Berlin

RBB zeigt mehr Brandenburg – wenn keiner guckt | ABC-Z

Die RBB-Zentrale in Charlottenburg – das Hochhaus muss der Sender aus Geldnot verkaufen Foto: picture alliance/Joko

Berlin – Mehr Brandenburg im TV, verspricht Berlins Skandalsender RBB. Weil Ministerpräsident Woidke (SPD) mit der Kündigung des Rundfunk-Staatsvertrags drohte. Doch die Programm-Ausweitung ist eine Mogelpackung.

Mindestens 60 Minuten aktuelle TV-Berichte aus Brandenburg jeden Tag. Doppelt so viel wie bisher. Dazu verpflichtet der Rundfunk-Staatsvertrag den Zwei-Länder-Sender RBB. Schon seit 2023. Doch Intendantin Ulrike Demmer (52) klagte dagegen vor Gericht – und verlor. Trotzdem gab sie Brandenburg nicht mehr Sendezeit. Ministerpräsident Dietmar Woidke (64, SPD) drohte mit der Kündigung des Rundfunk-Staatsvertrags.

Dietmar Woidke (SPD) drohte dem RBB mit Kündigung des Staatsvertrags
Dietmar Woidke (SPD) drohte dem RBB mit Kündigung des Staatsvertrags Foto: David Hammersen/dpa

Am späten Freitag kündigte der Sender die Verdoppelung der TV-Nachrichten aus Berlin und Brandenburg an: Ab Ende Mai wird die Spätausgabe von „rbb24“ um 21:45 Uhr in beiden Ländern auseinander geschaltet – und verlängert auf je 30 Minuten pro Land. Wie um 19:30 Uhr für „Berliner Abendschau“ und „Brandenburg aktuell“. Macht künftig 60 Minuten pro Land.

RBB-Chefin Ulrike Demmer (52)
RBB-Chefin Ulrike Demmer (52) Foto: picture alliance/dpa

„So viel regionale Information gab es im RBB Fernsehen noch nie“, jubelt Sender-Chefin Demmer, „darüber freuen wir uns sehr.“ Die Brandenburg sicher nicht. Denn der Plan ist eine dreifache Mogelpackung:

  • Die Spät-Nachrichten guckt kaum jemand: um 21:45 Uhr schalten nur noch 5-8 Prozent der TV-Zuschauer ein. Zum Vergleich: Die 19:30 Uhr-Abendschau kommt auf 38 %, Brandenburg aktuell auf 25 %.
  • Die Spätausgabe spult vor allem bekannte Berichte aus den Hauptabend-Sendungen ab. Nur ergänzt um einen anderen Studiogast. Wiederholungen statt mehr Regional-Nachrichten.
  • Der RBB will um 21:45 Uhr nicht nur exklusiv aus Berlin und Brandenburg berichten. Sondern auch aus „dem jeweils anderen Teil des RBB-Berichtsgebiets und den Nachbarländern“. Heißt: Neues aus Suhl und Schwerin statt aus Pankow und Potsdam.
Der Landtags-Abgeordnete Erik Stohn vertritt die SPD im RBB-Rundfunkrat
Der Landtags-Abgeordnete Erik Stohn vertritt die SPD im RBB-Rundfunkrat Foto: dpa

„Das erfüllt nicht unsere Erwartungen an mehr Regional-Berichterstattung“, schimpft SPD-Medienexperte Erik Stohn (42), „um 21:45 Uhr liegt der Brandenburger Pendler schon im Bett.“ Er fordert: „Der RBB sollte schon um 18 Uhr seine Nachrichten ausweiten.“

Der Brandenburger SPD-Abgeordnete Ludwig Scheetz (40) kündigt an: „Wenn der RBB versucht, seine Verpflichtungen aus dem Staatsvertrag zu umschiffen, werden wir weiter darauf drängen, diesen einzuhalten!“

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