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Deutschland in der WM-Qualifikation: Auch Norwegen ist chancenlos – Sport | ABC-Z

Als dieses Spiel eigentlich schon vorbei war, wirkte es kurz, als könnte der Abend noch eine unschöne Wendung nehmen. Norwegens Elisabeth Terland rannte auf das Tor des deutschen Nationalteams zu, die Frankfurter Verteidigerin Jella Veit ihr hinterher – und dann prallten die beiden Fußballerinnen mit Keeperin Ann-Katrin Berger zusammen. Der Ball flog weiter aufs leere Tor, immerhin konnte Sarai Linder auf der Linie abblocken. Aber Berger blieb mit schmerzverzerrtem Gesicht liegen. In so vielen Situationen hatte sie sich schon entschieden in den Weg gestellt, immer wieder war sie behandelt worden. Diesmal sah es ernst aus, das rechte Fußgelenk hatte es erwischt. Aber diese letzten paar Sekunden auf der Uhr spiegelten den Gesamteindruck der Partie nicht wider.

Einen Eckball musste Berger noch abwehren, wenig später lief sie über den Platz zum Mikrofon des ZDF. „Wir haben zu Null gespielt, da muss es einem immer gut gehen“, sagte die 35-Jährige auf die Schlussszene und überhaupt diverse Rempler angesprochen: „Das gehört auch zu meinem Spielstil dazu, weil ich leider recht weit vorn mit dem Fuß stehe. Aber grundsätzlich sieht die Null ganz schön aus.“ An diesem 4:0 gegen Norwegen in der Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2027 hatte Berger entscheidenden Anteil, aber es war auch ein Spiel, das für die Offensive der DFB-Frauen sprach.

Vier verschiedene Schützinnen, die auf unterschiedliche Weise trafen und das zudem höchst effizient – das war ganz nach dem Geschmack von Bundestrainer Christian Wück, der angesichts des Spielverlaufs noch dazu rege wechselte und somit alle Feldspielerinnen in dieser Länderspielphase eingesetzt hat. Das Ergebnis: mit 9:0 Toren deutlich Gruppenerster, gelungener Start in dieses Länderspieljahr, das fortgesetzt wird am 14. und 18. April, jeweils gegen Österreich.

Dass im Viking-Stadion auf Kunstrasen gespielt wird, hatte die ein oder anderen Bedenken hervorgerufen

Wie auch beim 5:0 gegen Slowenien zum Auftakt in die WM-Qualifikation vor vier Tagen in Dresden passte Wück seine Startaufstellung an. Statt Shekiera Martinez setzte er im Sturm wieder auf Nicole Anyomi, Linda Dallmann saß nun auf der Bank, für sie rückte Jule Brand auf die Zehn und Carlotta Wamser auf den rechten Flügel. In die Viererkette kehrte Janina Minge zurück, für die Vize-Kapitänin musste Camilla Küver weichen.

Wück erwartete den Gruppengegner, „der uns am meisten fordern wird“. In jedem Fall stellten die Norwegerinnen ein ganz anderes Kaliber an fußballerischer Wucht und Erfahrung dar als die Sloweninnen, die abgesehen von einer kurzen Phase überfordert waren mit den Angriffen der DFB-Frauen. Allein schon die norwegische Offensive mit Caroline Graham Hansen vom FC Barcelona, Signe Gaupset von Tottenham Hotspur und Ada Hegerberg, Weltfußballerin von 2018, angestellt bei Champions-League-Rekordsieger Olympique Lyon, strahlt große Gefahr aus. Der Bundestrainer warnte, sein Team müsse „vor allem auf das Umschaltverhalten der Norwegerinnen aufpassen“. Es lief dann aber trotz seiner personellen Veränderungen vielmehr umgekehrt: Die Gastgeberinnen mussten sich umschauen.

