150 Jahre nach der Erfindung haben Kinder eine Phobie gegen das Telefon | ABC-Z

Wo überall haben Telefone nichts zu suchen? Oder wenigstens zu schweigen? Außer im Konzert, im Theater, in der Oper? Der Pfarrer kann das Komische an der Situation herrlich schildern, als er in der Sonntagspredigt die Anekdote zum Besten gibt, wie das Smartphone einer älteren Dame einmal mitten im Gottesdienst lautstark klingelte. Und sie in aller Seelenruhe abnahm mit dem in der Stille bestens vernehmlichen Satz: „Ich bin in der Kirche.“
In der Variante „Ich bin jetzt im Zug“ hat man ihn schon tausendmal gehört, meist im sogenannten Ruhewagen. Und der Befund des Pfarrers stimmt auch hier: Es sind heutzutage meist eher Ältere, die zur Unzeit ihr Handy klingeln lassen. Weil es auf laut gestellt ist, um überhaupt gehört zu werden. Und weil, muss man anfügen, die Jüngeren und Allerjüngsten gar nicht mehr telefonieren.
In der weit gespannten Mitte des Lebens hingegen hält man das Smartphone ausreichend weit von sich weg, damit auch Mitwartende, Mitreisende oder Arbeitskollegen die lautstarke Videotelefonie in ihrer ganzen nervtötenden Belanglosigkeit miterleben können.
Und die Jüngsten haben Telefonphobie. Sie können – oder wollen – nicht mehr mit Menschen durch ein Endgerät sprechen. Sie diktieren mit dem Handtelefon Sprachnachrichten oder tauschen getippte Nachrichten aus, deren Verballhornung durch sogenannte Sprachassistenten dazu führt, dass die nachmittägliche Verabredung zweier Schulkameraden nicht unter einem Gigabyte digitalen Hin und Hers getroffen werden kann, nur um ein einziges fernmündliches Gespräch zu vermeiden.
Ach, wie weit sind wir gekommen mit der wunderbaren Erfindung, die mit dem Satz anhob: „Mr. Watson, come here. I want to see you.“ Angeblich hatte sich der Erfinder des Telefons, Alexander Graham Bell, die Schwefelsäure, die er zur Erzeugung des Widerstands im verbindenden Draht des Apparats brauchte, über die Kleidung geschüttet.
Ein Missgeschick also stand am Anfang der Erfolgsgeschichte, viele weitere, zahlreiche Streitigkeiten sowie allerhand krumme Wege folgten. Und noch immer ist das Telefon nicht aus unserem Alltag wegzudenken, auch nicht als Übermittler fernmündlicher Nachrichten.
Und während englischsprachige Personen darauf hinweisen, der Nachname Bell, also Glocke oder Klingel, sei so etwas wie schicksalhaft in diesem erfinderischen Zusammenhang, müssen Hessen natürlich darauf bestehen, dass der wahre Pionier in Gelnhausen geboren wurde und seinen Prototyp des Fernsprechers schon am 26. Oktober 1861 dem Physikalischen Verein in Frankfurt vorgestellt hatte. Es war ein Apparat von Johann Philipp Reis, der Bell anspornte. Und am 10. März 1876, vor 150 Jahren, fiel der erste Satz.





















