“Politisch nicht vertretbar” – Para-Langläuferin Kazmeier mit Russland-Protest | ABC-Z

Die deutschen Langläufer Linn Kazmaier und Florian Baumann haben nach ihrem Silbermedaillen-Gewinn bei den Paralympics gegen die Wiederzulassung russischer Athleten unter eigener Flagge protestiert. Gleichzeitig nahmen sie die russischen Sportler mit bemerkenswert reflektierten Worten in Schutz.
Die deutsche Langläuferin Linn Kazmaier hat bei den Paralympics gemeinsam mit ihrem Guide Florian Baumann gegen die Wiederzulassung Russlands unter eigener Flagge protestiert. Kazmaier hatte im Sprintrennen Silber gewonnen, die Goldmedaille ging an die Russin Anastasiia Bagiian.
Mütze bei der Hymne, Selfie verweigert
Als während der Siegerehrung die russische Hymne gespielt wurde, drehte sich das deutsche Duo leicht zur Seite und behielt seine Winter-Mützen auf. Üblicherweise setzen die Sportler und Sportlerinnen die Kopfbedeckungen während der Hymne ab. Beim Siegerfoto ließen Kazmaier und Baumann zudem demonstrativ Abstand zum russischen Duo. Ein abschließendes Siegerselfie verweigerten die beiden Deutschen.
“Die Siegerehrung hat sich total komisch angefühlt”, sagte Kazmaier gegenüber der ARD. “Menschlich gönnt man es den Personen total. Ich kenne die Leute nicht, ich weiß nicht: Vielleicht unterstützen sie das System in Russland genauso wenig. Vielleicht sind es total nette Menschen, mit denen wir eigentlich befreundet sein könnten. Dass das Politische das so überschattet, ist einfach total schade. Es ist einfach politisch nicht vertretbar. Es fühlt sich komisch und falsch an.”
“Wollten uns mit Ukrainern solidarisieren”
Noch deutlichere Worte fand Guide Florian Baumann am ZDF-Mikrofon: “Wir haben vor vier Jahren in Peking mit den Ukrainern einen super Austausch gehabt. Wir wollten uns mit ihnen solidarisieren”, so Kazmaiers Guide. “Es geht uns nicht um die russischen Sportler. Für viele von ihnen ist es gerade auch schwierig”, sagte Baumann weiter.
“Aber die Entscheidung vom IPC, dass Russland hier unter eigener Flagge, mit eigener Hymne und mit voller Kapelle antreten kann, während die Ukrainer auch hier sind, finde ich einfach nicht richtig.” Er habe sich deshalb mit Kazmaier dazu entschieden “ein paar Kleinigkeiten” nicht mitzumachen.
“Wir haben uns überlegt, die Mütze anzulassen und uns nicht zu den Fahnen zu drehen, weil wir das nicht unterstützen. Politisch kann man da einfach nicht mitgehen”, ergänzte Kazmaier.
Seit Tagen sportpolitische Diskussionen
Im Rahmen der Paralympics gibt es seit Tagen Diskussionen um die Wiederzulassung russischer und belarussischer Athleten unter eigener Flagge. So hatten sich zum Beispiel etliche Nationen mit der unter dem russischen Angriffskrieg leidenden Ukraine solidarisiert und die Eröffnungsfeier der Spiele boykottiert. Auch die deutsche Delegation war der Zeremonie in Verona ferngeblieben.




















