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Iran-Krieg: Bewaffnung der Kurden wäre ein Fehler | ABC-Z

Wenn es stimmt, dass der amerikanische Geheimdienst CIA und der israelische Mossad iranisch-kurdische Milizen im Nachbarland Irak bewaffnen und mit Luftunterstützung in Iran einsetzen wollen, wäre das eine höchst beunruhigende Entwicklung. Israel und die USA würden damit die Gefahr eines Bürgerkriegs und eines Staatszerfalls willentlich in Kauf nehmen. In den Augen vieler Iraner würde ein solches Vorgehen bedeuten, dass es Israel und den USA nicht nur um den Sturz des islamistischen Regimes in Teheran geht, sondern darum, Iran als Staat zu destabilisieren.

Die Vorstellung, die kurdischen Milizen könnten amerikanische Bodentruppen ersetzen und das iranische Regime stürzen, so wie die Nordallianz 2001 in Afghanistan, geht an der Realität vorbei. Die Zahl der potentiellen Kämpfer, die vom Irak aus nach Iran einsickern könnten, würde bei Weitem nicht ausreichen, um den Sicherheitsapparat ernsthaft in Bedrängnis zu bringen. Die kurdischen Oppositionsparteien hätten auch gar kein Interesse daran, in Provinzen außerhalb der mehrheitlich kurdischen Siedlungsgebiete zu kämpfen. Ihnen geht es darum, in kurdischen Regionen autonome Verwaltungsstrukturen aufzubauen.

Die Kurden müssen fürchten, verheizt zu werden

Einen Marsch auf Teheran wird es also nicht geben. Das Kalkül scheint vielmehr zu sein, die Regimekräfte zu überdehnen, Teheran symbolische Niederlagen zuzufügen und andere ethnische Minderheiten zu ermutigen, sich ebenfalls zu erheben. Zum Beispiel belutschische Milizen, die dschihadistisch geprägt sind. Die kurdischen Kämpfer müssten fürchten, dass Teheran mit einer Taktik der verbrannten Erde reagiert. Um nicht als Kanonenfutter verheizt zu werden, fordern sie von Washington nun eine Flugverbotszone.

Dieser Text stammt aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.



Es ist verständlich, dass viele Kurden das Kriegschaos als Chance begreifen, ihr Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen. So war es schon während der Kriege in Syrien und im Irak. In Iran machen Kurden zehn Prozent der Bevölkerung aus. Das iranische Regime war noch nie so schwach. Die kurdischen Parteien verfügen über straffe Organisationsstrukturen. Sie setzen sich seit Jahrzehnten mit bewaffneten und politischen Mitteln für eine säkulare Ordnung ein. Die Islamische Republik hat ihnen genauso wenig ihre Rechte auf eigene Sprache und Kultur gewährt wie die Pahlavi-Monarchie vor 1979. Ihr politischer Kampf wurde mit aller Macht unterdrückt. Der frühere Vorsitzende einer der Parteien, die jetzt beteiligt sind, Sadegh Scharafkandi, wurde 1992 im Berliner Restaurant Mykonos von iranischen Agenten ermordet.

Der Plan zur Mobilisierung kurdischer Milizen scheint unausgegoren. Es scheint noch nicht einmal klar, ob die kurdische Autonomieregierung im Irak bereit wäre, eine solche Operation auf ihrem Territorium zuzulassen. Damit würde sie sich selbst in Teherans Schusslinie stellen. Mit dem Vorhaben riskieren die USA, jene Iraner zu verprellen, die ihre Militäroperation ursprünglich begrüßt haben und die im Januar mutig gegen das Regime auf die Straße gegangen sind.

Viele werden sich jetzt daran erinnern, dass das Land in seiner Geschichte schon oft zum Spielball fremder Mächte wurde. Ihnen dürfte die Hybris nicht entgangen sein, mit welcher der amerikanische Präsident Donald Trump das Land offenbar ohne konkreten Plan für die Zeit danach ins Chaos stürzt. Wie daraus am Ende eine Regierung entstehen soll, die Amerika freundlich gesinnt wäre, ist schwer zu erkennen.

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