Generalstreik „Genug – Ein Tag ohne Frauen“ – Das sind die Aktionen und Hintergründe | ABC-Z

Verschiedene Aktivistinnen rufen für Montag, den 9. März, zu einem Generalstreik der Frauen in Berlin und anderen Orten rund um den Globus auf. Die Aktion ist als Erweiterung der Demos und Events am Internationalen Frauentag, am Sonntag, 8. März 2026, gedacht.
Der Weltfrauentag sei eine „ungeheuer wichtige Errungenschaft, die aber einen Relaunch und eine Verstärkung durch einen Streik gut brauchen kann“, sagt Adrienne Goehler. Die ehemalige Berliner Wissenschaftssenatorin und Publizistin gehört zu den Köpfen hinter dem Generalstreik am Montag. Wie sie der Morgenpost sagte, tragen mittlerweile rund 1200 Multiplikatorinnen zur Aktion bei, darunter 80 Regionalgruppen und 70 Organisationen, allen voran das Töchter-Kollektiv und die Berliner Initiative „Enough!“
„Am Feiertag hätte der Streik keinen Sinn gemacht“
Unsere Podcasterin Bascha Mika hat in ihrem Podcast „Mikas Matrix“ bereits mit Adrienne Goehler gesprochen. Goehler wurde inspiriert vom historischen Frauenstreik in Island vor über 50 Jahren. Die Initiative „Enough!“ sei im März 2025 bei einem „taz“-Panel übers Patriarchat geboren worden. Viele Frauen demonstrierten seit Jahren, ohne dass es jemanden interessiert.
Daher brauche es jetzt ein schärferes Instrument. „Es muss jetzt wehtun“, sagte Goehler. Am sonntäglichen Frauentag, der ohnehin ein Feiertag sei, hätte der Streik keinen Sinn gemacht. Am Montag sollen die Frauen zeigen, dass sie nicht zur Verfügung stehen – „weder fürs Schulbroteschmieren, noch fürs Kaffeekochen oder etwas anderes“.
Einer der Köpfe hinter dem Frauen-Generalstreik: die Ex-Senatorin und Publizistin Adrienne Goehler (Archiv-Bild 2008).
© BM | action press/Horst Galuschka
Der Generalstreik der Frauen soll vor allem auf geschlechtsspezifische Gewalt, Arbeit im Niedriglohnsektor, unbezahlte Care-Arbeit und mangelnde Teilhabe an gesellschaftlichen Prozessen für Frauen aufmerksam machen. „Die bedrohlichen Zeiten brauchen ein schärferes Instrument als Petitionen und geduldige Demonstrationen. Deshalb legen wir die bezahlte und unbezahlte Arbeit nieder und rufen auf zu vielfältigen Protestformen und Aktionen. Jede nach ihren Möglichkeiten“, heißt es auf dem Instagram-Account der Initiative „Enough!“.
Frauen-Generalstreiks in der Geschichte
Der Kinofilm „Die göttliche Ordnung“, der von Alice Weidels Lebenspartnerin Sarah Bossard produziert wurde, zeigt, wie Frauen 1971 in einem Dorf in der Schweiz durch einen Generalstreik im Haushalt ihr Wahlrecht durchsetzen. Die Schweiz war eines der letzten Länder, die Frauen ein Stimmrecht bei Wahlen erlaubten. Der Kampf um Gleichberechtigung geht bis heute weiter: Bis 1985 durften verheiratete Schweizerinnen in vielen Fällen nur mit der Erlaubnis ihres Ehemannes arbeiten. Weitere Generalstreiks der Frauen, an denen Hunderttausende teilnahmen, fanden 1991, 2011, 2019 und 2021 statt.
Schon öfter haben Frauen mit einem Generalstreik um ihre Rechte gekämpft. In Österreich führte der sogenannte Streik der 700 von 1893 in einer Wiener Textilfabrik nach drei Wochen zum Erfolg: Die Forderungen der Streikenden nach einem arbeitsfreien 1. Mai, einer Reduzierung der täglichen Arbeitszeit von 13 auf 10 Stunden und einer besseren Bezahlung wurden erfüllt.
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Am 26. August 1970 beteiligten sich etwa 50.000 Frauen in den USA am „Women’s Strike for Equality“. Ziele waren unter anderem ein Recht auf Abtreibung, Chancengleichheit in der Arbeit und kostenlose Kinderbetreuung. Der Streiktag fand in New York und anderen Landesteilen statt und wurde von der feministischen National Organization for Women unterstützt.
Vielleicht einer der größten Frauenstreiks ereignete sich am 24. Oktober 1975 in Island. Über 300.000 Frauen legten anlässlich des Internationalen Jahres der Frau ihre Arbeit für einen Tag nieder und nahmen sich einen „freien Tag“. Sie weigerten sich auch, zu putzen, zu kochen oder sich um die Kinder zu kümmern. Der Tag und die Aktion wurden im amerikanisch-isländischen Dokumentarfilm „Ein Tag ohne Frauen“ der Regisseurin Pamela Hogan verarbeitet.
Frauen-Generalstreik: Aktionen in Berlin-Mitte
Insgesamt gibt es laut Goehler rund 30 Gruppierungen aus Berlin, die am Montag Aktionen zu „Enough!“ beitragen. In Mitte sind die größten Aktionen geplant: Am Brandenburger Tor versammeln sich von 10 bis 18 Uhr Frauen, die dort „sitzen, liegen, tanzen, schreien und picknicken“ wollen. In der Akademie der Künste am Rande des Pariser Platzes werden Workshops zum Thema angeboten. Unter dem Motto „Das rote Schreien“ trifft sich ein Flashmob am Montag an der Weltzeituhr auf dem Alexanderplatz zwischen 10 und 12 Uhr. „Wovon hast du genug?“ ist die Frage, zu der Frauen dort ihre Antworten herausschreien können.
Weitere Informationen über die „Enough!“-Veranstaltungen in Berlin, deutschlandweit und auf der ganzen Welt gibt es auf der Website der Initiative.





















