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Kommentar zum SPD-Bürgermeisterkandidaten in Wolfratshausen – Bad Tölz-Wolfratshausen | ABC-Z

Auf den ersten Blick wirkt das Ergebnis der ersten Runde der Wolfratshauser Bürgermeisterwahl unspektakulär – ganz nach dem Motto: „Alles wie beim letzten Mal“. In der Stichwahl treffen Amtsinhaber Klaus Heilinglechner (Bürgervereinigung Wolfratshausen) und sein Stellvertreter Günther Eibl (CSU) erneut – wie bereits 2020 – aufeinander.

Hinter diesem scheinbar gewohnten Ergebnis verbirgt sich jedoch ein Debakel für die städtische SPD. Ihr Kandidat Renato Wittstadt, 69, pensionierter Betriebsprüfer, erhielt stadtweit nur 3,5 Prozent der Stimmen – ein erbärmliches Resultat für eine Partei, die vor zwölf Jahren mit Fritz Meixner noch 34,5 Prozent erreicht hatte.

Sinnbildlich für den Absturz: Wittstadt verfolgte das Wahlergebnis allein von der Besuchertribüne im Rathaus, rechts neben ihm der frühere SPD‑Bürgermeister Reiner Berchtold mit seiner Frau und Stadträtin Gerlinde Berchtold.

Ins Abseits hatte sich Wittstadt auch früh im Kommunalwahlkampf gestellt. Bei einer Podiumsdiskussion aller Kandidaten in der Loisachhalle im November 2025 hatte Wittstadt die AfD zwar als sehr problematische Partei bezeichnet. Auf Nachfrage aus dem Publikum, wie er denn mit möglichen AfD-Stadträten im Gremium umgehen werde, entgegnete er, erst mit jedem Einzelnen sprechen zu wollen, ehe er sich ein Urteil bilde. Eine unglaubliche politische Naivität, die seinen Wahlkampf überschattete.

Unbestritten ist, dass sich Wittstadt als ehemaliger SPD‑Ortsvorsitzender und Stadtrat (2002 bis 2014) um Wolfratshausen verdient gemacht hat. Doch die SPD muss sich die Frage stellen, ob es klug war, einen Polit-Pensionär als Symbol des Aufbruchs zu küren. Nach zwölf Jahren Pause und einer selbst eingestandenen Außenseiterrolle war kaum Aufbruchstimmung zu entfachen.

Den Wolfratshauser Sozialdemokraten steht nun eine schonungslose Analyse bevor – wollen sie bei künftigen Bürgermeisterwahlen nicht zur bedeutungslosen Splitterpartei verkommen.

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