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Was bedeutet Iran-Krieg für den Fußball: Solidarität und Angst | ABC-Z

Vor knapp einer Woche verbreitete der iranische Torhüter Rashid Mazaheri auf Instagram mehrere Fotos von Ali Chamenei. Darauf wurde das langjährige religiöse Oberhaupt Irans als „Satan“ dargestellt. Mazaheri, der drei Länderspiele bestritten hatte, schrieb dazu: „Deine Herrschaft über dieses heilige Land ist beendet.“ Kurz darauf berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Fars, dass Mazaheri wegen eines mutmaßlichen Betruges vorgeladen worden sei. Angeblich würde er „Lügen erfinden, um sich vor der Begleichung seiner Schulden zu drücken“.

Die Ehefrau von Rashid Mazaheri schrieb in sozialen Medien von konstruierten Vorwürfen des Regimes, um Kritiker zu diskreditieren. Drei Tage nach dem Post des Fußballers war die Herrschaft von Ali Chamenei tatsächlich beendet, er wurde während eines israelisch-amerikanischen Militärangriffs getötet. Rashid Mazaheri ist offenbar noch immer in Haft.

Das Regime will offenbar Kommentare von prominenten Stimmen unterbinden, aus Sorge vor einer erneuten Protestwelle. Die iranischen Fußballerinnen nehmen gerade in Australien an der Asienmeisterschaft teil. Vor ihrem ersten Spiel gegen Südkorea wurde Nationaltrainerin Marziyeh Jafari auf einer Pressekonferenz um einen Kommentar zur politischen Lage gefragt.

Wenige Wochen zuvor waren zwei Spielerinnen aus Protest gegen das Regime zurückgetreten. Doch ein Vertreter des asiatischen Fußballverbandes AFC forderte, den Fokus auf das Sportliche zu richten. Direkt vor den Anpfiff, beim Abspielen der iranischen Nationalhymne, sang dann das ganze Team demonstrativ nicht mit. Eine mutige Geste. Die Partie verlor Iran mit 0:3.

Protest aus dem Exil

Fußballer, die ihre Karriere beendet haben und im Exil leben, können ihren Protest einfacher ausdrücken, aber auch sie haben Konsequenzen zu fürchten. Ali Karimi zum Beispiel, er hatte für Iran ab den späten Neunziger Jahren 127 Länderspiele bestritten, zwischen 2005 und 2007 spielte er auch für den FC Bayern. Karimi steht dem Regime seit Jahren kritisch gegenüber und verließ Iran 2022, seither musste er seinen Wohnort aus Sicherheitsgründen mehrfach wechseln. Nun, während des Krieges, verbreitet Karimi auf Instagram täglich mehrere Fotos und Botschaften, er hat fast 15 Millionen Follower.

Dabei erinnert er auch an die Fußballerinnen und Fußballer, die bei der Niederschlagung der Proteste im Januar getötet worden sind. Zum Beispiel an den Erstligatorwart Salar Behdari aus Arak, die Schiedsrichterassistentin Saba Rashtian aus Isfahan oder den ehemaligen Profispieler Mojtaba Tarshiz aus Andischeh. Mehr als 30.000 Menschen sollen während der Proteste getötet worden sein, mindestens 20.000 wurden offenbar festgenommen.

Ali Karimi war es auch, der einen Ausschluss des iranischen Nationalteams von internationalen Wettbewerben forderte. Im Januar formulierten er und 19 andere Fußball-Persönlichkeiten mit Verbindungen zu Iran einem offenen Brief an die Fifa. Darin hieß er: „Der Fußball als das einflussreichste soziale Phänomen der Welt darf angesichts von Hinrichtungen, Morden, willkürlichen Verhaftungen und Drohungen gegen Sportler nicht schweigen.“ Damals und heute hält sich die Fifa mit einer klaren Positionierung zurück.

Eigentlich sollte das WM-Jahr 2026 ein wichtiges Jahr für den iranischen Fußball werden. Doch das Turnier findet ausgerechnet in den USA, Kanada und Mexiko statt. Schon in der ersten Amtszeit von Donald Trump hatte die US-Regierung 2019 die iranischen Revolutionsgarden als Terrororganisation eingestuft. Iraner, die den Revolutionsgarden nahestehen, dürfen nicht in die USA einreisen. Das soll auch für Fußballfunktionäre gelten und womöglich für Nationalspieler wie Kapitän Mehdi Taremi, die bei den Revolutionsgarden ihren Wehrdienst absolviert haben.

Nach den Protesten im Januar ist scheinbar auch die Skepsis im iranischen Fußballverband gewachsen. Zwei der drei Vorrundenspiele des iranischen Teams sollen in Los Angeles stattfinden, wo die weltweit größte Diaspora-Gemeinde von Iranern lebt. Proteste gegen das Regime wären wahrscheinlich. Vor diesem Hintergrund sollen einige iranische Funktionäre einen Ausschluss Irans von der WM begrüßen, berichtet „Iran-Wire“, ein Medienportal im Exil.

Eingestellter Spielbetrieb

Nun, während des Krieges, legen Aussagen den Eindruck nahe, dass der iranische Verband sein Team selbst zurückziehen könnte. „Sicher ist, dass wir nach diesem Angriff nicht mit Freude auf die WM blicken“, sagte Verbandspräsident Mehdi Taj dem Sportportal „Varzesh3“. „Das US-Regime hat unser Heimatland angegriffen, und das kann nicht unbeantwortet bleiben.“ Zum bislang letzten Mal hatte sich Indien 1950 von einer WM zurückgezogen, damals wegen zu hoher Reisekosten.

Wegen der vierzigtägigen Staatstrauer für Ali Chamenei ruht in Iran der Spielbetrieb. Die WM-Vorbereitungsspiele Irans gegen Nigeria und Costa Rica, die für Ende März in Teheran geplant waren, werden womöglich ausfallen oder in einem anderen Land stattfinden.

Während der Proteste im Januar solidarisierten sich etliche Fußballpersönlichkeiten mit den Demonstrierenden. Die iranische U-23-Nationalmannschaft verzichtete bei der Asienmeisterschaft in Saudi-Arabien vor ihrem ersten Spiel auf das Singen der Nationalhymne. Ihr Trainer Omid Ravankhah sagte auf einer Pressekonferenz: „Unter diesen Umständen ist es meine gesellschaftliche Pflicht, mich an die Seite meines Volkes zu stellen.“

Nach seiner Rückkehr wurde Ravankhah auf dem Flughafen von Teheran festgesetzt und stundenlang befragt. Ebenfalls festgenommen wurde der ehemalige Nationalspieler Vouria Ghafouri, der seine Cafés geschlossen hatte und zum Protest aufrief.

Nach der Tötung von Ali Chamenei halten sich aktuelle Fußballnationalspieler mit klaren Botschaften zurück. Andernfalls würden sie womöglich ihre Familien und Freunde in Iran gefährden.

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