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Musical Company München: “Dreamland”-Premiere im Bürgersaal Kirchheim – Landkreis München | ABC-Z

Die Aliens umtänzeln die vier Menschen mit katzenartiger Geschmeidigkeit. Dass sie so formschön beschnuppert werden, nehmen die zwei jungen Frauen und Männer, die hier in diesen dunklen Bunker auf dem US-Militärgelände Area 51 eingedrungen sind, allerdings gar nicht wahr. Sie können die Außerirdischen, deren Look zauberisch-elfenhaft anmutet, weder sehen noch hören.

Der Versuch, dieses Kontakt-Problem im Lauf der Handlung zu beheben, wird bald in eine Reihe von Irrungen, Wirrungen und in amouröses Chaos münden, verursacht durch eine Brille des Alien-Kobolds Puck. Schließlich ist das, was die Protagonisten der Musical Company München hier bei der Probe auf der Bühne im Bürgersaal in Kirchheim zeigen, eine moderne und ziemlich abgedrehte Adaption von Shakespeares „Sommernachtstraum“, die unter dem Titel „Dreamland“ Elemente von Science-Fiction, High-School-Liebe, Poesie und Magie verknüpft.

Premiere des von Chris Miller und Nathan Tysen geschriebenen Musicals ist an diesem Samstag im neuen Bürgersaal Kirchheim, dort werden an zwei Wochenenden insgesamt sechs Vorstellungen gezeigt. „Es ist einfach ein sehr geiles Stück. Mit großer Rollendiversität und super catchy“, schwärmt Regisseurin Dorothee Weingarten.

Entsprechend ambitioniert ist freilich auch die Umsetzung. Allein schon die versiert inszenierten Choreografien – ob nun durch die Alien-Darsteller, den Show-Chor oder die Solisten – zeigen, dass hier anspruchsvoll gearbeitet wird, auch wenn es sich um Laien handelt.  „Natürlich gibt es Niveau-Unterschiede“, sagt Weingarten, „aber wichtig ist bei uns vor allem das Miteinander. Jeder will auf der Bühne stehen, aber alle gönnen einander.“ Der Wunsch, auf quasi-professionellen Niveau zu singen, zu spielen und zu tanzen, sei die Basis. Und neben Weingarten gibt es noch vier weitere Mitglieder im künstlerischen Team des Vereins, darunter mit dem ehemaligen Wiener Sängerknaben Florian Pfeiffer einen musikalischen Leiter und Marilena Uhl einen Dance Captain.

Nadja Närger, Dorothee Weingarten und Florian Pfeiffer (von links) von der Musical Company bei der Probe im neuen Bürgersaal Kirchheim. Udo Watter

Gegenwärtig hat der Verein rund 25 aktive und etliche passive Mitglieder, wobei es jeweils bis zu 100 Bewerber gibt, wenn die Company zu Castings bei neuen Produktionen ruft, wie Nadja Närger erzählt. Sie ist seit 2023 die Vorsitzende des 2019 gegründeten Vereins und sagt über die Mitglieder, von denen die Mehrzahl zwischen Ende 20 und Mitte 30 sind: „Natürlich sollte ein gewisses Grundniveau da sein, aber am wichtigsten ist, dass es sich vom Charakter her gut anfühlt, und die Leidenschaft, mit der man sich einbringt.“ Denn es sei „ein wahnsinnig zeitintensives Hobby.“

Die Musical Company München, die seit 2022 Produktionen realisiert, dabei über Vorbereitung, Organisation, Werbung, Bühnenbild, Kostüm, Requisite und Vorstellung alles selbst erledigt, ist nicht der einzige Musical-Verein im Raum München, der Freunde des Genres anlockt. Wer sich in Stadt und Umland ohne Entlohnung kulturell entfalten will, also con diletto, mit Vergnügen, der hat enorm viele Möglichkeiten, das in kreativer Gemeinschaft zu tun: im Bauerntheater, im Chor, in der Blaskapelle, in der freien Theatergruppe oder im Laien-Orchester.

Wer sich freilich für das große Entertainment-Genre Musical entscheidet, der sollte fast schon multitalentiert sein. Neben sängerischen und tänzerischen Qualitäten sind auch schauspielerische gefragt. Zahlreiche Mitglieder – und das gilt auch für andere Vereine wie dem Musical-Ensemble München Ost (Memo), der Bavarian Broadway Company (BBC) oder dem 2025 wieder erweckten Ensemble Show Ab – haben Erfahrung im Schulchor, in Bands, in Musical-Schulen oder sind über die Liebe zu Musikfilmen dazu gekommen. „Manche habe auch eine Profi-Karriere ins Auge gefasst und in verschiedenen Stadien abgebrochen“, sagt Närger, die den Puck spielt.

Ein sängerisch ambitionierter Hausmeister (Simon Engelke) darf sich in „Dreamland" auch verwirklichen.
Ein sängerisch ambitionierter Hausmeister (Simon Engelke) darf sich in „Dreamland” auch verwirklichen. Musical Company München

Jenseits von Konkurrenzdruck und Tournee-Stress als Profi habe man bei ihnen im Verein den Vorteil, im Freundeskreis aufzutreten. Beruflich ist die Musical-Company interessant gemischt, neben vielen Mitgliedern, die im medizinischen Bereich arbeiten, sind auch Juristen darunter, Studenten und sogar der Betriebsleiter einer Seilbahn. Konstantin Pelz, der gerade in Bioinformatik promoviert, bekam den letzten Motivationsschub durch einen Studienaufenthalt in New York, wo er viele Vorstellungen am Broadway sah. Die meisten Mitglieder der Company wohnen in München, andere auch in Haar, Taufkirchen, Freising oder Dachau.

Mag sein, dass das Genre Musical in der Hochkultur hierzulande nicht den allergrößten Respekt genießt  – die Nachfrage bei den Musical-Vereinen scheint hoch zu sein und auch die Resonanz bei den Aufführungen ist oft gut. Die Musical Company München konnte sich nach der Pandemie-Pause über mangelnden Zuspruch jedenfalls nicht beklagen. Besonders „Diebe im Olymp – Das Percy-Jackson-Musical“ im Jahr 2023 war ein großer Erfolg.

Nun steht also „Dreamland“ an: die Adaption des Sommernachtstraums, der sich auf dem streng geheimen und von Ufo-Mythen umrankten Militärgelände Area 51 in Nevada abspielt, welches in den Vergnügungspark „Dreamland“ verwandelt werden soll. Neben einem General, einem singenden Hausmeister und High-School-Schülern, die kurz vor der Eröffnung auf dem Gelände umherstreifen, spielen „vergessene“ Aliens die Hauptrolle – sie sitzen seit 70 Jahren in einem Bunker fest. Flankiert von eingängigem Pop und Klängen der Fünfziger verspricht auch das außergewöhnliche Szenario Schauwert. Und am Ende löst sich das Kommunikationsproblem natürlich in Liebe und Happiness auf.

„Dreamland“, Bürgersaal Kirchheim, Heimstettener Straße 8, Samstag, 14. März, Beginn 19.30 Uhr (Premiere), Sonntag, 15. März, 14 Uhr und 19.30 Uhr, Samstag, 21. März, 19.30 Uhr, Sonntag, 22. März, 14 Uhr und 19.30 Uhr, Informationen über https://musicalcompany-muenchen.de/

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