Starnberg: Neue Toilettenanlage am Bahnhof See eröffnet – Starnberg | ABC-Z

Wer jemals mit voller Blase oder Druck im Darm in öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs war, tat gut daran, sich einen Halt am Starnberger Bahnhof See zu verkneifen. Denn die Bahnhofstoiletten waren entweder in einem unterirdischen Zustand oder ganz geschlossen. Damit ist es quasi zum Höhepunkt des Kommunalwahlkampfs vorbei: Starnbergs Bürgermeister Patrick Janik (CSU, UWG) eröffnete am Donnerstag neben dem historischen Bahnhofsgebäude eine moderne und barrierefreie Bedürfnisanstalt.
Die Stadt Starnberg blickt beim Thema „Stille Örtchen“ an ihren Bahnhöfen auf eine wenig ruhmreiche Geschichte zurück. Wer sich erleichtern wollte, war oft genug aufs Wohlwollen von Gastronomen in Bahnhofsnähe angewiesen oder suchte sein Glück gleich im Verborgenen. Bürgermeister Janik berichtete von erbosten E-Mails, die er regelmäßig von Mitbürgern, Durchreisenden und Touristen erhielt. Der Tenor sei stets der gleiche: Starnberg sei zwar eine schöne Stadt, aber die Ausstattung mit öffentlichen Toilettenanlagen schlicht unwürdig.
Die Not hat nun ein Ende: Die Bedürfnisanstalt am Busbahnhof östlich des Bahnhofgebäudes bietet drei Unisex-Kabinen, eine davon barrierefrei und mit klappbarem Babywickeltisch. Eine Glasfassade in dunklem Grün und Stahltüren sollen die Anlage weitgehend vandalismussicher machen. Die Kabinen werden zweimal täglich gereinigt, die Innenwände sind mit Anti-Graffiti-Schutz versehen. Die Nutzung kostet einen Euro, gezahlt werden kann auch per Bankkarte, Handy oder Smartwatch.
Vor allem Menschen mit Behinderung gilt der Neubau als Segen: Thomas Kursawe vom Starnberger Inklusionsbeirat etwa sitzt in einem Elektromobil. Er gelangt kostenlos in das Gebäude per Euro-Schlüssel, der bundesweit funktioniert und bei verschiedenen Institutionen beantragt werden kann, darunter beim „Club Behinderter und ihrer Freunde“ in Darmstadt. Kursawe lobt das neue Toilettenhaus als „ganz wichtigen Beitrag zur Barrierefreiheit in Starnberg“.
Rund 422 000 Euro hat die neue Anlage gekostet, 232 800 Euro übernahm die Regierung von Oberbayern im Rahmen des Bund-Länder-Programms „Lebendige Zentren“. „Das darf es uns auch wert sein“, befand Janik, „sehr schön, dass wir es bekommen haben“. Das Vorhaben war im Grundsatz schon 2024 beschlossen worden, im Sommer 2025 wurde das Projekt ausgeschrieben. Die Anlage ist zwar etwas kleiner als zunächst geplant, wurde dadurch aber zuschussfähig. Nachdem das Behinderten-WC am Bahnhof See bereits seit einiger Zeit defekt war und auch keine Ersatzteile mehr lieferbar waren, beschloss der Stadtrat den Neubau der Anlage.
Das Toilettenproblem in Starnberg hat Tradition. Mit mäßigem Erfolg versuchte der Seniorenbeirat schon vor 15 Jahren, Gewerbetreibende und Gastronomen zum Mitmachen bei der Aktion „Nette Toilette“ zu bewegen. Nachdem ein Rollstuhlfahrer einen Kreislaufkollaps in der völlig verdreckten Anlage am See erlitten hatte, diskutierte der Stadtrat ausgiebig über den Neubau eines Toilettenhäuschens – und lehnte ab. Und dann griff Eva John (jetzt: Pfister) – damals noch bei der CSU – im Herbst 2011 zu Pinsel und Farbe und renovierte mit einigen Getreuen die heruntergekommene WC-Anlage. Der Erfolg war nur von kurzer Dauer. Das stille Örtchen des Schreckens wird nun für immer geschlossen.

Erster Kunde der neuen Anlage war übrigens ein Schweizer: Noch vor der offiziellen Eröffnung zückte Günther Lehnart aus Zürich kurzerhand einen Euro, verschaffte sich Zugang und Erleichterung. Er habe sich nur etwas gewundert über die vielen Leute vor der Anlage, die sehr schön geworden sei, sagte er. In der Schweiz, sagte Lehnart, seien derartige Anlagen im Übrigen völlig normal.





















