Erysipel: Symptome, Ursachen, Therapie bei Wund- oder Gesichtsrose | ABC-Z

Stand: 10.03.2026 19:00 Uhr
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Das Erysipel, auch Wund- oder Gesichtsrose genannt, ist eine schmerzende bakterielle Hautentzündung mit roten Verfärbungen. Ohne rasche Therapie kann sie lebensbedrohliche Folgen haben.
Die Entzündung zählt zu den häufigsten Hautinfektionen und ist als Wund- oder Gesichtsrose sowie Rotlauf bekannt. Der medizinische Name Erysipel kommt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie “gerötete Haut”. Wie das Furunkel oder auch die gefährliche Phlegmone gehört das Erysipel zu den Hautweichteilinfektionen.
Im Gegensatz zu früheren Zeiten als es noch kein Penicillin gab, kommt es heute nur noch selten zu ernsthaften Komplikationen. Die Erkrankung heilt oft vollständig aus, allerdings nur, wenn sie rasch und fachgerecht behandelt wird. Die Risiken der Erkrankung werden von vielen unterschätzt. Ohne Therapie können die Folgen lebensbedrohlich sein.
Schmerzhafte Entzündung mit hellroten Verfärbungen
Typisch für ein Erysipel sind akut schmerzhafte und berührungsempfindliche Rötungen mit scharfer Begrenzung und flammenartigen Ausläufern, weshalb die Erkrankung früher auch Antoniusfeuer genannt wurde. Dabei ist die Haut meist geschwollen. Die Symptome eines Erysipels können von kleinen roten Punkten ohne Begleiterscheinungen bis hin zu Infekten mit hohem Fieber, Schüttelfrost und schweren Beeinträchtigungen reichen.
Erysipel ist eine der häufigsten Hauterkrankungen
Die Wundrose zählt zu den häufigsten Hautinfektionen und betrifft etwas mehr als einen unter 1.000 Menschen, vor allem Ältere. Frauen sind insgesamt häufiger betroffen als Männer, obwohl es bei Erkrankungen bis zum 50. Lebensjahr mehr männliche als weibliche Patienten gibt.
Streptokokken häufigste Ursache
Hervorgerufen wird das Erysipel vor allem durch Streptokokken. Seltener können auch andere Bakterien Auslöser sein. Durch Verletzungen, Traumata oder Erkrankungen der Hautoberfläche gelangen die Erreger in die oberen Hautschichten.
Entzündung der oberen Hautschichten und Lymphgefäße
Durch bakterieneigene Proteine, Toxine und die Immunantwort des Körpers kommt es zu einer nicht eitrigen Entzündung der oberen Hautschichten und Lymphbahnen. Die Hautveränderungen beginnen an der Eintrittspforte und breiten sich rasch horizontal entlang der Lymphbahnen aus, wobei sich die betroffenen Areale meist hellrot verfärben. Die Lymphgefäße schwellen an und können sogar dauerhaft zerstört werden.
Erysipel: Häufig Beine, Gesicht und Arme betroffen
Grundsätzlich kann die Wundrose überall am Körper auftreten. Die häufigsten Stellen sind jedoch mit rund 80 Prozent Füße und Beine, dabei in drei von vier Fällen vor allem die Unterschenkel. Rund ein Sechstel der Erkrankungen tritt als sogenannte Gesichtsrose auf. Meist sind dabei die Wangen und oft auch die Ohrmuscheln betroffen. Auch an den Armen treten Wundrosen häufig auf.
Risikofaktoren für ein Erysipel
Es gibt eine ganze Reihe von Erkrankungen, die ein Erysipel begünstigen. Das sind unter anderem:
Symptome der Wundrose: Oft Fieber und Krankheitsgefühl
Nach einer Inkubationszeit, die von wenigen Stunden bis hin zu zwei Tagen dauern kann, kommt es zu Beginn oft zu Krankheitszeichen wie plötzlichem Fieber, Schüttelfrost und allgemeinem Krankheitsgefühl. Erst Stunden später zeigen sich die typischen Hautveränderungen.
Bei Patienten, die Medikamente einnehmen, um das Immunsystem zu unterdrücken (zum Beispiel bei Autoimmunerkrankungen oder bei Organ- oder Stammzelltransplantationen), sind die Symptome allerdings abgeschwächt oder können weitgehend ausbleiben – ebenso bei Patienten, die regelmäßig fiebersenkende Medikamente wie Ibuprofen oder Paracetamol einnehmen.
In einem von zwanzig Fällen tritt nach einer bereits abgeheilten Wundrose eine nochmalige Entzündung auf, ein sogenanntes Rezidiv. Auch dann können die Krankheitssymptome stark abgeschwächt sein.
