Wirtschaft

Bundesbank: Trotz Goldpreisrally Bilanzverlust von 27,8 Milliarden | ABC-Z

Die Goldreserven der Deutschen Bundesbank haben im vergangenen Jahr rasant an Wert gewonnen. Dank der Goldpreisrally legte der Wert des Goldschatzes von 270 auf 395,2 Milliarden Euro zu. Dabei waren die Bestände sogar leicht rückläufig, von 3352 auf 3350 Tonnen, weil ein Teil zur Herstellung von Gedenk- und Sammlermünzen verwendet wurde. Anders als bei der Schweizerischen Nationalbank führte dieser Wertzuwachs allerdings nicht zu einem gewaltigen Gewinn mit Gewinnausschüttungen, sondern aufgrund anderer, konservativerer Bilanzierungsregeln lediglich zu höheren Bewertungsreserven.

Der Jahresfehlbetrag der Bundesbank für 2025 beläuft sich vielmehr auf 8,6 Milliarden Euro, wie Bundesbankpräsident Joachim Nagel am Donnerstag bei der Vorlage des Jahresabschlusses sagte. Erwartungsgemäß fiel der Fehlbetrag damit deutlich niedriger aus als im Vorjahr, in dem er 19,2 Milliarden Euro betragen hatte. Weil die Bundesbank aber schon im vergangenen Jahr den Fehlbetrag nicht mehr aus Rücklagen hatte ausgleichen können und ihn als Verlustvortrag in die Zukunft verschoben hatte, summiert sich der kumulierte Bilanzverlust nun auf 27,8 Milliarden Euro.

Längere Zeit keine Ausschüttung an den Bundesfinanzminister

Nagel rechnet damit, auch im laufenden Geschäftsjahr wieder einen Verlust zu verzeichnen. Irgendwann werde die Bundesbank aber wieder schwarze Zahlen schreiben, deutete er an. Wann, das hänge unter anderem von der Entwicklung der Leitzinsen und der Wechselkurse ab. Künftige Jahresüberschüsse werde die Bundesbank nutzen, um den aufgelaufenen Bilanzverlust aus eigener Kraft ab- und die notwendige Risiko­vorsorge aufzubauen, sagte der Bundesbankpräsident: „Wir erwarten deshalb, längere Zeit keine Gewinne ausschütten zu können.“ Die Europäische Zentralbank (EZB) erwartet, dass sie 2026 oder 2027 in die Gewinnzone zurückkehrt.

Die gewaltigen Verluste vieler Notenbanken entstehen dadurch, dass sich nach den billionenschweren Anleihekäufen des Eurosystems nun auf der Aktivseite der Notenbankbilanzen – dort stehen die Vermögenswerte – große Mengen von Anleihen befinden, deren nied­rige Zinsen für lange Zeit festgeschrieben sind. Auf der Passivseite dagegen – dort stehen die Verbindlichkeiten – finden sich unter anderem Einlagen der Geschäftsbanken, für die höhere Zinsen als früher gezahlt werden müssen. Das sorgt für Verluste.

Im Vergleich zum Vorjahr fielen die Verluste für Bundesbank und Euro­päische Zentralbank aber diesmal geringer aus, weil ein Teil der Anleiheberge mittlerweile abgebaut wurde und das Zinsniveau tendenziell wieder gesunken ist. Die sogenannte Nettozinsmarge der Bundesbank, der Abstand zwischen den Zinssätzen der erhaltenen und gezahlten Zinsen, belief sich 2025 im Schnitt auf minus 1,73 Prozent, nach minus 3,28 Prozent im Vorjahr, wie Bundesbank-Vizepräsidentin Sabine Mauderer ausführte.

