Schulden in Gefahr geraten: So kann es gelingen | ABC-Z

AUDIO: Shopping in Apps: Viele junge Hamburger in finanzieller Not (1 Min)
Stand: 16.03.2026 14:55 Uhr
Immer mehr Menschen verschulden sich und können Lebenshaltungskosten, Rechnungen und Kreditraten nicht mehr zahlen. Eine Schuldnerberatung kann helfen, aus der Schuldenspirale herauszukommen.
Das Konto ist ständig überzogen, Mahnungen und Inkassoschreiben flattern ins Haus, das Geld reicht nicht mehr für Miete, Strom und Lebensmittel: Wenn Schulden nicht mehr aus dem Einkommen bedient werden können und neue Schulden aufgenommen werden müssen, um alte zu decken, steckt man in der Schuldenfalle.
Wer merkt, dass die Einnahmen nicht mehr reichen, um fällige Zahlungen zu begleichen, sollte sich frühzeitig an eine Schuldnerberatung wenden. Viele Betroffene kostet das enorme Überwindung – schließlich müssen sie sich eingestehen, dass sie ihr Leben nicht mehr im Griff haben. Dabei kann es jeden treffen und die Gründe dafür sind so unterschiedlich wie die Menschen.
Überschuldung durch Jobverlust, Sucht oder Impulskäufe
Hinter einer Überschuldung stecken oft berufliche Probleme wie der Verlust der Arbeit oder eine gescheiterte Selbstständigkeit. Auch andere Lebenskrisen wie eine Trennung, der Tod des Partners, eine langwierige Krankheit oder Suchtprobleme können Menschen aus der Bahn werfen.
Andere haben offene Rechnungen bei Online-Shops und -Marktplätzen. Sie nutzen Ratenzahlung und die Später-zahlen-Funktion (Buy now, pay later) oder kaufen mit wenigen Klicks direkt auf TikTok oder Instagram und verlieren dabei schnell den Überblick über ihre Finanzen. Durch Impulskäufe kommen vor allem immer mehr junge Menschen in finanzielle Schwierigkeiten.
Schuldnerberatung oft kostenlos
Schuldnerberatung ist in Deutschland oft kostenlos, vor allem bei gemeinnützigen oder staatlichen Beratungsstellen, während sie bei privaten Anbietern oder Fachanwälten kostenpflichtig ist. Viele Städte und Kommunen bieten eigene Beratungen an, die kostenlos sind oder an deren Kosten man sich je nach Einkommen beteiligen muss. Ansprechpartner können beispielsweise das Deutsche Rote Kreuz, Diakonie, Arbeiterwohlfahrt, Caritas, die Volkssolidarität oder die Verbraucherzentralen sein. Es ist ratsam, telefonisch oder online vorab einen Termin zu vereinbaren, da die Nachfrage groß ist und es häufig längere Wartezeiten gibt.
Menschen mit geringem Einkommen können einen “Beratungshilfeschein” beim Amtsgericht beantragen, sodass die Kosten für die Schuldnerberatung durch einen anerkannten Anwalt oder in einer privaten Beratungsstelle bis auf einen geringen Eigenanteil übernommen werden. Da die Kostenübernahme bundesweit nicht einheitlich geregelt ist, sollte man sich unbedingt vor Beginn einer Beratung informieren.
Schuldnerberatung in der Nähe finden
- Das Land Niedersachsen informiert im Internet darüber, wo Überschuldete eine Beratung bekommen.
- Die Landesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung Mecklenburg-Vorpommern führt die kostenlosen Beratungsstellen nach Landkreis und Städten auf.
- In Schleswig-Holstein stellt die Koordinierungsstelle Schuldnerberatung alle anerkannten Beratungsstellen nach Regionen vor.
- Die Stadt Hamburg informiert auf ihrer Webseite über das Thema und listet anerkannte Beratungsstellen auf.
Das Statistische Bundesamt führt ein Verzeichnis aller anerkannten Schuldnerberatungsstellen in Deutschland.
Schuldnerberatung vorbereiten
Um Schulden effektiv abzubauen, braucht es einen strikten Plan. Vor dem Termin bei der Schuldnerberatung ist es deshalb wichtig, sich einen Überblick über seine Finanzen zu verschaffen und alles schriftlich festzuhalten.
- Eine Liste aller Schulden, Gläubiger, Zinssätze und monatlichen Raten erstellen. Notieren sollte man auch, wer bereits gemahnt hat.
- Alle monatliche Einnahmen und Ausgaben erfassen. Mit einem Haushaltsplan lässt sich zudem herausfinden, wo man möglicherweise sparen kann (zum Beispiel Abo kündigen oder bestimmte Lebensmittel von der Einkaufsliste streichen).
Das Bundesfamilienministerium hat eine Broschüre herausgegeben, die Wege aus der Schuldenspirale aufzeigt und Tipps zur Vermeidung von Überschuldung gibt. Auf der Website meine-schulden.de informiert die Bundesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung rund um das Thema und bietet praktische Tipps.
Privatinsolvenz dauert drei Jahre
Sind die Versuche gescheitert, sich mit den Gläubigern zu einigen, bleibt oft nur der Weg in die Privatinsolvenz. Bei diesem Verfahren leben Betroffene mit dem Existenzminimum, ein Treuhänder verwaltet die Schulden und das Vermögen. Seit dem Jahr 2021 gilt ein neues, verkürztes Insolvenzverfahren, das es ermöglicht, bereits innerhalb von drei Jahren schuldenfrei zu sein, statt wie zuvor in sechs Jahren.
























