Fußball-Bundesliga: Borussia Mönchengladbach startet in die Wochen der Wahrheit – Sport | ABC-Z

Kürzlich hat ein WDR-Radioreporter am Stadion die Befindlichkeiten unter den Anhängern von Borussia Mönchengladbach ausgelotet. Einer der Fans sagte mit tapferer Stimme: „Ich bin zweimal mit Gladbach abgestiegen und würde auch noch ein drittes Mal mit absteigen.“ So tief sind die Erwartungen schon gesunken.
Zweimal in ihrer Geschichte musste sich die Borussia aus der Bundesliga verabschieden. Aktuelle Würdenträger waren jeweils involviert. 1999 war der heutige Borussia-Präsident Rainer Bonhof der Trainer, 2007 war der heutige Trainer Eugen Polanski einer der Spieler. Als Erfahrungsvorteil dienen solche Referenzen aber nicht.
Den Präsidenten Bonhof, 73, würde ein neuerlicher Abstieg kaum das Amt kosten. Beim Trainer Polanski, 39, könnte das anders aussehen. Womöglich gar zeitnah. Im September als Nachfolger des schlecht in die Saison gestarteten Schweizers Gerardo Seoane installiert, konnte Polanski nie Konstanz in die Mannschaft bringen. Von den jüngsten zwölf Spielen gewannen die Gladbacher bloß zwei. Dadurch erhält das Heimspiel am Freitagabend gegen den um einen Punkt schlechteren Drittletzten FC St. Pauli ein Höchstmaß an Relevanz. „Die Bedeutung des Spiels ist für den einen oder anderen sicher noch mal höher“, sagte Polanski am Donnerstag. „Aber ich versuche damit ganz normal umzugehen.“ Polanski sieht seine Mannschaft „gut gewappnet“.
:Eine seltene Mischung aus Freude und Schmerz
Der FC Bayern schlägt Bergamo wie im Rausch, der Einzug ins Viertelfinale ist nahezu sicher. Doch drei Verletzungen drücken auf die Stimmung – und zwei Gelbsperren sorgen für Spuren von Heiterkeit.
Der neue Sportchef Rouven Schröder hat seit seinem Amtsantritt im Oktober noch kein kritisches Wort über den Coach verloren. „Es gibt für uns kein Trainer-Thema“, betonte Schröder nun. „Wir sind grundsätzlich von Eugen überzeugt, wir sind zufrieden mit ihm, wir sehen, wie er arbeitet und wie er die Jungs vorbereitet.“ Und doch schien Gladbachs Polanski-Projekt zuletzt sukzessive in Gefahr zu geraten. Dabei würden sie so gerne mal wieder einen Trainer mit Borussen-DNA langfristig etablieren. Der im benachbarten Viersen aufgewachsene Polanski hat 14 Jahre lang für Gladbach gespielt, war drei Jahre Jugendtrainer und drei Jahre Coach der zweiten Mannschaft, ehe man ihm die Chance als Bundesligatrainer eröffnete. Doch die Bedingungen sind schwierig.
Neuester Gladbacher Hoffnungsträger ist das Eigengewächs Wael Mohya
Der Führungsspieler und Torjäger Tim Kleindienst fällt wegen Knieproblemen schon die ganze Saison aus. Ohne ihn bringt das Team offensiv keine Konstanz in seine Leistungen. Weniger als die derzeit 28 Tore wies eine Gladbacher Mannschaft nach 25 Spieltagen zuletzt in jener Saison 2006/07 auf, als sie letztmals abstieg. Hinzu kommt als Störfaktor, dass sich der Fanliebling Rocco Reitz nach Medienberichten mit RB Leipzig über einen Wechsel im Sommer einig sein soll. „Dass Rocco nächstes Jahr noch bei uns ist, ist sehr unwahrscheinlich“, sagte Schröder.
Das Spiel an diesem Freitag ist für die Borussia der Auftakt zu den Wochen der Wahrheit. Von ihren nächsten sechs Gegnern belegen fünf die untersten Plätze in der Tabelle: St. Pauli Rang 16, Köln Rang 14, Heidenheim Rang 18, Mainz Rang 15 und Wolfsburg Rang 17. Drei dieser fünf Partien bestreiten die Gladbacher zwar im heimischen Borussia-Park, aber das ist schon das nächste Problem: Mit nur drei Siegen in zwölf Heimspielen ist Gladbach eines der schwächsten Heimteams der Liga. Bei den jüngsten sechs Heimspielen war das Stadion nicht mal mehr ausverkauft. In Mönchengladbach zeichnet sich eine gewisse Ernüchterung ab.

Eine solche lässt sich in der Mannschaft bislang noch nicht feststellen. Gladbach steht bei gewonnenen Zweikämpfen im Ligavergleich auf Platz neun sogar gut da. Doch dazu das akuteste Problem: Reitz, mit dem Spitzenwert von 35,63 km/h zwölftschnellster Spieler der Liga und bei gewonnenen Zweikämpfen als bester Gladbacher auf Platz 13, ist nach einer roten Karte im Spiel beim FC Bayern für die Partie gegen St. Pauli gesperrt.
Neuester Gladbacher Hoffnungsträger als identitätsstiftender Reitz-Nachfolger ist das Eigengewächs Wael Mohya. Seit seinem Debüt im Dezember noch mit 16 ist der mittlerweile 17 Jahre alte Angreifer Gladbachs jüngster Bundesligaspieler jemals und seit seinem Tor beim 1:4 in München am vergangenen Freitag ist er auch jüngster Bundesliga-Torschütze der Vereinshistorie. Gegen St. Pauli ist der Deutsch-Marokkaner wieder Startelfkandidat. Und er ist komplett unvorbelastet: Als Borussia Mönchengladbach 1999 und 2007 aus der Bundesliga abstieg, war Wael Mohya noch gar nicht geboren.





















