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Fünf iranische Fußballerinnen erhalten in Australien Asyl | ABC-Z

Stand: 10.03.2026 • 08:41 Uhr

Fünf Mitglieder der iranischen Frauenfußball-Nationalmannschaft haben in Australien Asyl erhalten. Sie hatten sich nach dem Aus bei der Asienmeisterschaft aus Angst vor Repressalien von ihrem Team abgesetzt. Die restlichen Spielerinnen kehrten offenbar in ihre Heimat zurück.

Australiens Innenminister Tony Burke berichtete, die fünf Spielerinnen hätten in den frühen Morgenstunden an einem geheim gehaltenen Ort in Brisbane mit dem beliebten australischen Schlachtruf “Aussie, Aussie, Aussie” gefeiert, nachdem ihnen die Entscheidung der Regierung mitgeteilt worden war. Auf einem Foto waren die Frauen ohne Kopftuch an Burkes Seite zu sehen.

Australiens Innenminister Tony Burke und die fünf iranischen Fußballerinnen

Die Spielerinnen hatten während des Asien Cup in Australien Schutz gesucht und unter Polizeischutz das Teamhotel verlassen, nachdem sie im Iran wegen ihres stillen Protests in die Kritik geraten waren. Beim ersten Gruppenspiel des Turniers hatten sie beim Abspielen ihrer Nationalhymne geschwiegen. Dies wurde in ihrer Heimat als Zeichen gegen die iranischen Machthaber gewertet.

Zuletzt war von zahlreichen Organisationen und zivilgesellschaftlichen Gruppen die Sorge zum Ausdruck gebracht worden, die Spielerinnen könnten bei einer Rückkehr in ihr Heimatland von Hardlinern verfolgt werden.

Unterstützung der australischen Regierung

Burke sagte, die Regierung habe zunächst bewusst nicht öffentlich über ihre Hilfsbemühungen gesprochen, um die Sicherheit der Spielerinnen nicht zu gefährden. “Diese Frauen sind großartige Sportlerinnen und großartige Menschen – sie werden sich in Australien sehr zu Hause fühlen”, sagte er. “Australien hat die iranische Frauenfußballmannschaft in seine Herzen geschlossen.”

Ministerpräsident Anthony Albanese erklärte, viele Australier seien vom Schicksal der Spielerinnen bewegt gewesen. “Sie sind hier sicher und sollen sich willkommen fühlen”, betonte er vor Journalisten. Auch weitere Teammitglieder ermutigte er, Asyl zu beantragen, falls sie das wollten – “wohl wissend, dass es sich um eine sehr heikle Situation handelt und die Entscheidung bei ihnen liegt.”

Der Rest des Teams verließ am Nachmittag (Ortszeit) aber das Hotel in Richtung Flughafen. Beobachter sprachen von “emotionalen Szenen”. In einem von Medien veröffentlichten Video war zu sehen, wie eine Spielerin von einer Teamkollegin offenbar in den Bus gezerrt wurde. Am Airport der Stadt Gold Coast hätten dann Demonstranten versucht, den Bus aus Sorge um die Frauen zu blockieren, berichtete die Nachrichtenagentur AAP.

Trump hatte Lösung angekündigt

Zuvor hatte sich bereits US-Präsident Donald Trump für die fünf Spielerinnen eingesetzt und eine bevorstehende Lösung angekündigt. “Ich habe gerade mit dem australischen Premierminister Anthony Albanese über die iranische Frauenfußballnationalmannschaft gesprochen. Er kümmert sich darum!“, schrieb Trump auf seiner Plattform “Truth Social”.

Markige Worte nach Australien

Der US-Präsident hatte mit gewohnt markigen Worten Asyl für Irans Fußballerinnen gefordert – und im Falle einer Ablehnung in Australien Hilfe durch die USA zugesagt. “Australien begeht einen schweren humanitären Fehler, indem es zulässt, dass die iranische Frauenfußball-Nationalmannschaft in den Iran zurückgeschickt wird, wo sie höchstwahrscheinlich getötet werden. Tun Sie das nicht, Herr Premierminister! Gewähren Sie ASYL! Die USA werden sie aufnehmen, wenn Sie es nicht tun“, schrieb Trump.

Die USA und Israel befinden sich seit Tagen in einer kriegerischen Auseinandersetzung mit dem Iran.

In Australien geht es um Startplätze für die Frauen-WM 2027

Beim AFC Women’s Asian Cup, so die offizielle Bezeichnung, werden sechs direkte Startplätze für die Frauen-WM 2027 in Brasilien ausgespielt. Die Halbfinalisten sind direkt für die Endrunde qualifiziert, die Verlierer der Viertelfinals tragen Entscheidungsspiele aus. Das iranische Team war sportlich erwartungsgemäß überfordert, da nur wenigen Frauen und Mädchen ermöglicht wird, in ihrer Heimat Fußball zu spielen.

Das Turnier begann mit einer Niederlage gegen Südkorea (0:3), die bei der WM 2023 in Australien im letzten Gruppenspiel durch ein 1:1 für das Aus der deutschen Fußballerinnen gesorgt hatten. Es folgten weitere Niederlagen gegen Australien (0:4) und Philippinen (0:2). Für die iranischen Spielerinnen galt die Partie gegen den Gastgeber und WM-Vierten Australien vor 22.398 Zuschauern im Gold Coast Stadium als besonderes Erlebnis.

Dann rückte die Flucht der fünf Fußballerinnen in den Fokus und entzweite die iranische Delegation. Die iranische Trainerin Marziyeh Jafari hatte laut der australischen Nachrichtenagentur “AAP” gesagt: “Ich möchte bei meinem Land und den Iranern in meiner Heimat sein. Wir sehnen uns nach der Rückkehr.”

Erinnerungen an die WM der Männer im Jahr 2022

Die Szenen in Australien erinnerten an das Verhalten der iranischen Männer-Nationalmannschaft während der WM 2022 in Katar. Auch da blieb das Team vor dem ersten Spiel stumm und sang die Nationalhymne vor der zweiten Partie wieder mit – mutmaßlich auch auf Druck des Verbands.

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