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Exzellenzuniversitäten in Deutschland behalten ihren Status – Wissen | ABC-Z

Der Termin sei ein Anlass zu „ausgelassener Freude“, erzählt Forschungsministerin Dorothee Bär (CSU) dem niedersächsischen Wissenschaftsminister Falko Mohrs (SPD), noch bevor die virtuelle Pressekonferenz zur Verkündung der Exzellenzuniversitäten beginnt.

Es kommt dann so, wie es sich für einen Freudenstermin gehört: Die neun evaluierten Universitäten und der Berliner Universitätsverbund dürfen ihren Exzellenzstatus behalten. Der Vorsitzende des deutschen Wissenschaftsrats, Wolfgang Wick, stellt sie vor: die RWTH Aachen, die Universitäten Bonn, Hamburg, Heidelberg, Tübingen, die LMU München, die TU München, die TU Dresden, das Karlsruher Institut für Technologie und der Berliner Universitätsverbund, zu dem auch die Charité gehört.

Die Exzellenzuniversitäten seien ein Hebel für Transformation, sagt Wick. „Nur strategisch priorisierte und institutionell gestützte Spitzenforschung ist nachhaltig und international konkurrenzfähig.“ Die Exzellenzstrategie besteht aus zwei Strängen: den Exzellenzclustern, also Verbundforschungsprojekten innerhalb einer Universität, die für sieben Jahre gefördert werden. Und den Exzellenzuniversitäten, die den Status dauerhaft erwerben können, sich aber seit Neuestem alle sieben Jahre einer Evaluierung unterziehen müssen.

Die ausgezeichneten Hochschulen müssen über mindestens zwei sogenannte Exzellenzcluster verfügen, um den Status einer Exzellenzuni zu halten, bei Verbünden sogar drei. Über die Cluster wurde bereits im Mai des vergangenen Jahres entschieden. An der Universität Konstanz, bislang ebenfalls als exzellent bewertet, gibt es seit Mai nur noch ein solches Cluster – sie erfüllt damit die Anforderungen für den Status einer Exzellenzuni nicht mehr. Insgesamt steht für die Exzellenzstrategie ein Budget von 687 Millionen Euro jährlich zur Verfügung. Im Herbst sollen bis zu fünf weitere Universitäten hinzukommen, der Bewerbungsprozess läuft.

Aber sind deutsche Universitäten international tatsächlich konkurrenzfähig? Schon lange gibt es Kritik an der Exzellenzstrategie, Mitglieder des Netzwerks Nachhaltige Wissenschaft stellten schon im November 2024 in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung die Frage, ob „ein Hochschulsystem, dessen Betriebsfähigkeit durch akute Finanzengpässe gefährdet ist, jährlich weit über eine halbe Milliarde Euro in einem Wettbewerb verfeuern“ solle. Zudem forderten sie mehr Transparenz bei der Vergabe. Der Professor Tilman Reitz sagte der ARD vor wenigen Tagen, das Geld reiche nicht „um Weltklasse-Universitäten hervorzubringen“.

Der Wissenschaftsrat kommt in seinem Strategiepapier zu Perspektiven der Wissenschaft bis 2040 zu einer anderen Einschätzung: Die Exzellenzstrategie ziele darauf ab, zu einer „größeren internationalen Sichtbarkeit forschender Einrichtungen in Deutschland beizutragen“. Die Maßnahmen zeigten Wirkung: Die Anzahl internationaler Wissenschaftler an Hochschulen sei zwischen 2018 und 2023 um 32 Prozent gestiegen. Bei der Anzahl der Veröffentlichungen liege Deutschland mit 132 000 Artikeln und Reviews auf Platz vier nach China, USA und Großbritannien.

Trotzdem sei die „internationale Positionierung des Wissenschaftsstandorts Deutschland zunehmend gefährdet“, heißt es im Papier, unter anderem hänge das mit hohem Bürokratieaufwand und Modernisierungsbedarfen zusammen.

Wissenschaftsministerin Bär: „Never waste a crisis“

Nun aber überwiegt das Lob: Die internationale Attraktivität des Standorts steige. Dass deutsche Universitäten in internationalen Rankings meist nicht auf den vorderen Plätzen auftauchen, findet Wick eher nachrangig. Es gehe um die Qualität der Studienbedingungen, die Forschungsmöglichkeiten, die Freizügigkeit und auch darum: Freiheit.

Vor allem in den USA ist die Wissenschaft unter Druck geraten, unter US-Präsident Donald Trump wurden Tausende Fördermittel gestrichen, Personal abgebaut, laut dem renommierten Fachmagazin Nature sollen rund 32 Milliarden Dollar eingespart werden.

Davon profitiert Deutschland, auch wenn es zum Beispiel die Summe an Forschungsgeldern nicht kompensieren kann. Aktuell zeigt das vor allem das 1000-Köpfe-Plus-Programm der Bundesregierung, das internationale Spitzenforscherinnen und Forscher nach Deutschland locken soll.

Katja Becker, Vorsitzende der Deutschen Forschungsgemeinschaft, sagt während der Pressekonferenz, die Exzellenzstrategie passe hervorragend zu dem neuen Förderprogramm für internationale Wissenschaftler: Von 57 „hochkarätigen Anträgen“ seien 32 von Exzellenzclustern gekommen. Knapp die Hälfte der Bewerberinnen und Bewerber forschten derzeit in den USA.

Freut das Forschungsministerin Bär – oder überwiegt die Sorge über den Wissenschaftsstandort USA? Der Standort Deutschland, sagt sie, profitiere von der Wissenschaftsfreiheit, die „grundgesetzlich garantiert“ sei. Das Programm zeige, dass Deutschland „wahnsinnig attraktiv“ sei. Dann sagt sie: „Never waste a crisis“, auf Deutsch: Lass keine Krise ungenutzt. Deutschland braucht die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Bärs Hoffnung: Dem Standort wird das Spitzenpersonal nutzen.

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