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Rocco Reitz wechselt in der Bundesliga von Gladbach zu RB Leipzig – Sport | ABC-Z

Wenn man bedenkt, dass Borussia Mönchengladbach nach dieser Saison seinen schnellsten, zweikampfstärksten und beliebtesten Spieler verliert, dann ist das eine Hiobsbotschaft für den Verein und seine Fans. Wenn man allerdings berücksichtigt, dass der klamme Klub für diesen talentierten Mittelfeldmann ungefähr 20 Millionen Euro bekommt und Rocco Reitz, 23, nach der soeben erfolgten offiziellen Bekanntgabe seines Transfers zu RB Leipzig bei den Borussia-Fans vielleicht eher nicht mehr der beliebteste Spieler sein wird, relativiert sich die Sache schon wieder ein wenig.

Am Montag teilten die Vereine mit, dass Reitz im Sommer von Borussia Mönchengladbach zu RB Leipzig wechselt und bei den Sachsen einen Vertrag mit Laufzeit bis 2031 erhält.

Der Weggang von Reitz aus Gladbach ist dennoch kein normaler Transfer für die Borussia. Einen Sohn dieses Klubs (im Branchenjargon: Eigengewächs) ausgerechnet an den Fußballkonzern RB zu verlieren, dürfte an vielen Fans nagen. Von Reitz hätte man durchaus erwarten können, dass er ein One-Club-Player wird, einer, der seine ganze Karriere für einen einzigen Verein spielt. Denn seine Verwurzelung bei der Borussia ist (war) außergewöhnlich.

Am Tag seiner Geburt (29. Mai 2002) in Duisburg hat der Patenonkel ihn als Vereinsmitglied bei der Borussia angemeldet. Reitz war in Gladbach Einlaufkind, Vorspielkind und bei den Heimspielen mit dem Vater schon in jungen Jahren Stammgast auf der Tribüne. Seit seinem siebten Lebensjahr spielte er selbst für die Borussia; im Sommer wird er 17 Jahre für Gladbach gespielt haben. Inzwischen ist Reitz sogar der Schwiegersohn der Klublegende Karlheinz Pflipsen. „Ich habe mehr als mein halbes Leben hier verbracht“, sagte Reitz einmal über die Borussia, „die Liebe zu diesem Verein ist genauso wie die Liebe zum Fußball riesig – größer geht’s gar nicht.“

Seine größte Liebe zu verlassen, ist eigentlich Stoff für die Literatur, Stoff fürs Kino. In Gladbach spielen sie vor jedem Heimspiel in wehmütigem Kontext das Lied „Die Seele brennt“ als Hymne auf die Liebe zu diesem Verein. Das Lied ist eine regelrechte Schnulze und damit auch ein Indiz dafür, wie manche Fans ticken. Einen Spieler wie Reitz, einen der ihren, einen, der diesem Klub gefühlt die ewige Treue geschworen hat, lässt man nicht so einfach gehen. Möglich, dass Reitz jetzt ausgepfiffen wird. Gut möglich aber auch, dass sie diesen Spieler so ins Herz geschlossen haben, dass sie ihm die Absolution erteilen.

Am 11. April könnte Reitz in ein Dilemma geraten: Dann spielt die Borussia in Leipzig, für RB geht es um die Champions League

„Diese Entscheidung ist mir alles andere als leichtgefallen“, sagt Reitz in der Gladbacher Vereinsmitteilung zum Wechsel. „Natürlich kann ich verstehen, dass der eine oder andere meinen Entschluss, den Verein zu verlassen, nicht nachvollziehen kann, aber ich kann versprechen, dass ich mich in jedem verbleibenden Spiel mit allem, was ich habe, zerreißen werde – vor allem im Derby jetzt am Wochenende.“

Wollte man Reitz einen Tipp geben, dann würde man ihm raten, am Samstagnachmittag im Rheinderby beim 1. FC Köln den Gladbacher Siegtreffer zu schießen. Das könnte wütende Fans versöhnen. Auch im Auswärtsspiel am 11. April bei RB Leipzig könnte Reitz den Borussia-Fans mit einem Siegtreffer einen Gefallen tun. Problem wäre dann nur, dass Leipzigs Versuche, sich in der Bundesligatabelle noch auf einen Champions-League-Platz zu hieven, ausgerechnet durch den künftigen Spieler einen Dämpfer erleiden könnten. Gerät Reitz in diesem Duell in ein Dilemma?

Gladbachs Sportchef Rouven Schröder kann auf Befindlichkeiten keine Rücksicht nehmen. Er weiß das Geld zu schätzen, dass er zur Finanzierung eines personellen Umbruchs bei der Borussia im kommenden Sommer bekommt. „Die Ablösesumme, die wir für Rocco erhalten, ist die höchste, die Borussia je für einen selbst ausgebildeten Spieler generieren konnte“, sagt Schröder, „und der frühe Zeitpunkt der Einigung hilft uns sehr bei unseren Planungen.“

Mehr Geld eingenommen hat Gladbach nur bei den Verkäufen der Spieler Granit Xhaka (43 Millionen vom FC Arsenal, 2016), Thorgan Hazard (25,5 Millionen von Borussia Dortmund, 2019) und Jannik Vestergaard (23 Millionen vom FC Southampton, 2018). In dieser Rangliste dürfte Reitz mit geschätzten 20 Millionen Verkaufssumme zusammen mit Manu Koné (20 Millionen an AS Rom, 2024) auf Platz vier liegen.

Als Jugendlicher war Reitz Messi-Fan. Mittlerweile, hat er mal verraten, schaue er gern Joshua Kimmich zu. „Ich finde Joshua sehr beeindruckend“, sagte er, „er ist so ein bisschen der Maßstab, wo ich einmal hin will.“ Mit seinem Wechsel nach Leipzig macht Rocco Reitz auf diesem Weg einen großen Schritt.

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