Wirtschaft

Paramount und Warner: Letztes Hurra in Hollywood | ABC-Z

Wenn an diesem Sonntag die Oscars verliehen werden, könnte es ein triumphaler Abend für Warner Bros. werden. Kein anderes Filmstudio hat so viele Nominierungen bekommen. Die Warner-Titel „One Battle After Another“ und „Blood & Sinners“ werden voraussichtlich das Rennen um die Auszeichnung als bester Film unter sich ausmachen. Mit beiden Filmen ist Warner ein in Hollywood nicht alltägliches Kunststück gelungen: Sie brachten nicht nur Prestige, sondern waren auch kommerzielle Erfolge. Und doch wird sich in etwaigen Jubel in der Oscar-Nacht auch reichlich Wehmut mischen, denn für Warner dürfte es eine Art letztes Hurra sein.

Der Mutterkonzern Warner Bros. Discovery hat gerade den Verkauf an den Wettbewerber Paramount Skydance vereinbart. Sofern die Kartellbehörden den Plan nicht durchkreuzen, wird er also bald seine Unabhängigkeit verlieren. Statt bislang fünf wird es dann nur noch vier große Hollywood-Studios geben.

Zwischen Pest und Cholera

Dem Abkommen mit Paramount ging ein Bieterkampf um Warner voraus, in dem erst Netflix die besseren Aussichten hatte. Aus Sicht der Kreativszene war das wie die Wahl zwischen Pest und Cholera, denn jeder der beiden Interessenten stellte auf seine eigene Weise eine Bedrohung dar. Netflix verfolgt als Streamingdienst ein ganz anderes Geschäftsmodell als die traditionelle Filmindustrie und hatte bislang wenig Interesse, seine Titel zunächst eine Zeit lang exklusiv in Kinos zu zeigen. Entsprechend stießen Beteuerungen des Managements, wonach sich dies nach einer Übernahme von Warner völlig ändern würde, auf einigen Argwohn. Netflix haftet in Hollywood zudem noch immer der Ruf eines Eindringlings aus dem Silicon Valley an, so wie auch anderen Techkonzernen mit Streamingangeboten wie Apple oder Amazon.

Paramount ist dagegen wie Warner vom gleichen alten Hollywood-Schlag. Insofern ist das jetzt geschlossene Abkommen ein recht klassischer Fall von Konsolidierung und lässt weniger dramatische Änderungen des Geschäftsmodells erwarten als ein Verkauf an Netflix. Allerdings gibt es auch mehr Potential für Synergien, umso größer ist in der Branche die Angst vor erheblichen Einschnitten, ob mit Blick auf Arbeitsplätze oder die Zahl der produzierten Filme und Fernsehshows. Warner selbst hat noch im Dezember gewarnt, ein Zusammenschluss mit Paramount würde ganz Hollywood schwächen.

Eine neue Mediendynastie steigt auf

Die nun vereinbarte Übernahme zementiert auch den Aufstieg einer neuen Mediendynastie, die in der Branche mit einigem Unbehagen verfolgt wird. Larry Ellison, Mitgründer des Softwarekonzerns Oracle und einer der reichsten Menschen der Welt, hat sein Vermögen eingesetzt, um innerhalb kurzer Zeit erst Paramount und dann Warner zu kaufen. Sein Sohn David ist Vorstandschef des entstehenden Imperiums.

Die Ellisons schicken sich an, so etwas wie die neuen Murdochs zu werden. Sie pflegen gute Verbindungen zum US-Präsidenten Donald Trump, was im mehrheitlich linksliberalen Hollywood Sorgen vor politischer Einflussnahme weckt. Es wird befürchtet, sie könnten versuchen, Warner nach der Übernahme Trump-freundlichere Inhalte aufzuzwingen, ob beim Nachrichtensender CNN oder bei den Filmstudios.

Der Verkauf von Warner fällt in eine Zeit, in der die Unterhaltungsbranche mit gewaltigen Schwierigkeiten kämpft und die Zeichen in vielerlei Hinsicht auf Niedergang stehen. Streaming geht zulasten traditioneller Einnahmequellen, viele Menschen sparen sich Kinobesuche und Kabelanschlüsse. Die etablierten Konzerne haben zwar ihre eigenen Streamingdienste aufgebaut, erzielen damit aber bislang nur überschaubare Gewinne, gerade im Vergleich zu Netflix.

Rosarote Vorhersagen

In diesem widrigen Umfeld sucht Paramount nun sein Heil in der Größe. David Ellison traut sich zu, es mit Netflix aufzunehmen, wenn er auch Warners Streamingdienste wie HBO Max kontrolliert. Er versucht zudem, sich als Bewahrer des alten Hollywoods zu inszenieren, und verspricht, nach der Fusion würden Paramount und Warner mehr Filme in Kinos bringen als vorher. Synergien sollen ihm zufolge nicht in erster Linie von Einsparungen am Personal kommen.

Diese rosaroten Vorhersagen sind mit Vorsicht zu genießen. Allein angesichts der immensen Schuldenlast von fast 80 Milliarden Dollar, die Paramount nach der Übernahme zu tragen hat, dürfte sich Ellison noch zu einigen Kompromissen gezwungen sehen. Zu befürchten ist, dass dies auf Kosten der Vielfalt geht. Es wird womöglich künftig schwieriger, riskantere Projekte wie die beiden Oscar-Favoriten zu realisieren, die keine Fortsetzungen etablierter Filmreihen sind.

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