Dachau: Sanierung des Café Gramsci geht zügig voran – Dachau | ABC-Z

Vor zwei Jahren musste das Café Gramsci schließen. Lebensgefahr. Die Statik, die Technik – alles nicht mehr sicher. In den maroden Kasten wollte die Stadt, der das Gebäude gehört, keinen einzigen Euro mehr stecken, Kultkneipe hin oder her. Das Mobiliar landete auf dem Sperrmüll. Das Schicksal dieser kleinen Oase der Subkultur schien damit besiegelt. Natürlich gab es Leute, die sagten, da müsse doch was unternommen werden. Unterschriften sammeln. Eine Initiative gründen. Crowdfunding. Irgend sowas. Aber je mehr Zeit verstrich, desto mehr verblassten die Hoffnungen.
Manfred Huber lehnt lässig am Tresen, lang und drahtig, ein Käppi auf dem Kopf. Er ist Vorsitzender des Vereins „Gramsci-Kult“. Gegründet wurde der kleine Verein, um ein Wunder zu vollbringen: das Café Gramsci wieder zu einem lebendigen Treffpunkt in der Dachauer Altstadt zu machen. Und es sieht so aus, als könnte auf dem Weg dahin nichts mehr schiefgehen. Die Elektrik ist fertig, die Löcher in den Wänden zugespachtelt, und unter dem Malervlies sieht der geschliffene Parkettboden schon wieder aus wie neu.
Nach Feierabend legen die Handwerker hier los
Es ist Freitag, später Nachmittag, die meisten Handwerker haben Feierabend. Im Gramsci legen sie jetzt erst richtig los, Profis in ehrenamtlicher Mission. Was geht, machen sie in Eigenleistung. Damit kann man sich einen Haufen Geld sparen. Material müssen sie trotzdem kaufen, um das Lokal wieder auf Vordermann zu bringen. Die Heizungsanlage war komplett hinüber, das Dach undicht. Ein Mann klettert über die freigelegten Dachsparren. „Wir müssen noch ein paar Balken ersetzen“, erklärt Huber. Er muss laut reden. Aus dem Ghettoblaster scheppert Musik von Rio Reiser. Früher war das der Soundtrack der Hausbesetzer-Szene. Aber Rebellen sind sie keine.
Mit der Stadt hat der Verein einen Nutzungsvertrag geschlossen, erst mal befristet auf zwei Jahre. Wenn das Gramsci fertig ist, dürfen sie es in Eigenregie betreiben. Es soll kein Vereinsheim werden, sondern wieder „etwas für die Allgemeinheit“. Mit Konzerten und Kneipenbetrieb wie früher. Was am neuen Tresen gezapft wird, weiß Huber auch schon: regionale Biersorten. Kapplerbräu, Maisacher Perle, Müllerbräu aus Pfaffenhofen.



Im Moment seien sie so gut wie jeden Tag auf der Baustelle, berichtet Huber, meistens zu dritt, am Samstag auch mal zu zehnt. Aber zu viele dürften es auch nicht auf einmal sein, sonst kommen sich die Gewerke in die Quere. Abwechselnd mit Armin Prediger macht er die Bauleitung. „Einer muss den Hut aufhaben“, sagt Huber. Und den Hut hat Huber eigentlich immer auf. Das ist so etwas wie sein Markenzeichen. Man sieht ihn fast nie ohne Kopfbedeckung, nicht mal in der Kneipe.
Baustelle ist im Gramsci überall, unter dem Dach, im Gastraum, in der Küche, auch unten in den Kellerräumen. Dort müssen die Decken gestützt werden, das war eine Auflage der Stadt. Überall dicke Holzbalken zwischen Boden und Decke. Huber findet das ein wenig übertrieben. Aber gut, an Verträge muss man sich halten. Jetzt sieht es da unten aus, als beträte man einen Bergwerksstollen mit akuter Einsturzgefahr. Die Kosten, die die Stadt für die Sanierung angesetzt hat, kann er auch nicht nachvollziehen. Von 300 000 bis 500 000 Euro war die Rede. Eine Wahnsinnssumme. „Ein Witz ist das“, sagt Huber. 35 000 bis 40 000 Euro werden es nach seiner Schätzung am Ende sein. Finanziert werden die Ausgaben durch Spenden.
Am Kanal hätte alles scheitern können
Der kritischste Punkt war die Abwasserentsorgung. „Ein echter Genickbrecher“, sagt Huber. Wäre da ein größeres Problem aufgetreten, „wäre das Projekt gestorben“. Im Alten Metzgerhof hat es damit in der Vergangenheit immer wieder Schwierigkeiten gegeben – allerdings in Nachbargebäude. Wie sich herausgestellt hat, verfügt das Gramsci über einen eigenen Kanalanschluss. Den hätten sie gleich zu Beginn mit einer Kamera abgefahren: alles in Ordnung. Auch sonst läuft alles glatt. „Wir hatten keine Überraschungen bis jetzt.“
Natürlich hat einiges Schaden genommen über die Jahre, die schwarz-weißen Kacheln an der Wand sind an einigen Stellen schon ziemlich ramponiert. Das stört Huber nicht. „Ein paar Dinge musst du auch so lassen“, sagt er, „wegen der Nostalgie.“ Auch die „Wall of Fame“: Am Durchgang zur Garderobe kleben die Flyer und Aufkleber von Musikern, die hier schon mal aufgetreten sind. Nicht mal von der Tafel, auf der noch die Speisen und Getränke des alten Café Gramsci stehen, wollen sie sich trennen.
„Alles, was wiederverwendbar ist, wird wiederverwendet“, lautet Hubers Devise. Es soll ja möglichst so werden wie früher. Oder wenigstens nah dran am Original. In die Ecke haben sie ein Holzpodest gebaut für die Konzertbühne. Das wird der Ehrenplatz für das einzige Möbelstück aus dem alten Gramsci, das noch existiert: für Mathilda, das Klavier.
Hier packen alle mit an
Neu ist der Tresen im Gramsci, eine „Dauerleihgabe“ der Augustiner-Klosterwirtschaft aus Markt Indersdorf. Das Ungetüm aus Edelstahl ist zu lang, um es an die alte Position zu stellen. Jetzt steht es an der Längsseite. „Wir haben keine Wahl gehabt“, bedauert Huber. Bevor der Tresen hübsch mit Holz verkleidet wird, muss Schlosser Rolf Tannek noch daran arbeiten. Dass er dafür jetzt seinen Feierabend opfern muss, vielleicht auch noch einen Teil des Wochenendes: „Nicht so tragisch“, sagt er. Beim „Gramsci-Kult“ sind Macher am Werk. Alle wollen, dass es vorangeht. Klar, es ist viel Arbeit, räumt auch Huber ein. „Aber es macht wahnsinnig Spaß.“
Schon in wenigen Wochen soll der Betrieb starten. Wie viel Jahre dem Kultlokal dann noch bleiben, hängt davon ab, wann die Stadt wieder genug Geld hat, um die Klosterschule zu erweitern. Dann müssten alle Gebäude am benachbarten Alten Metzgerhof abgerissen werden. Mathilda bräuchte dann eine neue Bleibe.





















