Konzertempfehlungen für Berlin: Musik zum Nachdenken | ABC-Z

E in unter Musikern beliebter Spruch lautet: „Üben, üben, üben.“ In drei Worten ist damit sehr viel darüber gesagt, wie das, was das Publikum in Konzerten als gegeben hinnimmt, entsteht. Schweiß und Proben sind dafür nötig und das endlose Wiederholen schwieriger Passagen. Geduld gehört dazu. Die Musikstücke, die dem Zweck dienen, die eigene Fingerfertigkeit und weitere technische Fähigkeiten zu vervollkommnen, lassen ihrem Namen nach – „Etüde“ – auf schlichte Gebrauchsmusik tippen. Prominente Beispiele wie die „Études“ von Frédéric Chopin haben jedoch längst das Gegenteil bewiesen. Bis in die Gegenwart hin haben sich Komponisten dieser Form immer wieder angenommen.
Ein Programm mit weniger bekannten Werken für Klavier vom 20. Jahrhundert bis heute stellt die Pianistin Tamara Stefanovich am Sonnabend im Pierre Boulez Saal vor. Béla Bartók, Claude Debussy, György Ligeti, Liza Lim oder Olivier Messiaen finden sich in ihrer Auswahl mit insgesamt 13 Komponisten. Langweilige Musikdidaktik dürfte sich keine darunter finden (Pierre Boulez Saal, 7. 3., 19 Uhr, Tickets 10-45 Euro).
Die Reihe „Unerhörte Musik“ gehört zu den kulturellen Einrichtungen Berlins, die so regelmäßig Konzerte mit Neuer Musik bieten, dass man sie für selbstverständlich halten könnte. Dass es jeden Dienstag im BKA-Theater konsequent Musik gibt, die nicht unbedingt ein breites Gehör findet, ist daher umso verdienstvoller. Als Nächstes steht ein Abend mit dem Ensemble Mosaik an. „Die übliche Mystik“ nennen sie ihr Programm mit Werken von Elnaz Seyedi, Olga Neuwirth, Milica Djordjević, Stefan Streich und Luxa Mart*in Schüttlerl. Die älteste Musik darunter ist von 2009 (BKA-Theater, 10. 3., 20 Uhr, 14,30 Euro).
Eine ganz spezielle Form der Mystik kann die Kunst der ruhig rollenden Repetition entfalten. Jemand, der sehr viel davon versteht, ist der Multi-Instrumentalist Oren Ambarchi. Von der Motorik des Krautrocks inspiriert, hat er längst seine eigene Form der ritualistisch anmutenden improvisierten Schleifen mit allmählichen Variationen entwickelt. Gleich an zwei Abenden, Dienstag und Mittwoch präsentiert er diese im Morphine Raum mit einem Quartett, in dem neben ihm an der Gitarre noch der Gitarrist Frederik Raten, der Kontrabassist Mike Majkowski und am Schlagzeug Will Guthrie für Bewegung im scheinbaren Stillstand sorgen (Morphine Raum, 10 + 11. 3., 20 Uhr).
Ordentlich viel diskursive Grundlage bietet schließlich das Ensemble KNM Berlin in seiner Reihe KNM Contemporaries. Am Sonnabend erkunden die Musiker im Teilelager der Fahrbereitschaft „Music for Distinct Personalities“. Darunter ein Musiktheater des Komponisten Cao Thanh Lan, eine Komposition von Jorge Gómez Elizondo, die sich mit der Philosophie von Gilles Deleuze auseinandersetzt, und eine Komposition von Joaquín N. Macedo über das Unheimliche. Musik zum Nachdenken kann auf keinen Fall schaden (Fahrbereitschaft Teilelager, 14. 3., 20 Uhr, 15/12 Euro).





















