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Krieg im Nahen Osten: München stecken in Doha fest – München | ABC-Z

Noch immer steigen über Doha Hubschrauber auf, Militärjets sind am Himmel zu sehen, ebenso Drohnen. Detonationen sind zu hören. So berichten es Sabrina Gipp und Michaela Kistner an diesem Mittwoch per Videocall aus ihrem Hotelzimmer in der katarischen Hauptstadt. In diesem Zimmer hängen sie seit Sonntag fest und sollen es eigentlich nicht verlassen. Für die beiden Münchnerinnen sowie Gipps Eltern Silvio und Grit, die in Cottbus leben, wird das immer mehr zu einer Belastung.

Eigentlich befanden sich die vier Reisenden am vergangenen Samstag nach einer mehrtägigen Kreuzfahrt mit „Mein Schiff 5“ bereits auf der Heimreise. Am Samstagmorgen hoben die beiden Flugzeuge nach München und Berlin, in denen sie saßen, nahezu zeitgleich vom Doha International Airport ab. Aber nach etwa einer Stunde, so Sabrina Gipp, die mit ihrer Freundin und Arbeitskollegin Kistner zurück nach Bayern fliegen wollte, während ihre Eltern nach Berlin wollten, habe die Maschine „permanent Kreise gedreht und Kerosin abgelassen“, um im Anschluss wieder in Doha zu landen.

Seit dem Beginn der Angriffe der USA und Israels auf Iran liegt das Kreuzfahrtschiff „Mein Schiff 5“ in Doha vor Anker. Lana Dörrer/privat/dpa

Der Luftraum über Katar war kurz zuvor geschlossen worden und der Flugverkehr ist auch fünf Tage später noch stark eingeschränkt. „Seitdem stecken wir im Hotel fest“, sagt Sabrina Gipp; die Nacht von Samstag auf Sonntag hätten sie am Flughafen verbringen müssen, ehe sie gegen 5 Uhr am Morgen mit einem Bus in ihre derzeitige Unterkunft gebracht worden seien. Seitdem quäle sie vor allem die Ungewissheit, sagt Gipp. „Wir wissen nicht, wann es für uns zurückgehen soll und wir bekommen kaum Informationen.“

Erstmals brachten am Dienstag zwei Flugzeuge der Fluggesellschaft Emirates einen Bruchteil der etwa 30 000 im Nahen Osten gestrandeten deutschen Urlauber zurück. Am Münchner Flughafen lagen sich am Abend Rückkehrer aus Dubai und Angehörige in den Armen, es flossen viele Tränen.

Warum aber können in Dubai Maschinen abheben, in Doha hingegen nicht? Sabrina Gips berichtet, sie hätten sich an die deutsche Botschaft in Katar gewandt, aber von dort keine Rückmeldung erhalten. Anders etwa als Reisende aus Österreich, Spanien, Tschechien oder Australien, erzählt sie. „Man unterhält sich, es sind hier so viele Nationalitäten“, sagt Gipp. „Und alle berichten, dass sich die eigenen Botschaften kümmern. Wir aber haben noch nichts erfahren.“ An diesem Mittwoch hätten chinesische Urlauber erzählt, dass sie vom nahe gelegenen Militärstützpunkt aus bald die Heimreise antreten sollen.

Von ihrer Fluggesellschaft Qatar Airways sei ihnen „als letztes Update“ mitgeteilt worden, dass der Flugbetrieb vermutlich erst wieder am Samstag aufgenommen werden könne, sagt Kistner. „Ein Mitarbeiter hat uns geraten, dass wir über den Landweg nach Riad reisen sollen“, berichtet sie – von der Hauptstadt Saudi-Arabiens, so der Tipp, sollten sie dann versuchen, einen Flug in die Heimat zu ergattern. „Aber eine Reise durch die Wüste auf eigene Gefahr?“, fragt Kistner leise. „Und wir wissen auch nicht, wer dann die Kosten übernehmen soll.“

In ihrer Not haben sich Gipp und Kistner auch direkt an Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) gewandt; beide sind bei der Stadt angestellt. „Es kam auch sehr schnell eine Antwort aus dem Büro. Darin hieß es, das Büro würde Informationen besorgen und sich dann melden“, sagt Gipp. „Das war absolut positiv.“

Besonders ärgern sich die vier Reisenden indes über Deutschlands Außenminister Johann Wadephul (CDU), der noch am Montag behauptet hatte, das Auswärtige Amt habe bereits seit Längerem vor Reisen in die Golfregion gewarnt. Ein Irrtum, wie er danach zugeben musste. Für die Golfregion besteht erst seit 28. Februar eine formelle Reisewarnung. „Da waren wir aber schon unterwegs“, sagt Sabrina Gipp. „Wir haben nichts Falsches gemacht. Und jetzt hängen wir hier ohne Informationen fest.“

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