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Kommunalwahl Bad Tölz-Wolfratshausen: Ein neuer Landrat und reichlich Kandidaten in den Städten – Bad Tölz-Wolfratshausen | ABC-Z

Den Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen prägt seit der Gebietsreform ein unterschwelliges Konkurrenzverhältnis um Einflusspositionen zwischen der Region im Norden und der Kreisstadt im Süden. In Wolfratshausen und Bad Tölz dürfte auch die Kommunalwahl 2026 besonders spannend werden. Josef Niedermaier (Freie Wähler) hört nach 18 Jahren als Landrat auf. Um seinen Posten bewerben sich sechs Nachfolger. Genauso viele Männer wollen auf den Chefsessel im Wolfratshauser Rathaus.

94 700 Stimmberechtigte können zur Kommunalwahl im Landkreis-Bad Tölz-Wolfratshausen entscheiden, wer die Spitzenfunktionen in der örtlichen Verwaltungen übernimmt, in die Stadt- und Gemeinderäte sowie den Kreistag einzieht.

Josef Niedermaier (Freie Wähler) tritt nach 18 Jahren als Landrat nicht mehr zur Wahl an. Sechs Männer wollen ihn ablösen. Harry Wolfsbauer

Für die CSU soll Jurist Thomas Holz den Posten des Landrats übernehmen. Der frühere Kochler Bürgermeister und jetzige Abgeordnete im Bayerischen Landtag konkurriert mit Ludwig Schmid (Freie Wähler), Geschäftsführer des familiengeführten Bäckereibetriebs aus Geretsried. Ein bisschen Nord gegen Süd also auch in dieser Konstellation. Das Bewerberfeld komplettieren Andreas Wild (Grüne), der langjährige frühere Bundestagsabgeordnete Klaus Barthel (SPD), Sebastian Englich (Linke) und Manuel Tessun (ÖDP). Wer Landrat wird, dürfte sich in einer Stichwahl entscheiden. Das war auch 2020 so, zwischen den Kandidaten der Freien Wähler und der CSU.

Zur Kommunalwahl 2020 war es in Wolfratshausen ganz knapp. Um nur 36 Stimmen verpasste Annette Heinloth (Grüne) damals den Einzug in die Stichwahl. In dieser unterlag dann Günther Eibl (CSU) dem Amtsinhaber Klaus Heilinglechner (BVW). Beide kandidieren 2026 erneut. Die Grünen treten mit René Beysel an. Diese Konstellation könnte zumindest im ersten Wahlgang wieder ähnlich spannend wie vor sechs Jahren. Zumal diesmal sechs statt fünf Bewerber zur Auswahl stehen. Chancen rechnen sich auch Manfred Fleischer (Wolfratshauser Liste), Renato Wittstadt (SPD) sowie Patrick Lechner (FDP) aus.

2020 waren die Grünen der große Gewinner. Diesmal könnte es spannend werden.

Landkreisweit waren die Grünen 2020 der große Gewinner, sie legten 6,7 Punkte auf 20,8 Prozent zu. Das zu halten, dürfte herausfordernd werden. Laut dem aktuellen „Bayerntrend“ des BR halten nur fünf Prozent die Partei am kompetentesten, kommunalpolitische Probleme zu lösen. In den Stadt- und Gemeindegremien könnte die AfD, die unter anderem in Geretsried mit 13 Kandidaten erstmals antritt und in Wolfratshausen mit zehn statt zwei Bewerbern wie 2020, die Ergebnisse durcheinanderwirbeln. Die in Teilen rechtsextreme Partei tritt in sieben Kommunen im Landkreis an. Bei der Bundestagswahl erzielte die AfD knapp 21,7 Prozent der Zweitstimmen in Geretsried, der größten Stadt im Landkreis.

Dort dürfte diesmal vor allem spannend sein, ob es Amtsinhaber Michael Müller (CSU) wieder so deutlich wie 2020 schafft, die erste Runde zu gewinnen. Damals kam er unter vier Bewerbern auf 62,15 Prozent. Diesmal heißen seine Mitbewerber Wolfgang Möckel (Freie Wähler) und Patrick Kohlert (Geretsrieder Liste). Und als Überraschungskandidat der Mittzwanziger Max Wiens, der mit seiner Wählergruppe Max für Geretsried ins Rathaus einziehen will.

Um den Spitzenjob im Rathaus der Kreisstadt Bad Tölz kommt es im Quartett der Kandidaten beinahe wieder zu einer Neuauflage von 2020. Bürgermeister Ingo Mehner (CSU), der sich damals schon im ersten Wahlgang knapp mit 50,77 Prozent durchsetzen konnte, Michael Lindmair (FWG) und Michael Ernst (SPD) treten erneut an. Nur die Grünen stellen mit Bärbel Weixner eine neue Kandidatin. Von ihr könnte abhängen, ob es zu einer Stichwahl kommt.

In elf von 21 Kommunen des Landkreises haben die Einwohner praktisch keine Wahlmöglichkeit, was ihre Bürgermeister betrifft. Denn dort tritt jeweils nur ein Kandidat an. Einzige Rathauschefin unter lauter Männern ist bislang Verena Reithmann (UBI) in Icking. Sie wird es in jedem Fall bleiben, weil sie in der Isartalgemeinde ohne Gegenkandidaten antritt.

Mit Michael Grasl (Freie Wähler) in Münsing hört einer der längstdienenden Bürgermeister im Landkreis nach 21 Jahren auf.
Mit Michael Grasl (Freie Wähler) in Münsing hört einer der längstdienenden Bürgermeister im Landkreis nach 21 Jahren auf. Harry Wolfsbauer

In Egling tritt Hubert Oberhauser nach zwölf Jahren nicht erneut an. In Münsing zieht sich Michael Grasl (beide Freie Wähler) nach 21 Jahren als Bürgermeister zurück. In der Kommune am Ostufer des Starnberger Sees bewirbt sich ein Trio um seine Nachfolge. Die Chancen zwischen Hubert Bernwieser (Wählergruppe Münsing), Bernadette Felsch (Grüne) und Manuel Seltier (CSU) dürften in der Gemeinde mit ihrer vielfältigen Sozialstruktur relativ ausgeglichen sein.

Der Trend zur Briefwahl hält an

Der Trend, vermehrt per Brief zu wählen, hält auch im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen weiter an. In Bad Tölz hatten bis Mittwochfrüh, 4. März, 5318 von insgesamt 14 792 Stimmberechtigten die Briefwahlunterlagen angefordert. Das sind jetzt schon mehr als die 5019 Briefwähler von 2020. Die Stadt hat die Zahl der Briefwahllokale von neun auf 13 erhöht.

Ähnlich ist die Entwicklung in Wolfratshausen. Von 14 980 Wahlberechtigten hatten Ende Februar bereits 5670 Personen die Briefwahl beantragt. Die Stadt rechnet mit einem Anteil von mehr als der Hälfte, die diese Option letztlich nutzen.

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