Fraktur: Warum nur machte Hagel es Özdemir so leichtgewichtig? | ABC-Z

Diese Woche war die Versuchung wirklich groß, hier mit einer Parole aus der Nazizeit anzufangen. Haut man so eine raus, dann ist in Deutschland maximale Aufmerksamkeit garantiert, erst die der Denunzianten, dann die der Staatsanwaltschaft und schließlich die der breiten Öffentlichkeit.
Das haben mehrere Kollegen aus dem komischen Fach, aber auch schon seriöse Philosophen und Historiker erfolgreich durchexerziert. Ein paar Putin-Hitler-Vergleiche können wir zwar auch vorweisen, aber sie waren bislang offenkundig zu bescheiden, um die Kettenreaktion der Empörung auszulösen.
Wir wären auch schon zu Ironie fähig, die nicht nur flink wie ein Windhund ist, sondern auch hart wie Kruppstahl! Aber man will natürlich nicht schamlos ein geniales Geschäftsmodell abkupfern, das auch noch der Verteidigung der Meinungsfreiheit dient. Deshalb behandeln wir lieber den restlichen Blödsinn, den es ja auch wieder reichlich gab.
Nehmen wir nur das Ansinnen der CDU, der strahlende Wahlsieger von Baden-Württemberg, Cem Özdemir, solle nach der Hälfte der Amtszeit den Ministerpräsidentenposten an den Loser Manuel Hagel abgeben. Da kann man doch nur mit Trapattoni rufen: Was erlauben Spahn! Özdemir, ein schon sehr erwachsener Politiker, formulierte das etwas landesväterlicher und erinnerte die Kinderchen in der CDU daran, dass die Lage einfach zu ernst sei „für Quatsch aller Art“.
Özdemir macht doch mit Hagel keine Wohngemeinschaft auf!
Damit räumte er auch gleich die pubertäre Idee ab, es könnte in Baden-Württemberg eine Doppelspitze geben wie bei den Grünen, mit denen Özdemir ja nichts zu tun hat. Der anatolische Schwabe denkt gar nicht daran, in der Villa Reitzenstein eine Wohngemeinschaft mit Hagel aufzumachen, in der es dann zwischen seiner neuen Frau und der Gattin des CDU-Politikers zu Szenen kommen könnte wie im Nibelungenlied zwischen Kriemhild und Brünhild. Und wir wissen ja alle, wie das endete.
Der junge, aber tragische Held Hagel (Siegfried) hat es dem alten Kämpen Özdemir (Hagen von Tronje) freilich auch leicht gemacht, auf dem erbarmungslosen Recht des Siegers zu bestehen. Hagel hätte ja nicht gleich den Schröder geben müssen. Aber sich selbst zum Verlierer zu erklären und höchstpersönlich Özdemir den Lorbeerkranz aufzusetzen, kaum dass am Wahlabend die ersten Hochrechnungen da waren, wäre auch nicht unbedingt nötig gewesen.
Hat ihm seine Frau noch einmal den Kopf gewaschen?
Am nächsten Tag, als das ganze Ausmaß der verheerenden Niederlage klar war – Gleichstand bei den Mandaten –, bot Hagel seiner Partei sogar seinen Rücktritt an. Was war da in der Nacht noch passiert? Hat ihm seine Frau noch einmal den Kopf gewaschen, weil sie nicht Fürscht Lady wird – und das nur, weil er sich vor acht Jahren in diesem dämlichen Interview so verquatscht hatte?
Schon damals bekam er ja, wie er berichtete, eine Abreibung von seiner Regierung. Wie konnte er damals auch nur so doof sein und im Fernsehen erzählen, dass er die Begegnung mit der Eva mit den rehbraunen Augen nie vergessen werde? Na ja, wenigstens dabei hat er recht behalten.
Doch nun genug von diesem armen Tropf. Manchmal ist ja auch nicht der das ärmste Schwein, der eine Wahl verloren hat, sondern der, der gewählt wurde. Schauen Sie sich nur Modschtaba Khamenei an beziehungsweise wenigstens seinen Fall, denn zu sehen ist von ihm ja noch nichts, seit er zum Obersten Führer bestimmt worden ist.
Einen, den die Amis und Israelis nicht mehr töten können
Wir an seiner Stelle hätten diese Wahl nicht angenommen, denn sie ist ja ein Todesurteil, das nur noch auf die Vollstreckung durch die Amis oder die Israelis wartet. Vielleicht ist Khamenei junior in Wahrheit aber schon ein Märtyrer wie sein Vater, und die schlauen Mullahs haben einen gewählt, den der große und der kleine Satan gar nicht mehr töten können, weil er ja schon im Paradies ist.
Das halten Sie für Quatsch mit Soße? Na ja, selbst im katholischen Niederbayern hat eine schon betagte Frau die mumifizierte Leiche ihrer Mutter jahrelang im Keller aufbewahrt. Und der ging es ja nur darum, weiter die Rente zu kassieren. Für das Mullah-Regime in Iran steht da schon etwas mehr auf dem Spiel.





















