Berliner Stadtplanung: Mehr Wohnraum, weniger Büros | ABC-Z

„Wir haben eine große Herausforderung in Berlin“, sagt der Grünen-Fraktionsvorsitzende Werner Graf. Etwa zwei Millionen Quadratmeter Bürofläche ständen leer. Gleichzeitig fehle es an bezahlbaren Wohnungen.
Statt sozialem Wohnungsbau entstehen in der Innenstadt laut Graf immer mehr Bürokomplexe. In den Außenbezirken der Stadt würden Bürohäuser leergezogen, dadurch verödeten Kieze. „Dort wird es immer leerer und leerer“, sagte er.
Die Grünen haben am Donnerstagabend mit verschiedenen Expert:innen diskutiert, wieso es kein neues Baurecht für Bürokomplexe geben darf – und wie vorhandene Bürogebäude in Wohnungen umgebaut werden könnten. In einem Antrag an den Senat fordern sie den Stopp neuer Bauprojekte zu gewerblichen Zwecken und Unterstützung beim Umbau bestehender Büroflächen in Wohnraum.
Susanne Lang und Susann Bartsch-Steinkritzer stellten das Hausprojekt WiLMa19 als Best-Practice-Beispiel vor. Ihr Hausverein habe ein ehemaliges DDR-Bürogebäude des Staatssicherheitsdienstes in günstigen Wohnraum umgewandelt. Im Projekt leben Mieter:innen in unterschiedlichen Konstellationen zusammen, etwa in Wohngemeinschaften oder als Familien.
Anlaufstelle benötigt
Laut Lang braucht es im Idealfall eine Anlaufstelle, die in spezifischen Fragen bei der Umsetzung eines solchen Projekts hilft. Immer wieder seien sie auf Probleme gestoßen. „Es war nicht einfach, aber es war möglich“, betonte sie. Das Hausprojekt diene als Vorbild für Umbauinitiativen. „Man findet Lösungen, wenn man sie finden möchte. Das ist eigentlich der Punkt“, sagte Lang.
Der bloße Umbau von Bürogebäuden sei leichter umsetzbar als gedacht, meinte der Präsident der Architektenkammer Berlin Eike Roswag-Klinge. „In den meisten Fällen ist es technisch relativ einfach“, sagte er. Wichtig sei dabei nur, möglichst minimalinvasiv zu arbeiten, um die Kosten gering zu halten. Bereits mit unter 2000 Euro pro Quadratmeter könnten Bürogebäude angemessen ausgebaut werden.
Man stoße vor allem auf rechtliche Herausforderungen, so Werner Graf. Nicht jedes Bürogebäude sei zum Wohnen geeignet. Richter Thomas Weigelt erklärte zudem, es werde im Falle eines Umbaus eine neue Baugenehmigung benötigt. Ein Gebäude, was zuvor als Büroraum genutzt wurde, müsse dann die jetzt geltenden Anforderungen an das Wohnen erfüllen.
„Wenn man sich mit den Fragen der Zeit auseinandersetzt, kommt man am Thema Nachhaltigkeit nicht vorbei“, ergänzte Roswag-Klinge. Der Klimawandel müsse reflektiert und bestehende Gebäude umgebaut und zukunftsfähig gemacht werden. Die Landesregierung sei stattdessen auf Wachstum ausgerichtet. „Die Nachhaltigkeit ist komplett ausgeschaltet im Moment“, sagte er.
Keine belastbaren Zahlen
Problematisch ist laut Grünen-Sprecherin Katrin Schmidberger außerdem, dass es kaum belastbare Zahlen zum Leerstand gibt. Diese bilden die Basis für zukünftige Ideen. Deswegen fordern die Grünen mit ihrem Antrag auch eine Bestandsaufnahme und Bedarfsanalyse. Der Senat habe wohl kein Interesse daran, die Daten zu erheben, so Schmidberger. „Wir sind auch darauf angewiesen, uns die Zahlen zusammenzusuchen“, erklärte sie.
Außerdem rufen die Grünen den Senat auf, die Planung zur „Urbanen Mitte“ im Gleisdreieckpark nicht weiterzuverfolgen. Dort sollen sieben neue Hochhäuser gebaut werden, ursprünglich für gewerbliche Zwecke. Laut Matthias Bauer von der Aktionsgemeinschaft Gleisdreieck e.V. wurde inhaltlich bereits beschlossen, dass normales Wohnen vom Vorhaben ausgeschlossen ist. „Die wollten das nicht“, klagte er über den Senat.
Die Frage nach bezahlbarem Wohnraum bewegt Berliner:innen. „Wie wichtig das Thema ist, haben wir glaube ich alle heute erlebt“, sagte Schwarze abschließend. Auch nach über zwei Stunden ist der Raum noch gut gefüllt und die Debatte konzentriert.





















