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“Zeit bleibt begrenzt”: Fast die Hälfte der Praxisärzte arbeitet in Teilzeit | ABC-Z

“Zeit bleibt begrenzt”Fast die Hälfte der Praxisärzte arbeitet in Teilzeit

12.03.2026, 08:35 Uhr

Voll arbeiten derzeit 98.447 Ärztinnen und Ärzte in Deutschland. (Foto: picture alliance/dpa)

Die Zahl der Praxisärzte in Deutschland nimmt zu. Doch die Kapazitäten für die Behandlung von Patienten steigen damit nicht automatisch. Denn bei den Medizinern setzt sich ein bestimmter Trend fort.

Die Zahl der Praxisärzte steigt, und im Schnitt sind sie mittlerweile sogar ein kleines bisschen jünger – doch die Behandlungskapazitäten für die Patienten bleiben oft angespannt und unterschiedlich je nach Region. Ende vergangenen Jahres waren 191.875 Ärzte und Psychotherapeuten mit Kassenzulassung in Deutschland tätig. Das waren 2324 mehr als Ende 2024, wie eine Auswertung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) ergab.

Zugleich verstärkt sich aber ein Trend zu Teilzeit und flexiblerem Arbeiten. Im Schnitt aller Fachgruppen nahm der Teilzeitanteil weiter auf 40 Prozent zu. Voll arbeiten nun 98.447 Ärzte, das sind zwölf Prozent weniger als vor zehn Jahren. Reduzierte Stundenzahlen haben dagegen 45.795, und das sind deutliche 135 Prozent mehr als 2015. Unter den Psychotherapeuten dominiert der Teilzeitanteil schon länger und wächst weiter.

“Die zur Verfügung stehende Arztzeit bleibt begrenzt”, sagte KBV-Chef Andreas Gassen. Viele junge Ärzte tendierten auch zu einer Anstellung statt zur eigenen Praxis. “Diese Entwicklung muss ernst genommen werden”, mahnte Gassen. Denn ohne die Praxen laufe in der Gesundheitsversorgung so gut wie nichts. Die Politik müsse daher für attraktive Bedingungen sorgen.

Deutliche regionale Unterschiede

Der Trend führt dazu, dass die Zahl der Mediziner stärker steigt als die Behandlungskapazität. Denn einen vollen Arztsitz zur Versorgung gesetzlich Versicherter können sich zum Beispiel auch zwei Ärzte teilen.

Beim Versorgungsangebot vor Ort gibt es weiterhin regionale Unterschiede. Am dichtesten ist das Netz in Heidelberg mit 434,7 Ärzten und Psychotherapeuten je 100.000 Einwohner, wie aus den Daten des Bundesarztregisters mit Stichtag 31. Dezember 2025 hervorgeht. Am wenigsten niedergelassene Mediziner in diesem Verhältnis gibt es mit 87,6 im Landkreis Coburg in Bayern. Auf Länderebene liegt Hamburg mit 315,1 an der Spitze, Schlusslicht ist Brandenburg mit 199,3 Ärzten und Psychotherapeuten je 100.000 Einwohner.

Zur Gesundheitsversorgung in den Regionen tragen die Praxen der Kassenärzte aber nicht alleine bei. Hinzu kommen Krankenhäuser oder Physiotherapeuten, Logopäden und andere Heilberufler. Oft nutzen Patienten aus ländlichen Gegenden Praxen in nahen Ballungsräumen. Und konkret kommt es auch darauf an, wie gut dann die Anbindung mit Bussen und Bahnen ist.

Ruhestandswelle im Westen

Das Durchschnittsalter bei den Ärzten ging nun leicht von 54,5 auf 54,4 Jahre zurück. Das sei aber kein entwarnendes Zeichen, heißt es bei der KBV. Denn zwar steigt die Zahl der Jüngeren unter 49 – aber eben auch der Älteren über 60. Und zusammen mit einem fortgesetzten Teilzeittrend bedeute das: In den kommenden 20 Jahren werden 25.000 in Vollzeit tätige Ärzte altersbedingt ausscheiden. Um diese Kapazität auf Teilzeitbasis zu ersetzen, bräuchte es dann also möglicherweise 50.000 Ärzte.

Auch die Zahl der Hausärzte stieg leicht um 343 auf 55.778 im Vergleich zu 2024. Angesichts des Teilzeittrends sei die Zahl der vollen Hausarztsitze aber um 0,1 Prozent gesunken, erläuterte die KBV. Rund 5000 Sitze sind ohnehin unbesetzt. Dabei sollen Hausarztpraxen nach Plänen von Gesundheitsministerin Nina Warken noch eine wichtigere Rolle als erste Anlaufstellen spielen und Patienten zu Terminen bei Fachärzten lotsen.

Vor allem im Westen der Republik zeichnen sich aber schon seit Längerem Ruhestandswellen ab. So sind im Landkreis Cochem-Zell in Rheinland-Pfalz 43,5 Prozent der Hausärzte über 65 Jahre alt und im ganzen Bundesland inzwischen 22,1 Prozent. Im Saarland sind 21,7 Prozent der Hausärzte Ü65 und in der Kassenärzteregion Westfalen-Lippe in NRW 19,7 Prozent. Dagegen sind in Mecklenburg-Vorpommern nur 9,3 Prozent der Hausärzte bereits über 65.

Zahl der Ärztinnen nimmt zu

Dort ist das Hausärztenetz im Ländervergleich auch am dichtesten – mit 76,8 Medizinern je 100.000 Einwohner. Es folgen Hamburg mit 73,4 Hausärzten in diesem Verhältnis und Berlin mit 72,1. Am wenigsten sind es in Westfalen-Lippe mit 60,7 Hausärzten je 100.000 Einwohner und in Baden-Württemberg mit 63,7.

Frauen sind in den Praxen weiter auf dem Vormarsch. Psychotherapeutinnen und Ärztinnen kommen nun zusammen auf 53,2 Prozent, nachdem sie 2022 die 50-Prozent-Marke überschritten hatten. Betrachtet man nur die Ärztinnen, stieg ihr Anteil jetzt weiter auf 47,4 Prozent. Dabei gilt: je jünger, desto weiblicher. Bis zur Schwelle von 49 Jahren haben Ärztinnen einen Anteil von 56 Prozent. Ab 50 sind die männlichen Kollegen dann nach wie vor in der Überzahl.

Regional betrachtet ist der Anteil der Ärztinnen und Psychotherapeutinnen in den östlichen Bundesländern höher, nämlich überall über 55 Prozent. Über der Schwelle von 60 Prozent liegt Berlin – mit einem Frauenanteil von 60,2 Prozent.

Quelle: ntv.de, lme/dpa

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