Paralympics-Start wird von politischen Diskussionen überschattet | ABC-Z

Die Diskussion um die Teilnahme russischer und belarussischer Sportler unter Landesflagge bei den Paralympics beherrscht die Berichte vor der Eröffnung am Freitag. Die Verbände sind davon überrascht.
Am Donnerstag stellte der Deutsche Behindertensportverband (DBS) in einer Pressekonferenz seine Fahnenträger für die Eröffnungsveranstaltung der Paralympics am Freitag in Verona vor. Monoski-Fahrerin Anna-Lena Forster und Eishockey-Spieler Jörg Wedde werden bei der Feier die Deutsche Fahnen schwenken. In einem Videoclip wohlgemerkt.
Das hat vor allem praktische Gründe. Die Organisatoren der Feier haben sich schon vor Monaten gegen einen sonst bei Olympischen und Paralympischen Spielen typischen Einmarsch der Athleten entschieden.
Selbst bei einer “regulären” Feier wären Forster und Wedde aber wohl nicht ins Amphitheater von Verona gereist. Die deutsche Delegation, also auch Verbandsmitglieder und Vertreter aus der Politik, bleibt der Eröffnungsfeier aus Solidarität mit der Ukraine fern.
Boykott von mehreren Nationen
Das seit Jahren unter dem russischen Angriffskrieg leidenden Land hatte die Entscheidung des Internationalen Paralympischen Komitees (IPC), bei den Spielen erstmals wieder russische und belarussische Sportler unter den Landesflaggen antreten zu lassen, kurz vor den Wettbewerben erneut scharf kritisiert. Diverse Nationen schlossen sich an und kündigten einen Boykott der Eröffnungsfeier an.
Der DBS zauderte lange und entschloss sich am Dienstag schließlich doch, der Feier fernzubleiben. Die Diskussionen nahmen damit erst richtig Fahrt auf. Der DBS wirkt überrascht, dass es kurz vor den Spielen kaum um Sport, sondern hauptsächlich um Politik geht.
DBS: Haben uns immer klar positioniert
“Hier gehen Lebensträume auf, hier haben Athleten seit vielen Jahren daraufhin gefiebert. Neben aller kritischen Haltung, die wichtig ist, kann ich jetzt dazu einladen, sich über die Wettbewerbe mit dem paralympischen Sport auseinanderzusetzen”, sagte der DBS-Vorstandsvorsitzende Idriss Gonschinska am Donnerstag, nachdem er zuvor betonte, man habe sich in verschiedenen Statements bereits früh mit der Ukraine solidarisiert.
Den entstandenen Eindruck, Deutschland habe seine Haltung durch die kurzfristige Mitteilung der Eröffnungsfeier fernzubleiben, geändert, teilt Gonschinska deshalb nicht. Vielmehr sei ein “sportpolitischer, juristischer und emotionaler” Prozess bei der Entscheidungsfindung wichtig gewesen. Den Schritt habe sich der Verband nicht leicht gemacht und ihn in enger Absprache mit den Athleten vor Ort in Italien beschlossen.
Idriss Gonschinska, DBS-Vorstandsvorsitzender
IPC rechtfertigt Entscheidung
Auch das IPC wundert sich über die politische Diskussion im Vorfeld der Spiele. Komitee-Präsident Andrew Parsons rechtfertigte am Donnerstag den Schritt, russische und belarussische Athleten wieder unter Landesflagge teilnehmen zu lassen. Dies habe “die Generalversammlung des Internationalen Paralympischen Komitees, das höchste Beschlussorgan des IPC, entschieden.
Es handelte sich um einen demokratischen Prozess, der in Übereinstimmung mit dem im IPC-Statut festgelegten Verfahren durchgeführt wurde. 177 unserer 211 Mitgliedsorganisationen waren bei der Abstimmung anwesend”, sagte Parsons in Cortina.
“Überraschung, dass das Thema hochgekocht ist”
Er wisse, “dass diese Entscheidung in einigen Teilen der Welt nicht gut aufgenommen wurde”, ergänzte der IPC-Chef. Von der Wucht der aktuellen Kritik sei er aber “überrascht, weil diese Entscheidung vor vier bis fünf Monaten getroffen wurde. Ich habe dies in vielen Interviews erklärt. Insofern war es tatsächlich eine Überraschung, dass das Thema wieder hochgekocht ist”, so Parsons.
Er wolle deshalb noch einmal betonen, “dass das IPC eine demokratische, globale Organisation ist, deren Entscheidungen über die Suspendierung von Mitgliedern von ihren Mitgliedern getroffen werden. Wir können nicht je nach Ergebnis der Entscheidungen der Generalversammlung auswählen, wann wir demokratisch sein wollen und wann nicht”, erklärte Parsons.
Eklat bei Siegerehrungen droht
Die Verbände verheimlichen ihren Wunsch nicht, den Fokus kurz vor Beginn der Paralympics endlich auf das Sportliche zu legen. Spätestens im Falle eines zeitgleichen Medaillengewinns russischer oder belarussischer mit ukrainischen Athleten dürfte sie die Diskussion aber wieder einholen. In einigen Sportarten stehen die Chancen dafür nicht schlecht.
Quelle: mit Material des sid





















