Gesundheit

Zähne: Kinder mit Karies an Milchzähnen entwickeln im Alter nachweisbar häufiger Herzkrankheiten |ABC-Z

Karies bei Milchzähnen wird oft unterschätzt, weil die Zähne ja ohnehin ausfallen. Forscher haben nun jedoch einen Zusammenhang zwischen frühkindlicher Zahnhygiene und Herzerkrankungen im Alter nachgewiesen.

Zahnlöcher und blutendes Zahnfleisch sind bei Kindern häufig zu beobachten. Gerade bei den Milchzähnen liegt der Schluss nahe, die Beschwerden nicht so ernst zu nehmen. Fallen sie doch ohnehin aus und werden schließlich durch bleibende Zähne ersetzt. Offenbar ein Trugschluss.

Eine Studie, die im „International Journal of Cariology“ veröffentlicht wurde, untersuchte dazu dänische Kinder. Die Forscher der Universität Kopenhagen, dem dänischen Krebsinstitut und dem University College London vermuteten einen Zusammenhang zwischen der Gesundheit im Mundraum im Kindesalter und späteren Gesundheitsproblemen im Erwachsenenalter.

Sie stellten fest, dass Menschen, die als Kinder mehrere Zahnlöcher hatten oder unter schweren Zahnfleischentzündungen litten, ein deutlich erhöhtes Risiko für Herzinfarkte, Schlaganfälle und Erkrankungen der Herzkranzgefäße hatten.

Die Forscher verglichen Daten von mehr als einer halben Million Kinder. Diese wurden zwischen 1960 und 1980 geboren. Dafür griffen die Wissenschaftler auf das nationale Kinderzahnregister der dänischen Gesundheitsbehörde sowie Daten zu Kardiovaskulären Erkrankungen aus dem nationalen Patientenregister bis zum Jahr 2018 zurück.

Bei ihren Untersuchungen bemerkten die Forscher mehrere auffällige Muster. Kinder mit mehreren Zahnlöchern entwickelten im Erwachsenenalter bis zu 45 Prozent öfter kardiovaskuläre Erkrankungen, verglichen mit Kindern mit wenigen Zahnlöchern. Auch bei Kindern mit häufigen Zahnfleischentzündungen stieg das Risiko um 41 Prozent. Der Trend ist bei Jungen und Mädchen nahezu gleich.

Bei dem Ergebnis handelt es sich um einen statistischen Zusammenhang. Unklar ist, wie Mundgesundheit in der Kindheit und spätere Herz-Kreislauf-Gesundheit kausal miteinander verbunden sind. Eine theoretische Erklärung deutet jedoch auf Entzündungen als entscheidendes Bindeglied hin.

„Wir vermuten, dass starke Entzündungen in Form von Zahnfleischentzündungen und Zahnkaries bereits in der Kindheit beeinflussen, wie der Körper später auf Entzündungen reagiert“, sagte Nikoline Nygaard, eine Studienautorin von der Universität Kopenhagen.

Zahnhygiene und Diabetes

Diese Theorie wird durch mehrere andere Arbeiten gestützt, die einen Zusammenhang zwischen bakteriellen Entzündungen im Mundraum und kardiovaskulären Krankheiten fanden. So veröffentlichte die World Heart Foundation einen Bericht, der starke Evidenz für diese Hypothese sieht. Demnach könnten Bakterien im Mund systemische Entzündungen an anderen Stellen im Körper auslösen, etwa an den Innenwänden der Blutgefäße.

In einer anderen Studie untersuchten Nygaard und ihre Kollegen, ob Mundgesundheit und Typ-2-Diabetes miteinander in Verbindung stehen. Tatsächlich stellte sich heraus, dass Kinder mit starken Zahnfleischentzündungen später ein 87 Prozent erhöhtes Risiko für Typ-2-Diabetes hatten. Bei jenen mit starker Karies war die Wahrscheinlichkeit immerhin um 19 Prozent erhöht.

Restlos geklärt ist jedoch noch immer nicht, inwiefern die mangelnde Mundgesundheit die späteren Krankheiten verursacht. Denn es könnte sich auch um parallel auftretende, aber voneinander unabhängige Folgen eines frühen, ungesunden Lebensstils handeln.

Ein ungesunder Lebensstil ist häufig mit geringer Bildung assoziiert. Daher versuchten die Forscher in ihren Auswertungen Bildungseffekte statistisch zu berücksichtigen, und so den Einfluss des Lebensstils möglichst kleinzuhalten.

„Wir können nicht ausschließen, dass der Lebensstil eine entscheidende Rolle spielt. Doch sogar, nachdem wir den Bildungsstand mitbetrachtet haben, fällt die Häufigkeit kardiovaskulärer Erkrankungen noch immer auf“, sagte Nikoline Nygaard.

Obwohl die Studie keinen kausalen Zusammenhang zwischen Mundgesundheit und Herzgesundheit belegen kann, zeigt sie deutlich das Präventionspotenzial, welches in einer besseren Zahnhygiene steckt. Alles, was es dafür braucht, ist regelmäßiges Zähneputzen schon im Kindergartenalter.

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