Oberpfaffenhofen: Schüler zeigen ihre Projekte beim „Jugend forscht“-Wettbewerb – Starnberg | ABC-Z

Vor dem Modell des Columbus-Raumfahrtmoduls, dem europäischen Forschungslabor auf der Internationalen Raumstation ISS, hat Jonathan Lohn seinen Stand aufgebaut. Der Platz passt zum Thema. Der Zwölftklässler vom Gymnasium Puchheim präsentiert Experimente zur Landekapsel eines Marsrovers. „Seven Minutes of Terror“ nennt er sein Projekt. So heißt die kritische Landephase, bis die Kapsel auf dem roten Planeten aufsetzt.
Sein Projekt ist einer von 32 Beiträgen beim Regionalwettbewerb „Jugend forscht“ München-West. Ausgerichtet wird der Wettbewerb im Raumfahrtkontrollzentrum des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) gemeinsam mit dem Raumfahrtunternehmen OHB.
Zwischen den Ständen diskutieren Schüler und Juroren über die Projekte. Dabei überzeugte Johann Probst vom Otto-von-Taube-Gymnasium Gauting in der Kategorie Biologie die Jury durch seine exzellente Arbeit und die intensive Fachdiskussion. Unterstützt vom TUM-Kolleg, einem Kooperationsprojekt der Technischen Universität München mit dem Gautinger Gymnasium, untersuchte der 18-Jährige den Beitrag der Armarbeit zu aerober Fitness und Energieverbrauch beim Rudern. Bei der Siegerehrung bekam er einen ersten Preis.
Beim Rundgang bleibt das Jurorinnenteam Britta Stamminger und Karina Szych bei Jonathan Lohn stehen. Sie begutachten die Projekte aus den Geo- und Raumwissenschaften. Der Gymnasiast erklärt ihnen den Windkanalapparat, seine Messungen und wie er daraus den Strömungswiderstandskoeffizienten berechnet. Er zeigt seine mit dem 3D-Drucker gefertigten verschiedenen Kapselformen. Der 18-Jährige wollte wissen, ob die Form der aktuellen Marskapsel wirklich die beste ist. Sein Ergebnis: Sie ist es. „Mega spannend“ sei es, mit vergleichsweise einfachen Mitteln nachzuvollziehen, woran Raumfahrtteams jahrelang arbeiten.
Die Jurorinnen hören zu und stellen Fragen. „Eigenständigkeit ist uns wichtig“, sagt Stamminger. Ob jemand für eine Sache brenne, merke sie schnell: „Nach dem zweiten Satz sieht man das am Funkeln der Augen.“ Hier treffe sie auf besonders engagierte Jugendliche, sagt die Mathematik- und Physiklehrerin, die seit rund 15 Jahren in der Jury sitzt. Viele forschen in Neigungskursen an der Schule, manche arbeiten von zu Hause aus.

Ein paar Stände weiter haben die beiden jüngsten Teilnehmer in der Kategorie „Jugend forscht junior“ ein anderes Problem gelöst. Leopold Zellhuber (elf Jahre alt) und Alexander Engelhart (zehn) aus der Klasse 5b des Otto-von-Taube-Gymnasiums in Gauting führen ihren automatischen Befeuchter von Spinnennetzen vor.
Die beiden wollen Seidenspinnen für ein Schulprojekt anschaffen. „Vorher mussten wir ihre Versorgung in den Ferien sicherstellen“, erklärt Alexander. Seidenspinnen trinken aus ihrem Netz, das regelmäßig befeuchtet werden muss. Also haben die beiden einen Befeuchter gebaut, der den Hebel einer Sprühflasche selbständig drückt. Auf dem Tisch stehen ihre Versuchsaufbauten. Die Platine, Batterien und ein sogenannter „BBC micro:bit“, ein kleiner Einplatinencomputer für erste Programmierexperimente, stecken in einer Brotzeitdose. Dem Einzug der Seidenspinnen in die Klasse steht nun nichts mehr im Wege, freut sich Leopold, der ein T-Shirt mit aufgedruckten Spinnen trägt. Für ihr Projekt erhielten die beiden einen zweiten Preis.

Mit einem anspruchsvollen Chemieprojekt tritt die 19-jährige Victoria Kolmsee aus der 13. Klasse des Otto-von-Taube-Gymnasiums an. Sie erhielt für ihre Arbeit den zweiten Preis in Chemie und den Sonderpreis Umwelttechnik. Victoria beschäftigte sich mit PFAS, den sogenannten „Ewigkeitschemikalien“ im Wasser.
„Die Nutzung metallorganischer Gerüstverbindungen zur Adsorption per- und polyfluorierter Alkylverbindungen“ lautet der Titel ihrer Arbeit. Victoria untersuchte, ob MOFs – poröse Materialien, die Stoffe binden – PFAS aus Wasser entfernen können. „Man kann sich MOFs wie einen Schwamm vorstellen“, erklärt sie. In ihrem Experiment nahm das Material die Partikel vollständig auf. Besonders gefiel ihr, dass sie vom TUM-Kolleg unterstützt wurde und sogar im Labor der Universität forschen durfte. Dort sieht sie allerdings nicht ihre Zukunft. Später möchte Victoria Patentanwältin werden.

Ein paar Schritte weiter geht es um ein Schulproblem. Fabian Dericks vom Max-Born-Gymnasium in Germering zeigt am Laptop sein Projekt „Digitalisierung der Lehrmittelbücherei“. Bisher läuft die Ausleihe der Schulbücher analog. Schüler tragen ihre Namen händisch ein, Lehrkräfte haken Listen ab. Der 16-Jährige will das vereinfachen. Er zückt sein Handy und scannt einen QR-Code. Am Bildschirm öffnet sich ein Programm. „So funktioniert das System“, erklärt er: Die Schüler geben Klasse und ID ein und scannen ihre Bücher. Lehrkräfte sehen, was ausgeliehen ist. Ist ein Buch beschädigt, kann ein Foto hochgeladen werden. „Im nächsten Schuljahr probieren wir das in einer Jahrgangsstufe aus“, freut sich der Schüler, der für sein Projekt einen zweiten Preis erhielt.
Zurück zum Mars-Rover. Auch Jonathan Lohn bekommt einen zweiten Preis. Die Jurorinnen geben ihm noch einen Tipp mit auf den Weg: „Ein Raumfahrtstudium wäre passend für dich.“ Einen möglichen Arbeitsplatz konnte er sich im DLR schon einmal bei Rundgängen aus der Nähe ansehen.
Weitere erste Preise gehen an Münchner Schüler: Achilleas Sarakatsanis (18) vom Erasmus-Grasser-Gymnasium mit einem Projekt zur Simulation wechselwirkender Galaxien, Malo Köhler (16) und Konstantin Augsburg (17) vom Max-Planck-Gymnasium für ihr Tiefseeforschungsprojekt „Coredive“.
Bei „Jugend forscht junior“ gewannen Maximilian Barborka (14) vom Max-Planck-Gymnasium mit Einsatzmöglichkeiten des „Photo-Blue-Bottle-Experiments“ und Anton Schindler (13) vom Gymnasium Freiham mit seiner „Touch Box“, einem flexiblen Tastenkombinations-Board für den Computer. Die Sieger haben sich für den Landeswettbewerb in Regensburg qualifiziert.





















