Taliban werfen Pakistan Angriff auf Klinik vor – Hunderte Tote | ABC-Z

Im eskalierenden Grenzkonflikt zwischen Afghanistan und Pakistan haben die Taliban schwere Vorwürfe gegen das pakistanische Militär erhoben. Demnach seien bei einem pakistanischen Luftangriff auf eine Entzugsklinik in der Hauptstadt Kabul mindestens 400 Menschen getötet worden, etwa 250 weitere seien verletzt worden. Das Krankenhaus sei am Montagabend getroffen worden, wie ein Regierungssprecher der Taliban auf X mitteilte.
Das pakistanische Informationsministerium wies die Anschuldigungen zurück und erklärte, man habe militärische Einrichtungen und sogenannte „Infrastruktur zur Unterstützung von Terroristen“ in Kabul und der ostafghanischen Provinz Nangarhar angegriffen. Die Angriffe würden „präzise“ durchgeführt, um Kollateralschäden zu vermeiden, hieß es. Die Angaben beider Konfliktparteien ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen.
Die britische „BBC“ berichtet, dass bei einem Besuch des Krankenhauses nach dem angeblichen Angriff Reporter Feuer und den Abtransport von mehr als 30 Leichen beobachtet hätten. Fernsehbilder des afghanischen Fernsehsenders Tolonews zeigten nach den Angriffen ebenfalls weiträumige Feuer- und Rauchsäulen und große Menschenmengen bei Bergungsarbeiten in zerstörten Anlagen. Die nach afghanischen Angaben getroffene Klinik soll über 2000 Betten verfügen.
Afghanistan und Pakistan kämpfen seit fast drei Wochen im Schatten des Iran-Kriegs
Der UN-Sonderberichterstatter für Menschenrechte in Afghanistan, Richard Bennett, zeigte sich in einem X-Post „bestürzt über jüngste Berichte über Luftangriffe Pakistans in Afghanistan und die daraus resultierenden zivilen Opfer“.

Taliban bergen aus den Trümmern einen Körper nach dem mutmaßlichen pakistanischen Luftangriff.
© AFP | WAKIL KOHSAR
Erst vor wenigen Tagen hatte Pakistan Ziele in Afghanistan angegriffen. Bei Luftschlägen in Kabul gab es laut der UN-Hilfsmission in Afghanistan (Unama) Tote und Verletzte. Bis einschließlich vergangenen Freitag seien in dem Konflikt seit Ende Februar in Afghanistan mindestens 75 Zivilisten getötet und 193 verletzt worden, teilte Unama damals mit. Afghanistan wiederum hatte zuletzt auch Ziele in Pakistan angegriffen, etwa in der Hauptstadt Islamabad.
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Bereits im vergangenen Herbst war es zu gegenseitigen Angriffen gekommen. Ein nachhaltiger Frieden konnte bei verschiedenen Gesprächsrunden nicht erreicht werden. Pakistan wirft den in Kabul regierenden islamistischen Taliban vor, Terrorgruppen zu unterstützen. Die Taliban weisen die Vorwürfe zurück.
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Die jüngste Eskalation des Konflikts folgte auf pakistanische Luftangriffe am 22. Februar in zwei afghanischen Provinzen. Pakistans Verteidigungsminister Khawaja Muhammad Asif sprach Ende Februar von einem „offenen Krieg“. Zuletzt hatte China versucht, in dem Konflikt zu vermitteln. Auch die – militärisch unterlegenen – Taliban hatten auf einen Dialog gedrängt. Mit den neuerlichen Luftangriffen auf Kabul könnte sich das ändern.
Der Sprecher der Taliban-Regierung, Sabiullah Mudschahid, sagte dem Sender Tolonews nach den jüngsten Angriffen auf Kabul, nun sei nicht die Zeit für Diplomatie. Afghanistan werde zurückschlagen, sagte er.
os/dpa





















