MRT-Aufnahmen enthüllen, was Alkohol mit unserem Gehirn macht | ABC-Z

Alkohol, oft als „sozialer Schmierstoff“ bezeichnet, senkt unsere Hemmschwellen und lässt Unsicherheiten verschwinden. Doch was passiert nach einem bis zwei Gläsern Wein oder einer Flasche Bier in unserem Gehirn? Eine neue US-Studie hat mithilfe von MRT-Aufnahmen untersucht, wie Alkohol auf unser Denken wirkt. Das Ergebnis? Bereits nach einer halben Stunde zeigen sich im Gehirn deutliche Veränderungen.
Bereits kleinere Mengen verändern Hirndurchblutung schnell
An der Studie nahmen 107 gesunde Erwachsene teil, im Alter von 21 bis 45 Jahren. Alle Probanden galten als sozial Trinkende ohne Hinweise auf Suchtprobleme. Jeder Proband erhielt an zwei unterschiedlichen Terminen jeweils ein Getränk: einmal mit Alkohol, einmal ein Placebo. Weder die Teilnehmenden noch das Forschungsteam wussten, welches Getränk sie jeweils bekamen. Die Ziel-Atemalkoholkonzentration lag bei 0,08 Gramm pro Deziliter (entspricht 0,8 Promille).
Nach 30 Minuten führten die Forscher bei allen Teilnehmern MRT-Aufnahmen durch. Um die Veränderungen der Hirndurchblutung genau zu erfassen, lagen die Probanden ruhig im Gerät, ohne sich auf bestimmte Aufgaben konzentrieren zu müssen. Anschließend sollten sie auf einer Skala angeben, wie betrunken sie sich fühlten – von „gar nicht betrunken“ bis „sehr stark betrunken“.
Es zeigte sich deutlich, dass Alkohol das Gleichgewicht im Gehirn auseinanderbringt. Unter anderem war das Hirnareal betroffen, das für die Verarbeitung von visuellen Eindrücken verantwortlich ist. Seine Verbindung zum restlichen Gehirn war beeinträchtigt. Das bedeutete, dass Informationen dort weniger effektiv ins große Ganze integriert wurden. Dafür zeigte sich im Stirn- und Schläfenbereich eine andere Wirkung. Hier sorgte Alkohol dafür, dass benachbarte Regionen enger als sonst kooperierten – sie waren untereinander stärker vernetzt.
Schlussendlich verschob Alkohol also das Zusammenspiel des Gehirns. Einige Bereiche verloren an übergreifendem Kontakt, während sich die lokale Zusammenarbeit an anderen Stellen intensivierte. Beim Placebo zeigten sich dagegen keine Effekte.
Alkoholkonsum stört Gehirnfunktionen – was heißt das in der Praxis?
Die MRT-Aufnahmen zeigen: Schon ab 0,8 Promille – das entspricht je nach Körpergewicht etwa 2,5 Flaschen Bier – arbeitet das Gehirn nicht mehr reibungslos. Und ist der Austausch zwischen verschiedenen Gehirnbereichen geschwächt, kann das unsere Reaktionszeit, Entscheidungsfähigkeit und generell die Verarbeitung von Informationen beeinträchtigen.
Auch die Bewertungsskala, wonach die Teilnehmer ihre subjektiv empfundene Alkoholisierung einordnen mussten, liefert spannende Einblicke. Die durchschnittlichen Angaben unter Alkoholeinfluss lagen bei etwa 34 Punkten, bei Placebo-Getränken bei lediglich 8 Punkten. Das zeigt, wie deutlich stärker sich der Rausch für die alkoholisierten Teilnehmer anfühlte. Interessant ist, dass die MRT-Untersuchungen dieses Gefühl auch objektiv bestätigen – sie zeigen, dass Alkohol nachweisbare Veränderungen im Gehirn auslöst.

Einschränkungen der Studie
Mit 107 Teilnehmenden war die Studie für eine MRT-Untersuchung dieser Art vergleichsweise groß und aussagekräftig: Jeder erhielt sowohl Alkohol als auch ein Placebogetränk, um direkte Vergleiche zu ermöglichen. Untersucht wurden jedoch nur gesunde Erwachsene im Alter von 21 bis 45 Jahren und nur ein Zeitpunkt, nämlich 30 Minuten nach dem Trinken – langfristige Effekte oder andere Altersgruppen blieben außen vor. Getestet wurde zudem eine exakt berechnete Dosis für 0,8 Promille, nicht ein konkretes Alltagsgetränk.
Finanziert wurde die Studie vom US-amerikanischen National Institute on Alcohol Abuse and Alcoholism – Geld aus der Alkoholindustrie war laut Autoren nicht beteiligt. Die MRT-Aufnahmen zeigen Veränderungen der Hirndurchblutung und erlauben so Einblicke in die Aktivität unterschiedlicher Hirnbereiche.





