Mögliche Komplikationen und Risiken
Möglich sind Einblutungen und Blasenbildung und sogar das Absterben von Gewebe, sogenannte Nekrosen. Bei Gesichtsrosen besteht die Gefahr, dass es zu einem gefährlichen Verschluss eines wichtigen Blutgefäßes des Kopfes, einer septischen Sinus-cavernosus-Thrombose, kommen kann.
Die Folgen unbehandelter oder häufig wiederkehrender Wundrosen können neben Abszessen, Herzentzündungen oder einer Sepsis auch ein chronisches Lymphödem sein. Wenn Lymphgefäße großflächig zerstört werden, kann sich sogar eine Elephantiasis, eine sogenannte Elefantenkrankheit, entwickeln. Durch den gestörten Lymphabfluss und Lymphstau kommt es zu einer krankhaften Vergrößerung von Körperteilen, oft der Beine.
Schnelle ärztliche Diagnose wichtig
Ein Erysipel sollte unbedingt medizinisch untersucht und möglichst schnell behandelt werden. Sonst besteht die Gefahr, dass die Entzündung auch auf tiefere Hautschichten übergreifen kann. Bei der Diagnose werden zunächst die Hautveränderungen untersucht und nach möglichen Eintrittspforten der Bakterien geschaut. Das können beispielweise Hautschäden durch Pilzerkrankungen der Zehenzwischenräume oder – bei Diabetespatienten – Wunden an den Füßen und Beinen sein, die diese krankheitsbedingt nicht wahrnehmen.
Abgrenzung gegenüber anderen Erkrankungen
Für die richtige Therapie ist es wichtig, das Erysipel gegenüber anderen Erkrankungen, wie beispielsweise eines Erysipelas carcinomatosum, das ist eine seltene metastasierende Hautentzündung, einer nekrotisierenden Fasziitis oder auch einer tiefen Beinvenenthrombose, abzugrenzen.
Erysipel oder Phlegmone?
Um zu klären, ob es sich um ein Erysipel, eine Phlegmone oder eine mögliche Mischform handelt, nutzen Mediziner zusätzlich Ultraschall oder eine Computertomografie. Die Erreger zu bestimmen, hat für die Diagnose keine Bedeutung, da der zweifelsfreie Nachweis kaum möglich ist.
Wund- und Gürtelrose: Unterschiedliche Erkrankungen
Obwohl die Namen ähnlich sind und auch die Gürtelrose mit starken Schmerzen verbunden sein kann, haben Wund- und Gürtelrose nichts miteinander zu tun. Denn im Gegensatz zur Wundrose wird die Gürtelrose nicht durch Bakterien, sondern durch Viren ausgelöst.
Therapie mit Penicillin
Für die Therapie ist Penicillin das Mittel der Wahl. Es wird über einen Zeitraum von einer bis zwei Wochen eingesetzt. Streptokokken, die hauptsächlich Erreger eines Erysipels sind, bilden dagegen keine Resistenzen. Um den Therapieverlauf zu kontrollieren, werden die betroffenen Hautareale zu Beginn markiert.
Ambulante oder stationäre Therapie?
Wenn bei unkomplizierten Erkrankungen die Therapie sehr früh beginnt, kann sie ambulant mit Tabletten durchgeführt werden. Allerdings erfordern die meisten Erysipele eine stationäre Aufnahme. Die ist angezeigt, sobald zusätzliche Erkrankungen wie Diabetes mellitus, eine Immunsuppression oder auch eine Tumorerkrankung vorliegen, außerdem bei Allgemeinsymptomen wie Fieber und immer bei einer Wundrose im Gesicht.
Im Zuge der Therapie werden neben Antibiotikainfusionen auch Schmerzmedikamente eingesetzt. Bei Mischinfektionen können außerdem chirurgische Maßnahmen erforderlich sein. Unterstützt werden kann die Therapie und Heilung durch später beginnende Lymphdrainagen.
Prognose und Heilung
Mit einer angemessenen, fachgerechten Therapie heilt die Erkrankung in der Regel folgenlos aus. Allerdings können Hautverfärbungen zurückbleiben. Sie können Folgen von Giftstoffen der Streptokokken sein, die sich auf die Durchblutung auswirken.
Was hilft, Wundrosen zu verhindern?
Zur Therapie und Vorbeugung gehört, dass mögliche Eintrittspforten erkannt und saniert werden. Das gilt besonders, wenn Risikofaktoren bisher nicht ausreichend behandelt wurden. Warum es in den ersten zwei bis vier Jahren häufiger zu Rezidiven kommt, ist noch nicht erforscht. Eine von mehreren Hypothesen dazu ist, dass sich Bakterien in Zellen vor dem Penicillin verstecken könnten. Nach einem wiederholten Erysipel kann laut Leitlinie eine spezielle Therapie mit einem Antibiotikum helfen, weitere Erkrankungen zu verhindern.
























