner letzten Amtshandlungen verlängerte der scheidende Aufsichtsratsvorsitzende Philip Holzer den Vertrag mit dem von ihm 2021 bestellten Sportvorstand im April 2024 vorzeitig bis ins Jahr 2028. Mit signifikanten Boni-Zahlungen für Erfolge und Transfergewinne. Im vergangenen Abrechnungsjahr soll Krösche nach Informationen der F.A.Z. mindestens fünf Millionen Euro verdient haben.

Das zu wiederholen, wird kaum möglich sein. Im Kader befinden sich einige talentierte Profis, aber keine wie Kolo Muani, Marmoush und Ekitiké, mit denen sich Ablösen jenseits der 75 Millionen Euro erzielen ließen. Und auch die anderen beiden Argumente, die seinen Verbleib bei der Eintracht logisch machten, sind nicht mehr so durchschlagend. Zwar wird Krösche in den Führungsgremien noch nicht grundsätzlich infrage gestellt, aber nach seinen letzten Entscheidungen versehen sie dessen Wirken mit mehr Fragezeichen als in der Vergangenheit. Und ob Krösche selbst die Entwicklungsmöglichkeiten der Eintracht noch so positiv wie vor ein paar Monaten sieht, ist auch fraglich.

Denn die finanzielle Situation des Klubs ist angespannt. Die großen Einnahmen waren nicht so groß, wie die Bruttozahlen suggerierten, allein an Beraterhonoraren zahlte die Eintracht im letzten Geschäftsjahr etwa 22 Millionen Euro. Was netto blieb, wurde nicht nur in Beine, sondern auch in Strukturen, in Steine und in Leistungsprämien (Champions League) reinvestiert. Die AG beschäftigt mittlerweile 750 Angestellte und wird zum zweiten Mal hintereinander ein Geschäftsjahr mit Verlust beenden. Von acht bis zehn Millionen Euro ist die Rede. Es ist kein freies Geld zum Investieren da. Die potentiellen Transfers der werthaltigen Talente wie Brown, Larsson, Bahoya und Collins würden erst mal verwendet, um den laufenden defizitären Betrieb auszugleichen. In den Etats der vergangenen Jahre wurde ohnehin ein Transferüberschuss von 30 Millionen Euro einkalkuliert.

Krösche sagte in dem eingangs erwähnten Interview bei Bild-TV, dass diese Situation nichts Neues sei, es immer um die Balance gehe, Transferüberschüsse zu erzielen, aber nicht die Leistungsfähigkeit des Kaders zu schwächen. Nur sind die Rahmenbedingungen für seine Arbeit schlechter geworden. Die Konkurrenz kopiert die Methoden der Eintracht auf dem Transfermarkt, und Frankfurt wirkt auf internationale Nachwuchsstars im Moment nicht mehr so anziehend wie noch vor einem halben Jahr. Was auch mit der Freistellung von Cheftrainer Dino Toppmöller zu tun hat, der sich als Talententwickler, vor allem von Stürmern, einen Namen gemacht hat.

Der neue Trainer Albert Riera ist in dieser Hinsicht ein unbeschriebenes Blatt. Der Spanier hat sich allerdings in wenigen Wochen das Verdienst erworben, die Mannschaft von ihrem agonieähnlichen Zustand zu befreien. Ob der polarisierende Riera mit seinen eigenwilligen Maßnahmen und Motivationshilfen auf Dauer der Richtige ist, das Eintracht-Konzept umzusetzen, Nachwuchsspieler zu einer Reife zu bringen, die wertschöpfend ist, darauf gibt es noch keine Hinweise. Noch nicht einmal, ob Riera auf Dauer seine Spieler mit seiner fordernden, auf große Flexibilität setzenden Arbeitsweise von sich überzeugen kann.

Die Frankfurter Eintracht steht bis zum Saisonende vor richtungsweisenden Wochen. Läuft alles ideal, inklusive Einzug in die Europa League, könnte es gut sein, dass sie ihren Weg mit Krösche und Riera weiter fortsetzt und alle Beteiligten froh darüber sind. Je größer der Abstand zur Ideallinie wird, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit, dass es in absehbarer Zeit zu personellen Veränderungen an der Spitze kommen wird. Im Fall Riera von der Eintracht ausgehend, im Fall Krösches wohl eher vom Sportvorstand ausgehend, aber auch nur dann, wenn ihn zum richtigen Zeitpunkt das richtige Angebot erreicht.

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