Die Bilanzsumme veränderte sich im vergangenen Jahr nur leicht: Sie sank um 24 Milliarden auf 2,349 Billionen Euro. Zwar gingen die geldpolitischen Anleihebestände um 122 Milliarden Euro zurück, aber der Rückgang wurde durch die Bewertung der Goldposition zum Bilanzstichtag ausgeglichen. Durch dessen größeren Wert erhöhte sich das Nettoeigenkapital der Notenbank um 112 Milliarden Euro auf 363 Milliarden Euro. Mauderer hob hervor: „Die Bilanz der Bundesbank bleibt solide.“

Die Nettozinsaufwendungen sanken von 13,1 auf 4,2 Milliarden Euro. „Der Nettozinsertrag entwickelt sich also in die richtige Richtung“, meinte Mauderer. Anders als bei der EZB stiegen allerdings die Personalkosten der Deutschen Bundesbank um 21,8 Prozent auf 1,798 Milliarden Euro. „Dies ist auf höhere Zuweisungen zu den Personalrückstellungen zurückzuführen, die infolge der allgemeinen Tarif- und Besoldungserhöhungen notwendig wurden“, sagte Mauderer.

„In einer guten Lage, um reagieren zu können“

Vergleichsweise zurückhaltend äußerte Bundesbankpräsident Nagel sich zu der Frage, ob die EZB angesichts des Energiepreissprungs jetzt über höhere Leitzinsen nachdenken sollte. Es sei zu früh, um dazu schon Vorfestlegungen zu treffen, sagte er. „Für den Euroraum streben wir auf mittlere Frist eine Inflationsrate von zwei Prozent an – entscheidend sind also die Inflationsaussichten.“ Dafür sei besonders interessant, wohin die Inflation jenseits kurzfristiger Schwankungen treibe. „Wir nennen das zugrunde liegende Inflation“, sagte Nagel: „Bildhaft ausgedrückt: Die Gesamtrate zeichnet die Wellenbewegung an der Wasseroberfläche nach, inklusive der Gischt durch einzelne Windböen. Die zugrunde liegende Inflation entspricht eher der Strömung darunter.“ Sie zeige an, in welche Richtung die Inflation treiben werde. „Für die Strömung ist die Teuerung bei Dienstleistungen wichtig“, sagte Nagel. Sie habe sich 2025 durchweg oberhalb von drei Prozent bewegt und erweise sich weiterhin als hartnäckig. „Die Gischt wird derzeit maßgeblich von den Energiepreisen aufgewirbelt“, sagte Nagel: „Der Konflikt im Iran treibt über höhere Energiepreise die Verbraucherpreise nach oben.“ Für die Geldpolitik sei entscheidend, ob daraus ein dauerhafter Inflationsdruck entstehe oder nur zeitweilige Preisschwankungen entstünden.

„Wir haben gesehen, wie der Ausbruch des Ukrainekriegs über einen Anstieg der Energiepreise zu spürbaren Zweitrundeneffekten geführt hat“, sagte Nagel. „Insofern sind wir hier sehr wachsam.“ Die Unsicherheit habe sich deutlich erhöht. „Bei der EZB-Ratssitzung übernächste Woche werden wir über die dann neueste Datenlage und die neuen Projektionen beraten“, sagte der Bundesbankpräsident: „Auf dieser Grundlage entscheiden wir, ob der aktuelle geldpolitische Kurs weiterhin passt oder ob nach­gesteuert werden sollte.“

Auf den Einwand, ob die EZB jetzt wieder den gleichen Fehler mache wie zu Beginn des Ukrainekriegs, als sie den Energiepreisanstieg für ein „transitorisches“, also vorübergehendes Phänomen gehalten hatte und deshalb die Zinsen zu spät anhob, entgegnete Nagel: Er teile diese Diagnose der damaligen Vorgänge nicht und sehe den Euroraum jetzt zudem in einer anderen Lage als damals.

Damals sei man gerade aus den „QE“ genannten Anleihekäufen gekommen und habe diese erst mal beenden und die Reinvestitionen auslaufen lassen müssen. „Jetzt haben wir eine andere Situation“, sagte der Bundesbankpräsident: „Ich bin mir sicher, dass wir robust handeln werden.“ Der EZB-Rat bleibe wachsam, sagte Nagel: „Sollte sich das Inflationsbild substanziell ändern, sind wir in einer guten Lage, um darauf reagieren zu können.“

Back to top button