Alfred Schreuder bei der Nationalmannschaft: Ex-Hoffenheim trainiert Deutschland – Sport | ABC-Z

Es war eine verheißungsvolle Zeit bei der TSG Hoffenheim. Ein Kader voller Talente erreichte erstmals in der Geschichte des Dorfklubs die Champions League, der Fußball sah innovativ aus. Und der Mann, der sich den Fußball ausdachte, galt als das größte Talent von allen, nachdem er mit nicht mal 30 Jahren zum ersten Mal in seiner Karriere Bundesliga-Trainer geworden war.
Knapp zehn Jahre ist es her, dass Julian Nagelsmann, heute 38, aus Hoffenheims Jugendabteilung befördert wurde und seine Laufbahn im Profifußball begann. In dieser Woche ist diese Episode für den deutschen Fußball etwas relevanter geworden, als sie es ohnehin schon war. Seit der Deutsche Fußball-Bund (DFB) bekanntgab, dass fortan der Niederländer Alfred Schreuder als weiterer Assistent zu Nagelsmanns Trainerstab gehören wird, sind insgesamt vier damalige Hoffenheimer in der sportlichen Leitung der Nationalmannschaft tätig: Nagelsmanns Assistent Benjamin Hübner war ein Hoffenheimer Innenverteidiger, Benjamin Glück schon damals der Videoanalyst, Schreuder der Co-Trainer.
:Das Gegenteil von Kompany
Baumann im Tor, Kimmich hinten rechts und Goretzka im Zentrum: Drei Monate vor der WM trifft Bundestrainer Julian Nagelsmann ein paar öffentliche Festlegungen. Am Ende wird daraus eine kuriose Einzel- und Generalkritik seines Kaders.
Bereits bei den Länderspielen gegen die Schweiz am 27. März in Basel und gegen Ghana am 30. März in Stuttgart wird Schreuder dabei sein und auch bei der Weltmeisterschaft das Trainerteam ergänzen. Solange wird der 53-Jährige neben seinem Job als Cheftrainer des saudi-arabischen Zweitligisten Al-Diraiyah FC parallel für den DFB arbeiten und seine gemeinsame Geschichte mit Nagelsmann fortschreiben. „Ich schätze Alfred als Trainer und Menschen sehr. Er ist mit seiner Erfahrung ein enormer Gewinn für unser Team mit Blick auf die anstehende Weltmeisterschaft“, sagte Nagelsmann laut einer Mitteilung des Verbandes. Er habe mit Nagelsmann „sehr vertrauensvoll und erfolgreich in Hoffenheim zusammengearbeitet“, sagte Schreuder: „Er hat mich damals als junger Trainer mit seinem Mut, seinem Ehrgeiz und seinem Fachwissen begeistert. Auch nach dieser Zeit sind wir immer in gutem Kontakt geblieben.“
Warum eine Vergrößerung des Trainerstabs notwendig erschien, hat Nagelsmann in der Mitteilung auch erklärt. Es hat mit einem Trend zu tun, der den Fußball gerade über alle Ligen hinweg prägt: Exakt nach vorgegebener Choreografie vorgetragene Standardsituationen, insbesondere Eckbälle, werden immer wichtiger. „Wir haben uns für ihn (Schreuder, Anm. d. Red.) als zusätzlichen Experten entschieden, damit sich Mads Buttgereit im Training voll auf die Standardsituationen konzentrieren kann. Wir erwarten, dass Standards bei dieser WM eine noch größere Bedeutung zukommen wird. Deshalb wollen wir den Fokus im Training und in der Vorbereitung auch verstärkt auf diese legen“, sagte Nagelsmann. Der Däne Buttgereit, 40, ist der einzige Assistenztrainer der Nationalelf ohne Hoffenheimer Vergangenheit.
Zu seiner Hoffenheimer Zeit galt Schreuder als Trainer mit manch eigenwilliger Idee
Schreuder war bei der TSG nicht nur Nagelsmanns Mitarbeiter, er war auch dessen Nachfolger. Als Nagelsmann 2019 zu RB Leipzig wechselte, wurde Schreuder Hoffenheims Chefcoach. Er blieb zwar nur eine Saison, „Differenzen bei der Zukunftsplanung“ lautete die offizielle Begründung. Ein im Vergleich zu den Vorjahren unter Nagelsmann bisweilen unspektakulärer Fußball tat wohl sein Übriges. Aber einen gewissen Eindruck hinterließ Schreuder trotzdem, wie auch seine Folgestationen belegten: Er wurde zunächst Co-Trainer von Ronald Koeman beim FC Barcelona und dann Cheftrainer bei Club Brügge, wo er die belgische Meisterschaft gewann und nach einem halben Jahr zu Ajax Amsterdam weiterzog. Bei Ajax, wo er schon Assistent unter Erik ten Hag gewesen war, blieb er wiederum nur ein halbes Jahr. Seit Sommer 2023 trainierte er verschiedene Klubs im Mittleren Osten.
Zu seiner Hoffenheimer Zeit galt Schreuder als Trainer mit manch eigenwilliger Idee, so machte er etwa den Rechtsaußen Robert Skov zum offensiven Linksverteidiger. „Ich denke, wir sind uns in vielen Dingen sehr ähnlich, gerade auch was die Siegermentalität angeht. Aber vielleicht wäre ich ab und an gern ein bisschen mehr ein Hardliner“, hat Nagelsmann mal in einem Interview mit dem Mannheimer Morgen über Schreuder gesagt, bevor beide als Bundesligatrainer aufeinandertrafen: „Als Co-Trainer hat er zum Beispiel mal Niki Süle vor versammelter Mannschaft zusammengefaltet, dass es gekracht hat. Da ist er schon etwas anders als ich.“
Ob das Zusammenfalten von Nationalspielern künftig zu Schreuders Aufgabenbereich zählen wird, darüber stand nichts in der Pressemitteilung des DFB. Was seine Rolle angeht, könnte dagegen ein anderes altes Zitat Hinweise liefern. Nagelsmann hat den Niederländer mal als einen Assistenten bezeichnet, der „sehr loyal war, bedingungslos meine Idee gut fand und immer versucht hat, diese mit- und weiterzuentwickeln“.





















