Schüler über Gemeinschaftsschule: „Man kennt sie sämtliche, seit sie klein sind“ | ABC-Z

taz: Matthis, was magst du an deiner Gemeinschaftsschule?
Matthis Schmidt*: Ich finde vor allem die Menschen besonders toll, natürlich besonders meine Freunde, aber auch die ganze Gemeinschaft. Die ist in den letzten paar Jahren auch noch mal besser geworden, da spielen die langjährigen Beziehungen, die man mit der Zeit entwickelt, sicher eine große Rolle. Auch mit meinen Lehrern habe ich ein gutes Verhältnis, weil ich die auch schon so lange kenne und mit ihnen durch das Leben gegangen bin.
taz: Was ist aus deiner Sicht besonders an deiner Schule?
Matthis Schmidt*: Vor allem, dass man die ganzen Menschen schon alle kennt, seit sie klein sind und mit ihnen aufgewachsen ist. Man ist halt zusammen durch verschiedene Lebensphasen gegangen. Außerdem finde ich es echt faszinierend, dass man, obwohl man sich ja eigentlich schon seit Jahren kennt, immer noch neue Beziehungen schließt – oder auch alte Feindschaften begräbt. Was an meiner Schule auch besonders ist: Wir sind nicht nur in der Grundschule, sondern auch in der Mittelstufe in jahrgangsübergreifenden Klassen. Ich glaube, das hat die Gemeinschaft noch einmal anders geprägt. Denn durch die verschiedenen Alter hat man immer verschiedene Perspektiven – was ich als sehr positiv empfinde.
taz: Die Grünen nennen die Gemeinschaftsschulen „Schulen der Zukunft“. Würdest du deine Schule so nennen?
Für mich müsste eine Schule der Zukunft individualistischer auf die Bedürfnisse und Interessen der Einzelnen eingehen, aber natürlich ohne das Gemeinschaftsgefühl zu schwächen
Matthis Schmidt*: Ich weiß nicht, ob ich das wirklich so nennen würde. Für mich müsste eine Schule der Zukunft individualistischer auf die Bedürfnisse und Interessen der Einzelnen eingehen, aber natürlich ohne das Gemeinschaftsgefühl zu schwächen. Bei uns wird durch das längere Zusammensein die Gemeinschaft auf jeden Fall gestärkt, aber das mit dem Eingehen auf die individuellen Schüler könnte besser sein.
Im Interview: Matthias Schmidt
heißt eigentlich anders, aber damit er ehrlich über seine Schule sprechen kann, möchte er lieber anonym bleiben. Der 16-Jährige besucht seit der 1. Klasse die Anna-Essinger-Schule in Zehlendorf. Inzwischen ist er in der 11. Jahrgangsstufe. Gerade macht er ein dreiwöchiges Praktikum in der taz-Berlin-Redaktion.
taz: Was gefällt dir nicht so?
Matthis Schmidt*: Es gibt Lehrer, mit denen ich, und auch andere, einfach nicht klarkommen. Dann der Hausaufgabenstress – ich finde das stressiger, als irgendwie etwas lernen zu müssen. Außerdem fände ich es toll, wenn es teilweise andere Themen geben würde. Das ist aber natürlich schwer, weil es so viele verschiedene Interessen gibt, das meine ich auch mit mehr Individualität. Der Geschichtsunterricht beispielsweise ist voll von dem, was in Deutschland im Zweiten Weltkrieg passiert ist, aber was in Asien los war, kommt nicht vor. Außerdem könnte es auch interessant sein, neue Leute kennenzulernen, was in einer Gemeinschaftsschule aber eben weniger stattfindet.
taz: Kennst du Schüler*innen, die Stress hatten beim Übergang von einer Schulform auf eine andere?
Matthis Schmidt*: Ich kenne jemanden, die ist in die 11 auf eine andere Schule gewechselt und hatte Schwierigkeiten, sich mit den neuen Leuten zurechtzufinden. Ein anderer Freund hatte bei seinem Wechsel auf ein Gymnasium kaum Probleme. Ich kenne allerdings auch jemanden, der von seinem Wechsel auf ein Gymnasium sehr überfordert war. Deshalb ist es, glaube ich, sehr schwer, generelle Sachen über diese Übergänge zu sagen, denn die Menschen und deren Vergangenheit sind so verschieden. Das Einzige, was ich generell sagen kann, ist, dass ich mehr Stabilität hatte.
* Name geändert, damit er ganz offen über seine Schule reden kann





