Korn im Auge, Schmerzen im Fuß, Schlag an den Hals: DFB-Torhüterin Ann-Katrin Berger musste gegen Norwegen mehrmals behandelt werden.
Korn im Auge, Schmerzen im Fuß, Schlag an den Hals: DFB-Torhüterin Ann-Katrin Berger musste gegen Norwegen mehrmals behandelt werden. Marius Nordnes/Nordnes Foto/Getty Images

In der siebten Minute hätte die bereits gegen Slowenien herausstechende Vivien Endemann die Führung erzielen können. Ihr Schuss an den rechten Außenpfosten wirkte wie eine Art Infoschreiben vor einer WG-Party, auf was für einen Samstagabend sich die Norwegerinnen einstellen konnten. Die Botschaft: „Liebe Nachbarn, heute wird es eventuell noch ein paar Mal laut!“ Die Szene lieferte auch eine Bewerbung an die Adresse des Bundestrainers, denn das Zusammenspiel von Vorlagengeberin Anyomi und Endemann sollte in weiteren Momenten funktionieren. Zunächst aber war es Elisa Senß, die nur zu gerne aus dem Zentrum Richtung Strafraum aufbricht, und den Ball diesmal in der 18. Minute in die Torecke drosch.

Damit verflog fürs Erste ein wenig der Anspannung. Dass im Viking-Stadion von Stavanger auf Kunstrasen gespielt wird, hatte die ein oder anderen Bedenken bei den Deutschen hervorgerufen. Aber von Problemen war dann bis auf bei DFB-Keeperin Berger, der bei einer Aktion offenbar Granulat-Partikel ins Auge geraten waren, unmittelbar nichts zu merken. Nur wirkten die Norwegerinnen von dem Rückstand wachgerüttelt. Nach einer guten halben Stunde verlor Außenverteidigerin Giulia Gwinn einen Zweikampf gegen Gaupset – und schon hatte Berger etwas zu tun. Beinahe wäre der abprallende Ball von Hegerberg genutzt worden, Berger kam mit dem Fuß ran. Und hätte Gaupset bei ihrem nächsten Versuch wenig später nicht ganz so zentral abgeschlossen, hätte sie für Norwegen wohl ausgeglichen.

DFB-Torhüterin Berger kann an ihre starken Reflexe erinnern, die sie zur herausragenden Fußballerin bei der EM gemacht haben

Die Effizienz war das große Manko der vergangenen Monate beim deutschen Nationalteam gewesen, der Bundestrainer hatte die Abschlussschwäche auch als zu beackerndes Thema für dieses Jahr angekündigt. Aber dass die Chancen genauso genutzt werden können, daran erinnerten dann zwei Vertreterinnen der jüngeren Generation. Endemann bewies ein gutes Auge, Wamser schnelle Beine und Abgezocktheit: Den Pass von Endemann lenkte die 22-Jährige clever ins kurze Eck an Torhüterin Cecilie Fiskerstrand vorbei (45.+1). Das hätte für ein gutes Gefühl beim Gang in die Kabine schon gereicht, aber vor dem Pausenpfiff leitete Anyomi den Ball noch zu Endemann weiter, die war abermals zu schnell und zu geschickt, als dass ihr jemand das 3:0 (45.+3) hätte verwehren können.

Es waren die Norwegerinnen, die mit ihren Chancen fahrlässig umgingen – oft aber auch entschieden von der deutschen Defensive gestört wurden oder an Berger scheiterten. Gegen Slowenien hatte sie einen ruhigen Abend erlebt, nun konnte Berger mit Paraden wieder an ihre starken Reflexe erinnern, die sie zur herausragenden Fußballerin bei der EM im Sommer gemacht hatten. Und auch die Kunst der Spieleröffnung bot sie dar, in der 57. Minute gar in einer idealen Reihenfolge: Erst blockte Berger einen Schuss aus kurzer Distanz und reagierte dann fix, indem sie den Ball mit ihrem rechten Arm per Abwurf weit auf Endemann katapultierte, die abermals ihr gutes Auge bewies, als sie Brand schickte. Die wiederum schlängelte sich durch eine Abwehrzange durch und schloss den Konter durch die Beine von Fiskerstrand auf ideale Weise zum 4:0 ab.

Die Norwegerinnen wechselten und wurden zwei-, dreimal richtig gefährlich. Die Deutschen wechselten und wurden nicht mehr gefährlich. Aber das war egal, sie hatten die Effizienz an diesem Abend rechtzeitig über den Kunstrasen auf ihre Seite gezogen.

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