Overtime-Krimi: Deutschland holt historischen Paralympics-Sieg | ABC-Z

Deutschland hat nach einem dramatischen Spiel gegen die Slowakei den ersten Eishockey-Sieg bei den Paralympics seit 20 Jahren gefeiert. Die Entscheidung fiel erst in der Overtime. Nun geht es für die deutsche Auswahl im erneuten Aufeinandertreffen mit Gastgeber Italien um Platz fünf.
In einer spannenden Partie siegte das deutsche Team nach vorübergehender 2:0-Führung, zwischenzeitlichem Rückstand und Verlängerung mit 4:3 (2:1, 0:2, 1:0, 1:0). Felix Schrader erzielte alle vier Tore und war der gefeierte Held.
Schrader: “Mehr Krimi kannst du nicht reinbringen”
“Es war ein geiles Spiel, wir haben hart gekämpft”, sagte der 29-Jährige nach dem historischen Erfolg. “Das Spiel um Platz fünf ist für mich fast gleichzusetzen mit einem Spiel um eine Medaille.” Dort trifft Deutschland am Samstag (16.05 Uhr) auf Italien.
Nach der 2:0-Führung habe Schrader gedacht, sein Team würde es sich leichter machen. “Wir wollten es aber anscheinend nochmal richtig spannend haben. Mehr Krimi kannst du bei einem Eishockey-Spiel eigentlich nicht mehr reinbringen.”
Deutschland legt gut los
Wie schon gegen Italien ging Deutschland gegen die Slowakei früh in Führung: In der zweiten Minute erzielte Schrader nach Vorlage von Sven Stumpe das 1:0. Team D spielte mit viel Aggressivität und Tempo, während die Slowakei kaum Ordnung ins eigene Spiel bekam. Die Führung war verdient. Und – anders als gegen Italien – legte die deutsche Mannschaft nach: Wie schon beim ersten Treffer kam Schrader über die linke Seite und traf mit seinem zweiten Tor zum 2:0 (9. Minute).
Wenig später meldete sich dann aber auch die Slowakei an: Ein Distanzschuss von Slavomir Ferencik wurde unhaltbar für Deutschlands Goalie Veit Mühlhans abgefälscht – 1:2 (13.). Damit ging es in die erste Drittelpause.
Team D wird überrumpelt
Der zweite Durchgang startete für die Mannschaft von Bundestrainer Peter Willman alles andere als gut. Team D verteidigte in der ersten Minute nach Wiederbeginn schwach und ließ Milos Vercerek zu viel Platz, sodass der slowakische Angreifer unbedrängt zum Ausgleich einschießen konnte (16.). Auch Torwart Mühlhans sah in der Szene nicht gut aus.
Der Schwung und die Dominanz aus der Anfangsphase des Spiels waren jetzt verschwunden. Die Slowakei drehte auf und wurde spätestens im Powerplay (22.) immer dominanter. Kurz vor der letzten Drittelpause fiel dann der verdiente Führungstreffer: Martin Joppa drehte das Spiel zugunsten seines Teams (29.). Deutschland wurde in dieser Phase von der Slowakei im eigenen Drittel eingeschnürt, hatte im zweiten Abschnitt insgesamt nur einen Torschuss.
Deutschland fehlen Ideen und Durchschlagskraft
Auch nach dem letzten Seitenwechsel behielten die Slowaken zunächst die Kontrolle über die Partie. Deutschland spielte weiterhin mit zu wenig Mut, leistete sich zu viele Zeitstrafen und bekam immer noch keine Torgelegenheiten. Die Mannschaft wirkte zunehmend ratlos, wie sie zurück ins Spiel zurückkommen sollte.
Schrader zum Dritten
Umso unerwarteter fiel der deutsche Ausgleich: Schrader traf mit seinem dritten Tor – diesmal von der rechten Seite – aus dem Nichts zum Ausgleich (42.). Deutschland war wieder da, wenn auch schmeichelhaft. Die zuvor verflachte Partie hätte plötzlich kaum spannender sein können – noch knapp vier Minuten waren auf der Uhr. In der Schlussphase ging es hin und her, ein weiterer Treffer fiel aber nicht. Es brauchte also eine Overtime für die Entscheidung.
Entscheidung in der Overtime – wieder durch Schrader
Nachdem die deutsche Mannschaft ein Powerplay überstanden hatte, blieb die Slowakei das bessere Team und war in der Verlängerung die klar überlegene Mannschaft. Doch das Siegtor erzielte Deutschland: Schrader führte sein Team nach einem Konter mit seinem vierten Treffer zum ersten Sieg bei den Paralympics seit 20 Jahren (52.).
“Wir sind super gut reingekommen”, bilanzierte Bundestrainer Peter Willmann nach der Partie. “Wir haben gleich Druck gemacht, haben den Slowaken den Schneid abgekauft. Dann sind wir etwas heruntergefallen. Und dann haben wir die Jungs vor der Verlängerung nochmal gepusht – und wir haben unsere Konter bekommen.”
Weiter geht das paralympische Turnier für Deutschland bereits am Samstag (16:05 Uhr im Sportschau-Livestream). Im Spiel um Platz fünf geht es zum Abschluss gegen Italien. Schon in der Gruppenphase war das deutsche Team auf den Gastgeber getroffen, in einer umkämpften Partie hatten sich die Italiener mit 2:1 durchgesetzt.
So funktioniert Para Eishockey
Sledge-Eishockey gehört zu den großen Attraktionen bei Winterspielen. Wichtigster Unterschied zum Stehend-Eishockey ist die Ausrüstung. Die Spieler bewegen sich auf Kufen-Schlitten fort und haben in jeder Hand kurze Schläger, an deren Enden Spikes zur Fortbewegung befestigt sind. Eine Team besteht aus fünf Spielern. Männer und Frauen spielen zusammen. Die Spielzeit beträgt 3×15 Minuten.





















