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Betriebsratswahl in Grünheide: IG Metall verfehlt die Mehrheit, ist das Tesla-Management Schuld? | ABC-Z

Die IG Metall hat bei den Betriebsratswahlen in der Grünheider Tesla-Fabrik eine Schlappe erlitten. Die gewerkschaftlich organisierte Liste Tesla Workers GFBB konnte nur 13 der insgesamt 37 Betriebsratssitze erringen. Damit wurde die Gewerkschaftsliste zwar immer noch mit Abstand zweitstärkste Kraft. Doch das Ziel, eine Mehrheit in dem Gremium zu erringen, hat die IG Metall deutlich verfehlt.

„Meines Erachtens nach, weit weg von einem respektablen Ergebnis, vielmehr eine klare Niederlage“, freut sich Werksleiter André Thierig in einem LinkedIn-Post.

Wahlsiegerin ist mit 16 Sitzen die Liste „Giga United“, die von der aktuellen Betriebsratsvorsitzenden Michaela Schmitz angeführt wird. Wie auch alle anderen zur Wahl stehenden Listen außer der Gewerkschaftsliste gilt sie als verlängerter Arm des Tesla Managements. Die IG Metall kann sich also kaum Hoffnung machen, in den nächsten vier Jahren effektive Betriebsratsarbeit leisten zu können. Ziel der Gewerkschaft ist es, die Arbeitsbedingungen zu verbessern und langfristig einen Tarifvertrag im Werk zu etablieren.

Das war alles andere als eine faire Betriebsratswahl

Jan Otto, IG Metal-Bezirksleiter, Berlin-Brandenburg-Sachsen

2024 kam die IG Metall noch auf 40 Prozent der Stimmen und war damit größte Einzelfraktion. Die Wahlbeteiligung war mit etwa 90 Prozent höher als bei der vergangenen Wahl.

Schlammiger Wahlkampf

„Natürlich hätten wir uns gewünscht, stärkste Kraft mit Abstand zu werden“, kommentiert Jan Otto, IG Metall-Bezirksleiter Berlin-Brandenburg-Sachsen, das Ergebnis, „klar ist aber auch: Das war alles andere als eine faire Betriebsratswahl.“

Den Wahlkampf bezeichnet Otto als „Schlammschlacht“, die er als Gewerkschafter „noch nie zuvor erlebt“ habe. Höhepunkt war ein Polizeieinsatz während einer Betriebsratssitzung. Tesla beschuldigte einen eingeladenen Gewerkschaftssekretär, die Sitzung widerrechtlich auf seinem Laptop mitgeschnitten zu haben und nutzte den Vorfall, um die IG Metall gegenüber der Belegschaft zu diskreditieren. Die Gewerkschaft stellte eine Gegenanzeige wegen Verleumdung, eine Gerichtsentscheidung steht noch aus.

In den Monaten vor der Betriebsratswahl drohte das Management wiederholt: Sollte die IG Metall eine Mehrheit erlangen, würde das den geplanten Ausbau des Werkes gefährden. Zuletzt wandte sich Firmenchef Elon Musk selbst mit einer Videobotschaft an die Belegschaft und bekräftigte die Drohung des Ausbaustopps.

Einmischung von Musk

„Die Dinge werden sicherlich schwieriger, wenn es sozusagen externe Organisationen gibt, die Tesla in die falsche Richtung drängen“, sagte Musk. „Wir werden die Fabrik nicht schließen, aber realistisch gesehen, werden wir auch nicht erweitern.“

In den vergangenen zwei Jahren wurden in der Fabrik 1.700 Arbeitsplätze abgebaut, die IG Metall spricht daher von einem „Klima der Angst“ in der Belegschaft. Auch würden Kolleg:innen, die sich offen zur IG Metall bekennen, Nachteile im Betrieb erleiden, sagt Tesla Mitarbeiter Philip Schwartz, der für die IG-Metall-Liste kandidiert hat.

Der Kurs gegen die Gewerkschaft nimmt auch kuriose Züge an. So kam im Dezember der Rapper Kool Savas zu einem Auftritt vorbei und stimmte „Elon-Sprechchöre“ an. Und im Werksradio auf den Betriebstoiletten soll immer wieder gegen die IG Metall gewettert worden sein.

Das Agieren von Tesla sieht die IG Metall als Gefahr für die Demokratie. Rechtlich darf das Management eines Unternehmens nicht auf die Betriebsratswahlen Einfluss nehmen. Das, was Tesla tue, sei eine Form von Union Busting, kritisiert Bezirksleiter Jan Otto. „Hier hat ein Milliardär mit der Kraft seines Geldes die Demokratie ausgehöhlt.“

Entmutigen lassen will sich die Gewerkschaft von dem Ergebnis nicht. „Tesla wird nicht der erste oder der letzte Arbeitgeber sein, bei dem wir uns etablieren“, sagt Otto.

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